Mamma Mia Marschal

Mamma Mia Marschal

Antenne Düsseldorf à la Carte

Unsere Morgenfrau Tanja Marschal macht den Restaurant-Check und testet Restaurants auf Herz und Nieren. Wie es geschmeckt hat, erfahren Sie regelmäßig bei Antenne Düsseldorf. Das Fazit gibt es natürlich hier zum Lesen und Hören im Blog zu Mamma Mia Marschal.

Test: ÔÇ×BAZÔÇť - Brauereiausschank am Zoo

Na, das war doch auch mal eine sch├Âne Variante. Mal ganz unkompliziert und locker und gem├╝tlich. Brauerei-Feeling eben, nur dass der Service einen nicht anraunzt, sondern super freundlich ist. Der “Brauereiausschank am Zoo” hat absoluten Wohlf├╝hlcharakter. Sehr gemischtes Publikum. K├Ânnte mir sehr gut vorstellen, dort einfach mal auf ein, zwei Bierchen zu versacken. Aber heute sind wir ja zum Essen da. Und das klingt spannend, aber der Reihe nach. Vier G├Ąnge erwarten uns heute Abend. Und weil wir Lust auf Rotwein haben, bekommen wir direkt einen tollen Tropfen empfohlen: den “Blutsbruder” von Karl May! Der gef├Ąllt uns so gut, dass wir (bef├╝rchte ich) den ganzen Keller leer getrunken haben. Wenn Sie aber lieber bei Bier bleiben wollen, was nat├╝rlich auch eine gute Wahl w├Ąre, dann wird hier zum Beispiel F├╝chschen getrunken. Es geht also los mit einem “Getr├╝ffelten Cremes├╝ppchen von der S├╝├čkartoffel”. Ich finde ehrlich, das klingt auf den ersten Blick nicht sonderlich spektakul├Ąr, ist es aber! Ganz wunderbar cremig mit einem sehr ausgewogenen Geschmack. Man schmeckt die S├╝├čkartoffel super durch, das Tr├╝ffelige erschl├Ągt nichts. Toll einfach. Eigentlich wollte ich die Suppe nicht komplett aufessen, um etwas Platz f├╝r die n├Ąchsten G├Ąnge zu lassen, aber daraus wird nichts. Sie schmeckt einfach zu lecker.

Falls Sie denken: “Ok, Brauereik├╝che - das ist immer das Gleiche.” Oh, nein! Nat├╝rlich bekommen Sie hier auch “Klassiker”, aber ich bin mir sicher, die k├Ânnen richtig was. Denn gucken Sie mal hier: “Ger├Ąucherter Elchschinken an frischem Feldsalat, ger├Âsteten N├╝ssen und Senf-Vinaigrette”. Das ist der zweite Gang. Und den verschlingen wir. Elchschinken! Tja, wie schmeckt der? Toll. Sehr sch├Ânes Aroma. Habe ich noch nie gegessen. Die N├╝sse und die Vinaigrette passen super dazu. Ganz feiner Gang. Was ├╝brigens auch f├╝r den Service gilt. Also das mit dem “fein”. Sehr aufmerksam, sehr charmant-locker und immer zackig unterwegs. Merci!

Was ich bei diesem Men├╝ spannend finde: Hier kommen Sachen auf die Teller, die ich einfach nicht kenne. Elchschinken eben. Und dann jetzt zum Hauptgang: Rentier! Da traut sich aber einer was. Das Problem ist, dass ich in den letzten Tagen sooo viel Fleisch hatte, dass ich eigentlich mal eine Pause brauche. Insofern nimmt meine Begleitung: “Tranchen von der Rentierh├╝fte an Kohlrabistampf mit Preiselbeerjus”. Und sie verspricht, dass ich probieren darf. Ich nehme den Fisch. Aber zun├Ąchst zum Rentier. Gut, ich blende den Gedanken aus, dass ich gerade “Rudolph mit der roten Nase” esse, aber dann bin ich begeistert. Das Fleisch ist butterzart. Wir versuchen es geschmacklich einzuordnen und landen dann bei einer Mischung aus Hirsch und Schwein. Das mag komisch klingen und vielleicht empfinden Sie es ganz anders. Schwierig zu beschreiben. Schon eher in die Wild-Richtung, aber milder und feiner. Sehr fettarm auch, ohne aber trocken zu sein. Wow. Echt eine Delikatesse. Das hat die K├╝che hier verdammt gut auf die Teller gebracht. Wir sind begeistert.

Und ├╝brigens genauso vom “Schwarzen Heilbutt unter der Walnusshonighaube an Wasabi-Kartoffelstampf mit Champagner-Senfsauce”. Dass das hier soooo lecker schmeckt… Der Fisch ist perfekt gegart, die Haube nicht zu dick, die Sauce Hammer und selbst der Kartoffelstampf ist toll. Und dabei kann ich eigentlich keinen mehr sehen. Respekt! Bin begeistert. Beim Dessert m├╝ssen wir leider beide kapitulieren: “Variation von der Mousse an nordischer Moltebeerso├če”. Auch sehr ausgefallen, aber wir platzen. Also: Spannendes und leckeres Men├╝ f├╝r 35 Euro. Ganz toller Service und wirklich leckere Weine, wenn man mal keine Lust auf Bier hat. Wir bedanken uns herzlich und kommen bald auf ein Alt vorbei!

19. März 2015,

Test: Sascha - Rotisserie & Bar

Ich kann nicht anders. Ich liebe diesen Laden. Wo gibt es sowas noch in D├╝sseldorf? Ein Restaurant, das sich von allen anderen abhebt, weil es eben so einzigartig ist? Mit einem Koch, der eine ganz eigene, unverwechselbare Handschrift hat. Gut, die mag jeder gute Koch haben, aber diese hier ist anders… Ich kenne nichts vergleichbares. Und so starten wir mit einem Glas Cr├ęmant, das es hier zur Begr├╝├čung gibt, w├Ąhrend ich mich zur├╝cklehne und seufze, weil ich wieder feststellen muss, dass Sascha und seine Rotisserie & Bar wirklich einzigartig sind.

Das Men├╝ beginnt mit einem “Cappuccino vom Waldpilz”. Ha - und wenn Sie jetzt meinen: “Ach so, ein S├╝ppchen in einer kleinen Tasse, wie das jetzt alle machen!”, dann muss ich Sie entt├Ąuschen. Oder besser gesagt erhellen. Sascha macht’s n├Ąmlich nicht wie alle. Der Cappuccino bezieht sich n├Ąmlich nicht auf die Gr├Â├če, sondern auf den Geschmack. Das hier ist eine Geschmacksbombe. Es schmeckt n├Ąmlich tats├Ąchlich nach einem Hauch von Cappuccino, der sich unfassbar gut mit dem Pilzaroma vertr├Ągt. Der Waldpilzgeschmack fliegt einem f├Ârmlich um die Ohren. Frisch und knackig sind sie. Abgerundet mit leckeren Croutons. Einfach super!

Bei dem n├Ąchsten Gang denke ich erst: “Was? Stockfisch?” Es gibt n├Ąmlich folgendes:

“Stockfisch | Kalbstafelspitz | Hummerkrabbe | Rauke”. Der Stockfisch wurde hier mit Kartoffelp├╝ree verarbeitet. Und das ist eine kleine Sensation. Schmeckt einfach nur fantastisch. Nix fischig, einfach nur wow. Es ist ein bisschen tapasm├Ą├čig angerichtet, so dass ich mich jetzt weiter nach rechts vorarbeiten kann, um die Krabbe in ihrer tollen Sauce zu verputzen. Der Kalbstafelspitz ist auch gro├čartig. Meine Begleitung meint, es ist der erste Kalbstafelspitz, den sie isst, der saftig ist und richtig nach was schmeckt. Auch wieder so ein toller Gang. Wir trinken ├╝brigens auch sch├Âne Weine dazu, die Lust auf mehr machen.

Beim Hauptgang k├Ânnen wir es eigentlich kurz machen: “Coq au vin mit Kirsch-Rotkraut und S├╝├čkartoffel-M├Âhrenp├╝ree”. Kurz weil: Bei “Sascha” gibt es einen der besten Coq au vins der Stadt. Basta. Wenn Sie aber wahlweise lieber Fisch m├Âchten: “Jakobsmuschel-Gratin mit Spinat und Cr├ęmant-Wei├čkraut”. Das ist abgefahren. Freunde der franz├Âsischen K├╝che werden es lieben. Ich habe mich total in das Wei├čkraut verliebt. Lecker! Dieser Gang braucht allerdings etwas Zeit. Es schmeckt super, aber ungewohnt. Wird von Bissen zu Bissen geiler.

Und wir lieben es einfach, in diesem kleinen, schnuckeligen Restaurant zu sitzen. Das hat sowas famili├Ąres. Fehlt also nur noch das Dessert. Auch da k├Ânnen Sie w├Ąhlen: Klassisch eine Cr├Ęme br├╗l├ęe oder “Zweierlei von der Schokolade”. Kommt in Form einer Mousse und eines saftigen Schokokuchens daher. Zum Reinlegen.

Ich bin wieder mal begeistert. Das Men├╝ gibt es f├╝r 37,50 Euro. Toll.

13. März 2015,

Test: Saltimbocca

Ein Klassiker muss sein. Wenn es schon was zu feiern gibt. Das “Saltimbocca” in Gerresheim feiert n├Ąmlich sein 15-j├Ąhriges Jubil├Ąum bei der Tour de Menu. Hat in all den Jahren immer wieder ganz oben mitgespielt bei der Bewertung der G├Ąste, st├Ąndig die Tour gewonnen. Und mich w├╝rde es nicht wundern, wenn es in diesem Jahr ├Ąhnlich aussehen w├╝rde. Der Service ist umwerfend und was da dieses Mal wieder auf die Teller kommt: Mamma Mia! Sechs G├Ąnge f├╝r unschlagbare 44,50 Euro. Aber viel wichtiger ist ja, wie es schmeckt.

Als Vorspeise gibt es “Millefoglie mameli: Zucchini, Steinpilze und Scamorza-K├Ąse bedeckt mit ger├Ąuchertem G├Ąnsebrust-Carpaccio”. Das f├Ąngt ja schon gut an. Dieses l├Ąssige Raucharoma, toll. Sowohl bei der Gans als auch beim K├Ąse. Bringt eine ganz tolle Note rein, erschl├Ągt die Zucchini aber nicht. Dazu ein feiner Wei├čwein, hmmm. Kann weitergehen.

Einer meiner Lieblingsg├Ąnge jetzt: “Maccheroncini mit hausgemachter Salsiccia aus Kalabrien und Rucola”. Ich muss dazu sagen, ich stehe wie eine 1 auf Salsiccia. Und diese hier ist der Hammer. Mit

Wildfenchel. Die schmeckt einfach nur gro├čartig. Und wie sie sich mit der tollen Tomatensauce versteht! Hatte ich schon erw├Ąhnt, dass das “Saltimbocca” die besten Saucen macht? Das geht so weit, dass die G├Ąste st├Ąndig mit dem Brot den letzten Tropfen vom Teller saugen. Wie genial eine Pasta doch sein kann!

Und wenn dann noch dieser italienische Charme in Form des Services daher kommt… Noch ein Schl├╝ckchen Wein und dann geht’s an den n├Ąchsten Gang: “Edelfisch aus dem Mittelmeer mit frischen Kr├Ąutern und Kirschtomaten. - Eine Spezialit├Ąt aus Livorno.” - Falls Sie sich jetzt wundern, warum der Fisch keinen konkreten Namen bekommt: Ganz einfach: Weil der tagesaktuell wechselt. Es kommt nur frischer Fisch auf die Teller, der auch qualitativ die Erwartungen der K├╝che erf├╝llt. Sprich: Hat der H├Ąndler auf dem Markt an dem Tag nur schrottigen Loup de Mer beispielsweise, der viel zu klein ist oder was auch immer, dann gibt’s halt was anderes. In unserem Fall waren das gigantische, unbeschreiblich leckere Jakobsmuscheln. Noch sch├Ân glasig. Und die Sauce wieder … Jedes Mal denke ich: “Wie k├Ânnen die solche Saucen zaubern?” Selbst die Kirschtomaten waren fantastisch, sonst ja nur l├Ąstiges Beiwerk. Grandios dieser Gang.

Bei all der Begeisterung m├╝ssen wir uns jetzt ein wenig runter k├╝hlen. Mit dem “Fr├╝chtesorbet in Prosecco - M├ęthode champenoise”. Ach, wie erfrischend. Man schmeckt Zitrone, Melone, Kirsche, Erdbeere. Und irgendwie erinnert es an das Eis aus der Kindheit: Ed von Schleck. Lustig.

Wir wechseln jetzt zum sehr, sehr guten Rotwein. Nach einer kleinen Pause kommt n├Ąmlich der Hauptgang. Sie k├Ânnen w├Ąhlen. Beschreibung Nummer 1: “In Umbrien, der Heimat der schwarzen Schweine, essen Sie ein Filet, umh├╝llt von sehr mildem Speck aus Norcia in Salbeisauce”. Oder Nummer 2: “Milchkalbsfilet mit Steinpilzen und Kr├Ąuterseitlingen in Pecorino-Cremesauce”. Wir k├Ânnen es kurz machen: Beides ist perfekt. Toll gebraten, voller Aromen und wieder, ja, wieder diese Saucen…

Mario, der Chef in der K├╝che, bekommt von mir den “Saucen-Pokal” verliehen. Dann hat er wenigstens einen. Den anderen bekommt er n├Ąmlich nicht. (Juve-Fan! Aber leider wird Borussia Dortmund Juventus Turin aus der Champions League kicken.)

Selbst die Erbsen mit Parmesan schmecken als Beilage hervorragend. Das nur mal am Rande. Eigentlich sind wir pappsatt, aber Dessert geht ja bekanntlich immer und deswegen g├Ânnen wir uns auch noch das ├ťberraschungsdessert zum Jubil├Ąum. Damit das auch eine ├ťberraschung bleibt, sage ich nur so viel: Grand Manier und Waldfr├╝chte spielen eine Rolle und es ist einfach nur lecker!

Da kann man nur sagen: “Liebes Saltimbocca! Herzlichen Gl├╝ckwunsch zu 15 Jahren Tour de Menu! Und bitte, bitte, bitte auch noch 15 weitere Jahre so viel leckere Sachen auf die Teller zaubern!”

13. März 2015,

Test: ReinhardtÔÇśs

Wir fahren heute nach Ludenberg. Rein ins Gr├╝ne. Und ich frage mich, warum ich es eigentlich bisher nicht geschafft habe, schon fr├╝her dorthin zu fahren. Besuchen wir doch Michael Reinhardt auf Gut Moschenhof. Er stand mal im Breidenbacher Hof in der K├╝che und die Male, die ich bei ihm essen durfte, sind unvergessen. Ich bin jedes Mal in Ekstase verfallen, bei dem, was er auf die Teller gezaubert hat. Umso mehr freue ich mich also, heute endlich Gast in seinem eigenen Restaurant “ReinhardtÔÇśs” zu sein. In der Hoffnung, dass er noch genauso fantastisch kocht wie damals im Hotel…

Das Motto des Men├╝s: ÔÇ×Feinb├╝rgerlich”. Das Restaurant ist auf jeden Fall eine Wohlf├╝hl-Oase auf Gut Moschenhof. Sehr gem├╝tlich. Und man hat tats├Ąchlich das Gef├╝hl, nicht mehr in D├╝sseldorf zu sein. Wir werden den ganzen Abend - das kann ich schon mal vorweg schicken - von einem atemberaubenden Service verw├Âhnt. Grandios. Meine Begleitung sagt st├Ąndig: “Mann, sind die gut hier!” Ja. Gucken wir auf das Men├╝: “Gin Tonic Lachs - Gurke | Ingwer | Gem├╝sepl├Ątzchen”.

Ja, ich glaube, ich spinne! Was ist das denn Geniales? Nee, Leute echt. Das ist der Wahnsinn. Ich habe keine Worte daf├╝r. Es schmeckt irgendwie so als w├╝rde ich die geilsten Lachs-Maki bei meinem Lieblings-Japaner essen, auch mit der tollen Mayo dazu, aber dann ist es doch wieder anders. Was soll ich sagen? Dieser Gin Tonic Lachs hat mich umgehauen. Ich sitze nur noch da und sch├╝ttel ungl├Ąubig den Kopf.

Das Schlimme ist nur, es wird noch besser. Der Zwischengang, die “Creme von gr├╝nen Erbsen - Pulpo | Kr├Ąuter | Lardo” ist NICHT VON DIESER WELT! Zun├Ąchst mal: Was f├╝r eine Kombination?! Ich sage mal “Erbsensuppe” mit Pulpo: Wer kommt auf sowas? Und wer wei├č, dass das perfekt zusammen passt? Als w├Ąre es das Normalste der Welt? Der Pulpo mit diesem Grillaroma, er schmilzt auf der Zunge. Er schmilzt einfach, genauso wie der Speck in der Suppe. Das ist ein Erlebnis! Und fast m├Âchte man weinen, damit er nicht schmilzt und dieser Geschmack f├╝r immer und ewig bleibt. Der beste Pulpo, den wir je gegessen haben. Ach, Herr Reinhardt und K├╝chenteam - Sie machen mich fertig! Wir haben das Gef├╝hl, dass wir in die Zwangsjacke m├╝ssen, wenn er so weiter kocht.

Beim Hauptgang sind wir kurz davor! ├ťbrigens: Tolle Weine gibt es hier auch. Wir haben jeden Tropfen genossen. Und wieder k├Ânnen wir nur nochmals betonen, wie herausragend der Service hier ist.

Der Hauptgang: “Knuspriger Schweinebauch - 24 Stunden gegart - Koriander-Kohl | S├╝├čkartoffel | R├╝benkraut”. Auch hier: Bombe! Der Schweinebauch schmilzt genauso im Mund. Diese ganzen Komponenten, die sich hier finden und perfekt harmonieren: Sensationell. Ich wei├č nicht, welche Worte ich noch finden soll. Was hier auf die Teller kommt, ist einfach der Wahnsinn.

Meine Begleitung steht eigentlich nicht so auf S├╝├čes, aber selbst sie sagt zu dem Dessert, das kommt: “Ich k├Ânnte mich rein legen!” Es gibt: “Zweimal Williamsbirne - Nougat | Balsamessig”. Ich liebe Nougat und dieses hier noch mehr. Die Williamsbirne in ihren verschiedenen Formen - ein Traum. Was aber noch geiler ist, ist der Balsamessig. Der liegt hier in dicken, dunklen Tropfen auf dem Teller und explodiert im Mund. Sie merken schon, dass ich mich kaum beruhigen kann. Und das alles f├╝r 48 Euro.

Wenn ich mir so ├╝berlege, wie das bisher in den Restaurants war, dann w├╝rde ich sagen: Waren alle richtig gut. Schulnoten 2 minus bis 1 minus. Das “Reinhardt’s” bekommt eine 1 plus, plus, plus, plus mit Sternchen. Was ein Wahnsinn! Tausend Dank f├╝r diesen unfassbaren Abend.

9. März 2015,

Test: The View

Wenn die Stra├čenbahn aussieht wie eine Modelleisenbahn, dann sind Sie im “The View” im Medienhafen. Was f├╝r ein Ausblick! Das Restaurant ist auf der 16. Etage des INNSIDE Hotels. Sie k├Ânnen ├╝ber das ganze Hafen-Areal blicken. Ach, ├╝ber die halbe Stadt! Egal ob Sie in der echt coolen Bar sitzen und einen Cocktail zur DJ-Mucke trinken oder eben im Restaurant Platz nehmen. Dieser Blick ist unschlagbar. Allein deswegen lohnt es sich schon! Wenn man dort ist, f├╝hlt man sich auch gar nicht wie in D├╝sseldorf. Meine Freundin meinte: “Ich habe das Gef├╝hl, ich bin in Bangkok in der Sky-Bar!” OK, D├╝sseldorf und Bangkok, das sind dann doch noch einmal ganz verschiedene Welten, aber ich wei├č, was sie meint. Man f├╝hlt sich so schwebend und tats├Ąchlich so als w├Ąre man im Urlaub. Nachdem wir also den Ausblick mit einem (verdammt guten!) Cocktail in der Bar genossen haben, wollen wir uns ans Men├╝ machen.

Das beginnt klassischer Weise mit einem Amuse-Bouche, also dem Gru├č aus der K├╝che. Lassen Sie sich ├╝berraschen. Nur so viel: Lecker! Starten wir also durch mit dem ersten Gang, den K├╝chenchef Markus Streiber und sein Team kreiert haben: “Carpaccio vom Simmenthaler Rind I Jakobsmuschel | Tr├╝ffel | Parmesan”. Ja, heidewitzka! Feinstes, superfrisches hauchd├╝nnes Fleisch. Auf das Sie unbedingt etwas von dem feinen ├ľl tr├Âpfeln sollten. Nicht zu viel, damit der Eigengeschmack nicht verloren geht, aber ein wenig. Das macht es noch saftiger. Dazu diese unfassbar leckere Tr├╝ffelmayo und die Kapern f├╝r die S├Ąure. Bombe! Die Jakobsmuschel hat die Pfanne auch nur kurz gek├╝sst, ist also nicht durchgebraten. Sch├Ân glasig - passt also zu dem rohen Fleisch. Ein sehr, sehr geiler Gang.

Nehmen Sie auch bitte, bitte die Weinbegleitung dazu. Allesamt perfekt zu den einzelnen G├Ąngen, die ├╝brigens von einem gro├čartigen Service-Team serviert werden. Das einen gro├čen Anteil daran hat, dass die Anonymit├Ąt, die oft in einem Hotel herrscht, verpufft. Wir bekommen nun: “Zanderfilet | Rote Bete | Mango | Kaviar”. Wie das schon aussieht. Ein kleines Gem├Ąlde. Wie der Fisch mit der sch├Ânen, gelben Mangospalte da auf dem Rote Bete-Spiegel liegt. Die Haut vom Zander sch├Ân kross, der Rest zerf├Ąllt beim blo├čen Anblick. Geschmacklich fantastisch, diese ganzen Aromen. Auch der Kaviar. Der ├╝brigens im Mund explodiert, wenn Sie den daf├╝r vorgesehenen Wein dazu trinken. Ja, dieser Test ist wieder eine Lobeshymne. Aber was soll man machen, wenn einfach alles stimmt?!

Feinste Zutaten, sehr hohes Niveau in der K├╝che und tolle Weine. Dazu dieser atemberaubende Blick auf unsere Stadt. Wir freuen uns also auf den Hauptgang: “Filet und Backe vom Weidekalb I Kleines Gem├╝se | Kartoffel-Croutoncreme | Balsamico-Jus”. Herrlich. Wie sch├Ân bunt und fr├Âhlich das schon wieder aussieht. Und auch dieser Gang ist einfach ganz toll. Das Fleisch der absolute Genuss. Und was ich sch├Ân finde: Hier traut man sich zu w├╝rzen. Also die guten Leute, die hier am Herd stehen. Nix laffes dabei.

Was ich ├╝brigens eigentlich gar nicht oft genug sagen kann: Der Service ist au├čergew├Âhnlich gut! Wirklich auffallend gut. Am Ende des Abends habe ich zudem das Gef├╝hl, noch ein kleines Weinseminar absolviert zu haben. Tolles Fachwissen, charmant und aufmerksam. 12 Punkte! Wir bekommen n├Ąmlich zum Kalb einen Rotwein, der einfach nur grandios ist. Er hat durchaus Charakter, erschl├Ągt das Kalbsfleisch aber nicht. Nein, er begleitet es perfekt.

Fehlt also nur noch das Dessert: “Quantum von der Kokosnuss”. Wenn Sie Kokosnuss m├Âgen, dann sind Sie hier im Paradies. In allen m├Âglichen Formen erscheint sie auf dem Teller. Mein Favorit: Ein abgewandeltes Raffaello. Erinnert mich an einen tollen Nachtisch, den ich bei meinem Lieblings-Dim Sum-Chinesen immer esse. Super!

Also: Sie m├╝ssen unbedingt mal ins “The View”. Wie der Name schon sagt, ist die Aussicht unschlagbar. Und das Essen mit allem, was dazu geh├Ârt, war einfach nur gro├čartig! Das Men├╝ kostet 58 Euro.

6. März 2015,

Test: Segin’s

Es geht zur├╝ck in die alte Heimat von Antenne D├╝sseldorf. Wir sind ja jetzt in den Schadow Arkaden. Schon cool so mittendrin in der City, aber noch h├Ąngt mein Herz am Medienhafen. Ich merke, wie ich richtig l├Ącheln muss, als wir ankommen. Es geht in das Restaurant “Segin’s”. Der Chefkoch ist da Namensgeber: Andr├ę Segin. Und ich muss das loswerden: Ich habe mich in den letzten Jahren an Restaurants im Hafen satt gesehen. Ich fand die L├Ąden immer seelenlos und zu schick. Mehr Schein als Sein. Und insofern geht hier mein Herz auf. Endlich mal ein Restaurant im Medienhafen, dass wirklich Seele hat. Es ist fast kuschelig hier und man f├╝hlt Herz. Tut das gut inmitten dieses ganzen Schischis. Wundersch├Ânes Restaurant mit warmem Kerzenlicht. Und dazu noch der unschlagbare Blick auf das Hafenbecken.

Normalerweise nicht erw├Ąhnenswert: Das Brot vorab. Aber das hier ist der Hammer. Hausgemacht. Ich bin eigentlich auch kein Brotfan, aber hier kann ich mich nicht zur├╝ckhalten. Ganz, ganz toll. Wenn das Men├╝ nur halb so gut wird, kann hier nichts schief gehen. Das Schlimme ist nur: Es wird noch viel besser.

Zum Auftakt gibt es: “Gebratene Langostinos auf Brunnenkressecreme mit Safran-Champagnerschaum”. Das schmeckt genauso wie es klingt: Gro├čartig! Meine Begleitung guckt mich mit weit aufgerissenen Augen an und meint: “Poooaaah! Das ist ja der Wahnsinn!” Kann ich nur so unterschreiben. Diese Brunnenkressecreme! Ach, alles zusammen einfach nur der nackte Wahnsinn. Besser geht’s nicht. Alleine f├╝r diesen Gang m├Âchte ich die Michelin-Tester vorbei schicken und sie dazu verdonnern, dass dieser Gigant am Herd namens Andr├ę Segin einen Stern bekommt. Wow. Wow. Wow.

Wir k├Ânnen den zweiten Gang kaum erwarten. Klingt erst einmal gar nicht so rei├čerisch:” Erbsens├╝ppchen mit Chili und Cr├Ęme fra├«che”. Es ist nichts gegen eine gute Erbsensuppe einzuwenden, aber wenn Sie jetzt so die klassische Variante vor Augen haben, vergessen Sie es. Diese Farbe: So ein echtes, ehrliches Gr├╝n. Als ich mir den ersten L├Âffel in den Mund schiebe, l├Ąuft in Sekundenschnelle ein Film in meinem Kopf ab. Ich sehe mich mit acht Jahren im Garten meiner Eltern stehen, eine Erbsenschote vom Beet pfl├╝ckend, die ich dann aufrei├če, und wie ich dann mit den Z├Ąhnen die unterschiedlich gro├čen Erbsen gekonnt in meinen Mund ziehe. Dieser einzigartige Geschmack. Diese Frische. SO schmeckt diese Suppe. Dazu der leichte Chili-Kick - Wahnsinn! Ich kann nur noch mit dem Kopf sch├╝tteln.

Der Service ist zuckers├╝├č. Hat fast etwas famili├Ąres. Und als die Frage kommt: “Haben wir Ihren Geschmack getroffen?”, da m├Âchte ich diesem herzlichen Menschen um den Hals fallen und vor Freude weinen. JA!!!! Aber sowas von JA!!

Der Traum ist aber noch nicht zu Ende. Es folgt das “US-Filetsteak mit Meerrettichkruste, Edamame-Bohnen und Pont-Neuf-Kartoffeln”. Man kann ein tolles St├╝ck Fleisch mit Meerrettich erschlagen. Aber auch hier versteht es das K├╝chenteam, genau das nicht zuzulassen. Perfekt dosiert, geschmacklich eine Bombe. Das Fleisch perfekt gegart, die Bohnen dazu auch gro├čartig. Ach Leute, wir k├Ânnen es kurz machen: Auch das Dessert:

“Variation vom Killepitsch” ist so kreativ und lecker!

Das “Segin’s” hat mich echt umgehauen. Mit allem. Location, Service, Essen. Was f├╝r eine Entdeckung! Ich komme wieder. Aber sowas von. Das Men├╝ kostet ├╝brigens 44 Euro.

5. März 2015,

Test: “Zum Bruderhaus”

Heute geht’s ins Dorf. Nach Hamm. Ganz ehrlich: Ich glaube, ich war schon ├╝berall in D├╝sseldorf, aber nie wirklich so richtig in Hamm. Dort steht dieses wundersch├Âne Backsteingeb├Ąude, das den Namen ÔÇ×Zum Bruderhaus” tr├Ągt. Wer gerne gut essen geht, wird bei dem Namen “Marcel Schiefer” verz├╝ckt mit den H├Ąnden klatschen. Er war einer der j├╝ngsten K├Âche hier, der einen Stern bekommen hat. F├╝r seine gigantisch gute K├╝che im Restaurant Schorn. Jetzt betreibt er auch noch dieses wundersch├Âne Brauhaus in Hamm. Am Herd steht in der Regel mit K├╝chenchef Philipp D├╝ckers. Tolle Location. Diese historischen Mauern und innen alles sanft renoviert. Der alte Charme geht nicht verloren, trotzdem ist es modern und auch wieder trotzdem gem├╝tlich. Bodenst├Ąndig und unkompliziert. Ja, das trifft es ganz gut.

Sch├Ân. Bevor wir uns ans Men├╝ machen - der Blick auf die “normale” Speisekarte. Und man sieht: Es gibt Strammer Max, Senfrostbraten oder Himmel und ├ähd. Das klingt ehrlich, nach Tradition und gut. Vor allem, wenn es gut gemacht ist, aber davon kann man ausgehen, wenn Marcel Schiefer seine Finger im Spiel hat.

Das Men├╝ beginnt so: “Hausgebeizter Lachs. Gurke, Kr├Ąuter, Senf”. Mann, Mann, Mann. Das klingt so einfach. Und das ist es ja auch irgendwie. Einfach nur diese Kr├Ąuter. Einfach nur dieser Lachs. Aus dem die K├╝che aber etwas gezaubert hat, was nicht von dieser Welt ist. Wie perfekt hier alles harmoniert. Und der Lachs! Schlicht und ergreifend eine Sensation. Wow. Wirklich wow.

Der Service ist super. Immer da, immer aufmerksam und so gar nicht aufdringlich. Die H├╝tte bebt an diesem Abend. Rappelvoll. Das spricht auch f├╝r diesen Laden…

Der Zwischengang ist jetzt nicht so das, worauf ich stehe. Bin einfach nicht so der “Suppentyp”, aber diese “Pilzessenz mit Ravioli vom Landschwein und Fr├╝hlingslauch” hat’s in sich. Das komplette Aroma raus geholt. Stark. Kr├Ąftig. Und doch so sanft. In dieses Ravioli-Ding k├Ânnte ich mich rein setzen. Ganz wunderbar auch dieser Gang. Was ich ├╝brigens super finde: Hier gibt es leckeres Bier. Keine Pl├Ârre. F├╝chschen, K├ÂPi, Kloster Andechs. Ich wei├č gar nicht, was uns geritten hat, weswegen wir heute Wein trinken. Aber auch der passt super, also egal.

Meine Begleitung ist schon jetzt scharf auf den Hauptgang: “Coq au Vin. Kr├Ąuterdrillinge, Schmorgem├╝se”. Und beim ersten Bissen wird auch klar warum. Das Fleisch f├Ąllt vom Knochen, ist butterzart. Die Sauce ist der Oberhammer! Wir beide m├Âchten in einen 5-Liter-Pott fallen, der mit ihr gef├╝llt ist. Und was man aus langweiligen Kartoffeln machen kann… Chapeau! Das ist wirklich so, so gut, was hier auf die Teller kommt. Wir sind begeistert.

Und da scheinen wir nicht die Einzigen zu sein. Die G├Ąste geben sich hier die Klinke in die Hand. Eigentlich wollen wir gar nicht gehen, aber gut, alles Gute hat ja auch mal ein Ende. Zum Dessert: “Schmorapfel. Milchreiseis, Zimtstreusel”. Ich wundere mich, weil ich null, aber so null auf Milchreis und seinen Geschmack stehe, dieses Eis hier aber verputze. Auch der Schmorapfel ist wieder gro├čartig. Das ist wirklich mal ein bodenst├Ąndiges Dessert.

Also: Im Bruderhaus gibt es ein Men├╝ ohne viel Schnick-Schnack und das schmeckt so sehr nach ehrlicher Haut mit richtig guten Zutaten, dass wir sicherlich nicht das erste und letzte Mal hier waren. Das Men├╝ kostet 39 Euro.

3. März 2015,

Test: Hase und Igel

Mein n├Ąchster Test hat es in sich. Ich bin n├Ąmlich einerseits voller Vorfreude, andererseits will ich nicht mit zu vielen Erwartungen rein gehen. Man hat es ja irgendwie schwer, wenn man Koch ist und jeder einen aus dem Fernsehen kennt. Da gibt es die b├Âsen Zungen, die meinen: “Die, die im TV sind, die k├Ânnen eher labern als vern├╝nftig kochen”. Und es gibt die, die meinen: “Wenn der im Fernsehen ist, dann muss der ganz toll sein!” Ich sage lieber: “Leute, einfach mal selbst ein Bild machen!”

Die Rede ist von Stefan Marquard. Dieser sympathisch-coole Typ mit dem Ziegenbart und dem Stirnband. Dass der tats├Ąchlich kochen kann, daran darf es eigentlich gar keinen Zweifel geben. Hat er sich doch Anfang der 90er einen Stern erkocht. Heute geht’s also in sein neues Restaurant “Hase und Igel” in einer alten Halle in den Schwanenh├Âfen. Hammer Location! Steh ich derma├čen drauf! Und der Service genauso charmant-l├Ąssig, wie man sich auch so den Marquard vorstellen w├╝rde. Passt.

Jetzt wei├č ich nicht, wer an diesem Abend am Herd stand. Ob er oder sein Team oder alle - ist aber auch v├Âllig egal, denn am Ende z├Ąhlt, was auf dem Teller war. Und da kann ich es mir eigentlich ganz einfach machen: Das gesamte Men├╝ war eine Sensation!

Ich bin Fan. Nicht so ein gro├čer wie vom BVB, aber es kommt ganz nah ran.

Der erste Gang: “Spinatcreme I gebratene Jakobsmuschel I Topinamburschaum”. Der fegt einen schon weg. Man wird ein wenig an die Kindheit erinnert, so mit dem Spinat mit Blubb, nur richtig gut! Aromatisch der Spinat, der sich toll mit dem Topinamburschaum versteht. Und es war die beste Jakobsmuschel, die ich seit langem gegessen habe. Gro├čartig. Lassen Sie sich auch unbedingt Weine zu den G├Ąngen empfehlen. Die haben alle richtig Spa├č gemacht.

F├╝r den zweiten Gang w├╝rde ich im Nachhinein sterben! Es gibt “LiVar Schweinebauch I Misocreme I Pak Choi”. Oh ja! Man mag es kaum glauben, aber es gibt tats├Ąchlich Schweinefleisch, das auch schmeckt. Kein Quatsch: Ich habe ewig kein Schwein mehr gegessen, weil mir regelm├Ą├čig ├╝bel wurde. Ich habe es einfach nicht mehr essen k├Ânnen - vom seltsamen Geschmack her und vom Kopf. Dieses hier im “Hase und Igel” stammt von Livar-Schweinen aus Limburg in den Niederlanden. Der Name steht f├╝r artgerechte Haltung. Daumen hoch! Und was soll ich sagen: was ein Wahnsinn! Was haben die bitte mit diesem Schweinbauch angestellt? Ohne Worte der Gang. Wolke 7.

Wie das ├╝brigens alles angerichtet ist: Das ist Kunst. Kunst, die rockt. Ich habe ganz oft gelesen: Stefan Marquard und sein Team wollen mit ihren Gerichten charmant provozieren. Und ich hab mich immer gefragt: Was soll das hei├čen? Inwiefern? Jetzt habe ich eine leise Ahnung. Da werden Zutaten kombiniert, die in ihrer Kombi ein bisschen schr├Ąg sind. Da kommt alles mit Ansage daher. Wie zum Beispiel bei dem Fischgang: “Gebratener Waller I in Orangen geschmorter Chicor├ęe I Buchweizen-Vinaigrette”. Das war heftig. Das hat provoziert. Irgendwie krass und dabei so geil. Erst im Nachhinein versteht man das Gericht immer besser. Ich hatte so das Gef├╝hl: Es baut sich von Gang zu Gang mehr auf - also diese verdammt charmante Provokation. Je mehr man sich mit den G├Ąngen besch├Ąftigt desto besser wird’s.

Auch der Fleischgang: “Bavette vom US Beef. Dreierlei vom Mais: Popcorn, P├╝ree und K├Âlbchen, Malzbierjus”. Wird von Bissen zu Bissen abgefahrener. Und das meine ich sehr positiv. Auch dieser Gang ist eine kleine Sensation. Ich bin wirklich hin und weg. Von der K├╝che, von den Menschen, die dort arbeiten und von der Location.

Das Dessert, Leute! Das Dessert! Ohne Worte: “Neuinterpretation von der Schwarzw├Ąlder Torte”. Das war so unfassbar gut. Sie brauchen noch nicht mal einen Kaffee zum T├Ârtchen. Der wird Ihnen quasi in Form eines Macaron gleich mitgeliefert.

Was soll ich sagen? Ein gigantischer Abend war das. Und wenn Sie das f├╝r 49 Euro nicht probieren, dann verpassen Sie leider was sehr, sehr Geiles. Handwerklich perfekt mit tollen und auch teils ungew├Âhnlichen Zutaten in der Kombination, dazu sehr kreativ und einfach nur unfassbar lecker. F├╝r mich bisher DIE Entdeckung des Jahres.

28. Februar 2015,

Test: Brasserie La Vie

Alle Di├Ątbem├╝hungen meinerseits im Vorfeld der Tour sind fehlgeschlagen. Ich f├╝rchte deshalb, bald zu platzen. Aber was soll’s. Dann war es wenigstens vorher sch├Ân. Mein erster Test f├╝hrt mich nach Unterbilk. Ins 4-Sterne Mercure Hotel. Und dort in das Restaurant “Brasserie La Vie”. Sehr angenehme Atmosph├Ąre - das schon einmal vorweg. Sch├Ân ungezwungen. Das mag ich. ├äu├čerst freundliche Begr├╝├čung, also dann mal ab daf├╝r…

Bevor wir mit dem eigentlichen Men├╝ starten, gibt es einen Gru├č aus der K├╝che. Eigentlich normalerweise nicht besonders erw├Ąhnenswert, aber dieser war so toll, dass ich kurz meiner Begeisterung freien Lauf lassen muss. Ein “Rote Beete Crispy mit Ziegenk├Ąse”. Ich m├Âchte nichts vorweg nehmen - lassen Sie sich ├╝berraschen, was das Ding kann: Gro├čartig, was da im Mund passiert! Von denen h├Ątte ich gerne ein ganzes Blech voll gehabt.

Vier G├Ąnge erwarten uns. Die Vorspeise: “Selleries├╝ppchen I gr├╝ner Apfelschaum I bretonischer Hummer”. Super. Kann man nicht anders sagen. Die Suppe ist so sch├Ân cremig und sanft und perfekt abgeschmeckt. Nicht zu viel von einer starken Sellerienote. Einfach eine ganz runde Sache, die die Seele streichelt. Und dieser wunderbare Hummer, der sich auf dem Boden des Tellers niedergelassen hat. Ganz toller Auftakt. Ach so, nicht vergessen, Wein zu den G├Ąngen zu trinken. Das hebt erstens die Stimmung und zweitens haben die in der Brasserie eine wirklich tolle Weinkarte.

Da ich ja alle G├Ąnge schon hinter mir habe, w├Ąhrend ich das hier schreibe, kann ich Ihnen schon sagen, welche meine Favoriten sind: Das Dessert und der Zwischengang. Der sieht so aus: “Geschmortes Kalbsb├Ąckchen I Graupenrisotto I Karottenstroh”. Was ein Wahnsinn. Ich bin ein gro├čer B├Ąckchen-Freund und dieses hier zerf├Ąllt schon, wenn man es nur ansieht. Butterweich und zart. Ein Traum einfach, der mit einer ebenso traumhaften Sauce betr├Ąufelt ist. Gebettet auf einem gro├čartigen Graupenrisotto, das sch├Ân schlonzig ist und trotzdem noch den richtigen Biss hat. Dieser Gang ist wirklich ein Highlight, das durch den tollen Barrique-Rotwein noch mehr Leben bekommt. Zw├Âlf Punkte!

Der Service steht der Qualit├Ąt in nichts nach. Sehr aufmerksam, charmant, immer zum richtigen Zeitpunkt da, aber nie aufdringlich. Und er wei├č, wovon er redet. Auch was die Weinbegleitung angeht. Sch├Ân. Zum Hauptgang gibt es wie so oft die Wahl: Fisch oder Fleisch. Das Meerestier liest sich folgenderma├čen: “Geangelter Steinbutt I

Safran Perlzwiebeln I polierte Cerealien I Artischockencreme I gelierte Tomaten-Basilikumbr├╝he”. Das klingt tats├Ąchlich sehr lecker und spannend, aber ich bin heute fleischgeil. Also wird es dieses hier: “Zweierlei vom Bio-Rind I Gem├╝segarten I schwarzer Kartoffelstampf I Shisokresse”. Die liebe ich ├╝brigens, die Shisokresse und so finde ich es toll, dass sie sich in jedem Gang wiederfindet. Dieser Hauptgang sieht umwerfend aus. Auf dem Teller ist tats├Ąchlich ein Gem├╝segarten. Kleine, wundersch├Âne R├Âllchen aus beispielsweise Karotte, die lustig bunt nebeneinander stehen - wie in einem Beet. Gef├╝llt mit dem schwarzen Kartoffelstampf - daf├╝r ist der Sepia verantwortlich. Sehr, sehr lecker. Normalerweise finde ich Kartoffelstampf eher langweilig. Dieser hier ist toll. Und das Fleisch… Mein lieber Mann. Das ist sowas von auf den Punkt! Weich und zart und von wirklich toller Qualit├Ąt. Perfekt. Und wieder so eine leckere Sauce. Ich bin wirklich begeistert.

Und dann kommt auch noch dieses Dessert, das den Namen “Orient Express” tr├Ągt. Kein anderer Name h├Ątte genau das beschreiben k├Ânnen. Lassen Sie sich ├╝berraschen. Es ist eine Wucht. Nur so viel: Das Pfirsichsorbet ist eine Geschmacksbombe und die Gew├╝rzkaffee-Crumble der Wahnsinn. Und dann knallt das auch noch alles im Mund. Ja! Richtig gelesen. Hammer.

F├╝r mich und meine Begleitung war es der perfekte Abend. Es gab nichts zu meckern. Gar nichts! Rundum super. Jeder Gang einfach sehr, sehr lecker. Toller Service. Weine, die Spa├č machen. Und dieses Dessert… - das hat echt Eindruck bei mir hinterlassen. Das 4-G├Ąnge-Men├╝ kostet 42 Euro. Und ich denke, ich habe f├╝r mich eine neue Location gefunden, die ich sonst wohl nie entdeckt h├Ątte.

27. Februar 2015,

13. Test: Bocconcino, Medienhafen

Kategorie: Hirsch, Kaninchen, Wildsau & Co.

Aperitif - Glas Champagner

Gebratener Pecorino auf Rucolasalat mit ger├Âsteten Pinienkernen und Himbeerdressing

Rehmedaillon mit einer Sauerkirsch-Pfeffersauce, dazu Gnocchi in Tr├╝ffelbutter und geschmorter Spitzkohl

Ricotta-T├Ârtchen mit glasierten Birnen

45,90 Euro

Der Test:

Zum Abschluss meiner Tour-Tests habe ich es heute nicht weit. Es geht einfach nur die Treppe runter und dann nach rechts. Ins “Bocconcino” im Medienhafen. Also, das muss man ja echt sagen: Super Location. Wir k├Ânnen drau├čen sitzen und haben somit das Gef├╝hl, im Urlaub am Meer zu sein, auch wenn es nur das Hafenbecken ist. Sch├Ân. Man findet direkt Ruhe. Es war ein langer Arbeitstag und deswegen kommt mir der erste “Gang” wie gerufen. Ein Glas Champagner. Geh├Ârt mit zum Tour-Menu. Es ist ein leckerer, der sch├Ân prickelt und mir wieder Lebensgeister einhaucht. Einfach sch├Ân den Champus schl├╝rfen und auf’s Wasser gucken, das hat was.

So langsam kommt aber der Hunger und deswegen freuen wir uns auf “Gebratenen Pecorino auf Rucolasalat mit ger├Âsteten Pinienkernen und Himbeerdressing”. Dieser Pecorino kommt mit leichtem Ziegenk├Ąse-Geschmack daher. Ich stehe eigentlich gar nicht auf Ziege, aber hier ist der Geschmack sehr angenehm. Nicht zu streng, tolle Konsistenz. Er liegt wundersch├Ân gebraten auf einem riesigen Rucolabett. Zu diesem doch eher scharfen Geschmack des Rucolas passt┬ádas Himbeerdressing super, weil es mit einer sch├Ânen s├╝├č-sauren Note daher kommt. Mir pers├Ânlich ist es viel┬ázu viel Rucolasalat, aber so ein richtiger┬áKerl kann das schon verpacken. Ein erster Gang ohne viel Schnick-Schnack.┬áPasst. Sch├Âne Weine haben sie hier ├╝brigens. Und wenn ich schon beim Italiener sitze, dann darf es jetzt auch ein Glas Primitivo sein, der ratz-fatz vom aufmerksamen Service an den Tisch gebracht wird. Den lasse ich mir zum “Rehmedaillon mit einer Sauerkirsch-Pfeffersauce, dazu Gnocchi in Tr├╝ffelbutter und geschmorter Spitzkohl” schmecken. Das ist ein ganz tolles Gericht! Das Reh ist zart und perfekt gebraten. Die Sauerkirschen mit dem Pfeffer passen wie die Faust auf’s Auge. Und auch der Spitzkohl ist super lecker. Davon k├Ânnte ich noch eine Portion essen. Hmmm…┬áUnd wenn Sie auf Gnocchis stehen, diese hier sind selbstgemacht und werden Ihnen schmecken. Ein richtig sch├Âner Gang. Wir wollen gar nicht gehen, weil der Ausblick so sch├Ân ist und deswegen┬álassen wir uns etwas Zeit mit dem┬áDessert. Gut, wir k├Ânnen jetzt schlecht die ganze Nacht hier sitzen, auch wenn das traumhaft w├Ąre, also dann doch her damit. Abgerundet wird das Menu mit einem “Ricotta-T├Ârtchen mit glasierten Birnen”. Das T├Ârtchen┬áist im Prinzip ein Kuchenst├╝ck. Und zwar ein sehr leckeres. Nicht zu trocken, hat noch was sch├Ân Schlonziges und erinnert ein bisschen an K├Ąsekuchen. Ganz nach meinem┬áGeschmack. Dazu gibt’s┬áwundersch├Âne, frische Fr├╝chte und eben die Birnen, die auch mit einer sch├Ânen┬áS├╝├če daher kommen. Ich finde, ein ganz geradliniges, leckeres Menu. Und die Location ist nat├╝rlich der Hammer. Mitten am Wasser in D├╝sseldorf. Das beruhigt derma├čen!

30. September 2014,