Mamma Mia Marschal

Mamma Mia Marschal

Antenne Düsseldorf à la Carte

Unsere Morgenfrau Tanja Marschal macht den Restaurant-Check und testet Restaurants auf Herz und Nieren. Wie es geschmeckt hat, erfahren Sie regelmäßig bei Antenne Düsseldorf. Das Fazit gibt es natürlich hier zum Lesen und Hören im Blog zu Mamma Mia Marschal.

Test: „BAZ“ - Brauereiausschank am Zoo

Na, das war doch auch mal eine schöne Variante. Mal ganz unkompliziert und locker und gemütlich. Brauerei-Feeling eben, nur dass der Service einen nicht anraunzt, sondern super freundlich ist. Der “Brauereiausschank am Zoo” hat absoluten Wohlfühlcharakter. Sehr gemischtes Publikum. Könnte mir sehr gut vorstellen, dort einfach mal auf ein, zwei Bierchen zu versacken. Aber heute sind wir ja zum Essen da. Und das klingt spannend, aber der Reihe nach. Vier Gänge erwarten uns heute Abend. Und weil wir Lust auf Rotwein haben, bekommen wir direkt einen tollen Tropfen empfohlen: den “Blutsbruder” von Karl May! Der gefällt uns so gut, dass wir (befürchte ich) den ganzen Keller leer getrunken haben. Wenn Sie aber lieber bei Bier bleiben wollen, was natürlich auch eine gute Wahl wäre, dann wird hier zum Beispiel Füchschen getrunken. Es geht also los mit einem “Getrüffelten Cremesüppchen von der Süßkartoffel”. Ich finde ehrlich, das klingt auf den ersten Blick nicht sonderlich spektakulär, ist es aber! Ganz wunderbar cremig mit einem sehr ausgewogenen Geschmack. Man schmeckt die Süßkartoffel super durch, das Trüffelige erschlägt nichts. Toll einfach. Eigentlich wollte ich die Suppe nicht komplett aufessen, um etwas Platz für die nächsten Gänge zu lassen, aber daraus wird nichts. Sie schmeckt einfach zu lecker.

Falls Sie denken: “Ok, Brauereiküche - das ist immer das Gleiche.” Oh, nein! Natürlich bekommen Sie hier auch “Klassiker”, aber ich bin mir sicher, die können richtig was. Denn gucken Sie mal hier: “Geräucherter Elchschinken an frischem Feldsalat, gerösteten Nüssen und Senf-Vinaigrette”. Das ist der zweite Gang. Und den verschlingen wir. Elchschinken! Tja, wie schmeckt der? Toll. Sehr schönes Aroma. Habe ich noch nie gegessen. Die Nüsse und die Vinaigrette passen super dazu. Ganz feiner Gang. Was übrigens auch für den Service gilt. Also das mit dem “fein”. Sehr aufmerksam, sehr charmant-locker und immer zackig unterwegs. Merci!

Was ich bei diesem Menü spannend finde: Hier kommen Sachen auf die Teller, die ich einfach nicht kenne. Elchschinken eben. Und dann jetzt zum Hauptgang: Rentier! Da traut sich aber einer was. Das Problem ist, dass ich in den letzten Tagen sooo viel Fleisch hatte, dass ich eigentlich mal eine Pause brauche. Insofern nimmt meine Begleitung: “Tranchen von der Rentierhüfte an Kohlrabistampf mit Preiselbeerjus”. Und sie verspricht, dass ich probieren darf. Ich nehme den Fisch. Aber zunächst zum Rentier. Gut, ich blende den Gedanken aus, dass ich gerade “Rudolph mit der roten Nase” esse, aber dann bin ich begeistert. Das Fleisch ist butterzart. Wir versuchen es geschmacklich einzuordnen und landen dann bei einer Mischung aus Hirsch und Schwein. Das mag komisch klingen und vielleicht empfinden Sie es ganz anders. Schwierig zu beschreiben. Schon eher in die Wild-Richtung, aber milder und feiner. Sehr fettarm auch, ohne aber trocken zu sein. Wow. Echt eine Delikatesse. Das hat die Küche hier verdammt gut auf die Teller gebracht. Wir sind begeistert.

Und übrigens genauso vom “Schwarzen Heilbutt unter der Walnusshonighaube an Wasabi-Kartoffelstampf mit Champagner-Senfsauce”. Dass das hier soooo lecker schmeckt… Der Fisch ist perfekt gegart, die Haube nicht zu dick, die Sauce Hammer und selbst der Kartoffelstampf ist toll. Und dabei kann ich eigentlich keinen mehr sehen. Respekt! Bin begeistert. Beim Dessert müssen wir leider beide kapitulieren: “Variation von der Mousse an nordischer Moltebeersoße”. Auch sehr ausgefallen, aber wir platzen. Also: Spannendes und leckeres Menü für 35 Euro. Ganz toller Service und wirklich leckere Weine, wenn man mal keine Lust auf Bier hat. Wir bedanken uns herzlich und kommen bald auf ein Alt vorbei!

19. März 2015,

Test: Sascha - Rotisserie & Bar

Ich kann nicht anders. Ich liebe diesen Laden. Wo gibt es sowas noch in Düsseldorf? Ein Restaurant, das sich von allen anderen abhebt, weil es eben so einzigartig ist? Mit einem Koch, der eine ganz eigene, unverwechselbare Handschrift hat. Gut, die mag jeder gute Koch haben, aber diese hier ist anders… Ich kenne nichts vergleichbares. Und so starten wir mit einem Glas Crémant, das es hier zur Begrüßung gibt, während ich mich zurücklehne und seufze, weil ich wieder feststellen muss, dass Sascha und seine Rotisserie & Bar wirklich einzigartig sind.

Das Menü beginnt mit einem “Cappuccino vom Waldpilz”. Ha - und wenn Sie jetzt meinen: “Ach so, ein Süppchen in einer kleinen Tasse, wie das jetzt alle machen!”, dann muss ich Sie enttäuschen. Oder besser gesagt erhellen. Sascha macht’s nämlich nicht wie alle. Der Cappuccino bezieht sich nämlich nicht auf die Größe, sondern auf den Geschmack. Das hier ist eine Geschmacksbombe. Es schmeckt nämlich tatsächlich nach einem Hauch von Cappuccino, der sich unfassbar gut mit dem Pilzaroma verträgt. Der Waldpilzgeschmack fliegt einem förmlich um die Ohren. Frisch und knackig sind sie. Abgerundet mit leckeren Croutons. Einfach super!

Bei dem nächsten Gang denke ich erst: “Was? Stockfisch?” Es gibt nämlich folgendes:

“Stockfisch | Kalbstafelspitz | Hummerkrabbe | Rauke”. Der Stockfisch wurde hier mit Kartoffelpüree verarbeitet. Und das ist eine kleine Sensation. Schmeckt einfach nur fantastisch. Nix fischig, einfach nur wow. Es ist ein bisschen tapasmäßig angerichtet, so dass ich mich jetzt weiter nach rechts vorarbeiten kann, um die Krabbe in ihrer tollen Sauce zu verputzen. Der Kalbstafelspitz ist auch großartig. Meine Begleitung meint, es ist der erste Kalbstafelspitz, den sie isst, der saftig ist und richtig nach was schmeckt. Auch wieder so ein toller Gang. Wir trinken übrigens auch schöne Weine dazu, die Lust auf mehr machen.

Beim Hauptgang können wir es eigentlich kurz machen: “Coq au vin mit Kirsch-Rotkraut und Süßkartoffel-Möhrenpüree”. Kurz weil: Bei “Sascha” gibt es einen der besten Coq au vins der Stadt. Basta. Wenn Sie aber wahlweise lieber Fisch möchten: “Jakobsmuschel-Gratin mit Spinat und Crémant-Weißkraut”. Das ist abgefahren. Freunde der französischen Küche werden es lieben. Ich habe mich total in das Weißkraut verliebt. Lecker! Dieser Gang braucht allerdings etwas Zeit. Es schmeckt super, aber ungewohnt. Wird von Bissen zu Bissen geiler.

Und wir lieben es einfach, in diesem kleinen, schnuckeligen Restaurant zu sitzen. Das hat sowas familiäres. Fehlt also nur noch das Dessert. Auch da können Sie wählen: Klassisch eine Crème brûlée oder “Zweierlei von der Schokolade”. Kommt in Form einer Mousse und eines saftigen Schokokuchens daher. Zum Reinlegen.

Ich bin wieder mal begeistert. Das Menü gibt es für 37,50 Euro. Toll.

13. März 2015,

Test: Saltimbocca

Ein Klassiker muss sein. Wenn es schon was zu feiern gibt. Das “Saltimbocca” in Gerresheim feiert nämlich sein 15-jähriges Jubiläum bei der Tour de Menu. Hat in all den Jahren immer wieder ganz oben mitgespielt bei der Bewertung der Gäste, ständig die Tour gewonnen. Und mich würde es nicht wundern, wenn es in diesem Jahr ähnlich aussehen würde. Der Service ist umwerfend und was da dieses Mal wieder auf die Teller kommt: Mamma Mia! Sechs Gänge für unschlagbare 44,50 Euro. Aber viel wichtiger ist ja, wie es schmeckt.

Als Vorspeise gibt es “Millefoglie mameli: Zucchini, Steinpilze und Scamorza-Käse bedeckt mit geräuchertem Gänsebrust-Carpaccio”. Das fängt ja schon gut an. Dieses lässige Raucharoma, toll. Sowohl bei der Gans als auch beim Käse. Bringt eine ganz tolle Note rein, erschlägt die Zucchini aber nicht. Dazu ein feiner Weißwein, hmmm. Kann weitergehen.

Einer meiner Lieblingsgänge jetzt: “Maccheroncini mit hausgemachter Salsiccia aus Kalabrien und Rucola”. Ich muss dazu sagen, ich stehe wie eine 1 auf Salsiccia. Und diese hier ist der Hammer. Mit

Wildfenchel. Die schmeckt einfach nur großartig. Und wie sie sich mit der tollen Tomatensauce versteht! Hatte ich schon erwähnt, dass das “Saltimbocca” die besten Saucen macht? Das geht so weit, dass die Gäste ständig mit dem Brot den letzten Tropfen vom Teller saugen. Wie genial eine Pasta doch sein kann!

Und wenn dann noch dieser italienische Charme in Form des Services daher kommt… Noch ein Schlückchen Wein und dann geht’s an den nächsten Gang: “Edelfisch aus dem Mittelmeer mit frischen Kräutern und Kirschtomaten. - Eine Spezialität aus Livorno.” - Falls Sie sich jetzt wundern, warum der Fisch keinen konkreten Namen bekommt: Ganz einfach: Weil der tagesaktuell wechselt. Es kommt nur frischer Fisch auf die Teller, der auch qualitativ die Erwartungen der Küche erfüllt. Sprich: Hat der Händler auf dem Markt an dem Tag nur schrottigen Loup de Mer beispielsweise, der viel zu klein ist oder was auch immer, dann gibt’s halt was anderes. In unserem Fall waren das gigantische, unbeschreiblich leckere Jakobsmuscheln. Noch schön glasig. Und die Sauce wieder … Jedes Mal denke ich: “Wie können die solche Saucen zaubern?” Selbst die Kirschtomaten waren fantastisch, sonst ja nur lästiges Beiwerk. Grandios dieser Gang.

Bei all der Begeisterung müssen wir uns jetzt ein wenig runter kühlen. Mit dem “Früchtesorbet in Prosecco - Méthode champenoise”. Ach, wie erfrischend. Man schmeckt Zitrone, Melone, Kirsche, Erdbeere. Und irgendwie erinnert es an das Eis aus der Kindheit: Ed von Schleck. Lustig.

Wir wechseln jetzt zum sehr, sehr guten Rotwein. Nach einer kleinen Pause kommt nämlich der Hauptgang. Sie können wählen. Beschreibung Nummer 1: “In Umbrien, der Heimat der schwarzen Schweine, essen Sie ein Filet, umhüllt von sehr mildem Speck aus Norcia in Salbeisauce”. Oder Nummer 2: “Milchkalbsfilet mit Steinpilzen und Kräuterseitlingen in Pecorino-Cremesauce”. Wir können es kurz machen: Beides ist perfekt. Toll gebraten, voller Aromen und wieder, ja, wieder diese Saucen…

Mario, der Chef in der Küche, bekommt von mir den “Saucen-Pokal” verliehen. Dann hat er wenigstens einen. Den anderen bekommt er nämlich nicht. (Juve-Fan! Aber leider wird Borussia Dortmund Juventus Turin aus der Champions League kicken.)

Selbst die Erbsen mit Parmesan schmecken als Beilage hervorragend. Das nur mal am Rande. Eigentlich sind wir pappsatt, aber Dessert geht ja bekanntlich immer und deswegen gönnen wir uns auch noch das Überraschungsdessert zum Jubiläum. Damit das auch eine Überraschung bleibt, sage ich nur so viel: Grand Manier und Waldfrüchte spielen eine Rolle und es ist einfach nur lecker!

Da kann man nur sagen: “Liebes Saltimbocca! Herzlichen Glückwunsch zu 15 Jahren Tour de Menu! Und bitte, bitte, bitte auch noch 15 weitere Jahre so viel leckere Sachen auf die Teller zaubern!”

13. März 2015,

Test: Reinhardt‘s

Wir fahren heute nach Ludenberg. Rein ins Grüne. Und ich frage mich, warum ich es eigentlich bisher nicht geschafft habe, schon früher dorthin zu fahren. Besuchen wir doch Michael Reinhardt auf Gut Moschenhof. Er stand mal im Breidenbacher Hof in der Küche und die Male, die ich bei ihm essen durfte, sind unvergessen. Ich bin jedes Mal in Ekstase verfallen, bei dem, was er auf die Teller gezaubert hat. Umso mehr freue ich mich also, heute endlich Gast in seinem eigenen Restaurant “Reinhardt‘s” zu sein. In der Hoffnung, dass er noch genauso fantastisch kocht wie damals im Hotel…

Das Motto des Menüs: „Feinbürgerlich”. Das Restaurant ist auf jeden Fall eine Wohlfühl-Oase auf Gut Moschenhof. Sehr gemütlich. Und man hat tatsächlich das Gefühl, nicht mehr in Düsseldorf zu sein. Wir werden den ganzen Abend - das kann ich schon mal vorweg schicken - von einem atemberaubenden Service verwöhnt. Grandios. Meine Begleitung sagt ständig: “Mann, sind die gut hier!” Ja. Gucken wir auf das Menü: “Gin Tonic Lachs - Gurke | Ingwer | Gemüseplätzchen”.

Ja, ich glaube, ich spinne! Was ist das denn Geniales? Nee, Leute echt. Das ist der Wahnsinn. Ich habe keine Worte dafür. Es schmeckt irgendwie so als würde ich die geilsten Lachs-Maki bei meinem Lieblings-Japaner essen, auch mit der tollen Mayo dazu, aber dann ist es doch wieder anders. Was soll ich sagen? Dieser Gin Tonic Lachs hat mich umgehauen. Ich sitze nur noch da und schüttel ungläubig den Kopf.

Das Schlimme ist nur, es wird noch besser. Der Zwischengang, die “Creme von grünen Erbsen - Pulpo | Kräuter | Lardo” ist NICHT VON DIESER WELT! Zunächst mal: Was für eine Kombination?! Ich sage mal “Erbsensuppe” mit Pulpo: Wer kommt auf sowas? Und wer weiß, dass das perfekt zusammen passt? Als wäre es das Normalste der Welt? Der Pulpo mit diesem Grillaroma, er schmilzt auf der Zunge. Er schmilzt einfach, genauso wie der Speck in der Suppe. Das ist ein Erlebnis! Und fast möchte man weinen, damit er nicht schmilzt und dieser Geschmack für immer und ewig bleibt. Der beste Pulpo, den wir je gegessen haben. Ach, Herr Reinhardt und Küchenteam - Sie machen mich fertig! Wir haben das Gefühl, dass wir in die Zwangsjacke müssen, wenn er so weiter kocht.

Beim Hauptgang sind wir kurz davor! Übrigens: Tolle Weine gibt es hier auch. Wir haben jeden Tropfen genossen. Und wieder können wir nur nochmals betonen, wie herausragend der Service hier ist.

Der Hauptgang: “Knuspriger Schweinebauch - 24 Stunden gegart - Koriander-Kohl | Süßkartoffel | Rübenkraut”. Auch hier: Bombe! Der Schweinebauch schmilzt genauso im Mund. Diese ganzen Komponenten, die sich hier finden und perfekt harmonieren: Sensationell. Ich weiß nicht, welche Worte ich noch finden soll. Was hier auf die Teller kommt, ist einfach der Wahnsinn.

Meine Begleitung steht eigentlich nicht so auf Süßes, aber selbst sie sagt zu dem Dessert, das kommt: “Ich könnte mich rein legen!” Es gibt: “Zweimal Williamsbirne - Nougat | Balsamessig”. Ich liebe Nougat und dieses hier noch mehr. Die Williamsbirne in ihren verschiedenen Formen - ein Traum. Was aber noch geiler ist, ist der Balsamessig. Der liegt hier in dicken, dunklen Tropfen auf dem Teller und explodiert im Mund. Sie merken schon, dass ich mich kaum beruhigen kann. Und das alles für 48 Euro.

Wenn ich mir so überlege, wie das bisher in den Restaurants war, dann würde ich sagen: Waren alle richtig gut. Schulnoten 2 minus bis 1 minus. Das “Reinhardt’s” bekommt eine 1 plus, plus, plus, plus mit Sternchen. Was ein Wahnsinn! Tausend Dank für diesen unfassbaren Abend.

9. März 2015,

Test: The View

Wenn die Straßenbahn aussieht wie eine Modelleisenbahn, dann sind Sie im “The View” im Medienhafen. Was für ein Ausblick! Das Restaurant ist auf der 16. Etage des INNSIDE Hotels. Sie können über das ganze Hafen-Areal blicken. Ach, über die halbe Stadt! Egal ob Sie in der echt coolen Bar sitzen und einen Cocktail zur DJ-Mucke trinken oder eben im Restaurant Platz nehmen. Dieser Blick ist unschlagbar. Allein deswegen lohnt es sich schon! Wenn man dort ist, fühlt man sich auch gar nicht wie in Düsseldorf. Meine Freundin meinte: “Ich habe das Gefühl, ich bin in Bangkok in der Sky-Bar!” OK, Düsseldorf und Bangkok, das sind dann doch noch einmal ganz verschiedene Welten, aber ich weiß, was sie meint. Man fühlt sich so schwebend und tatsächlich so als wäre man im Urlaub. Nachdem wir also den Ausblick mit einem (verdammt guten!) Cocktail in der Bar genossen haben, wollen wir uns ans Menü machen.

Das beginnt klassischer Weise mit einem Amuse-Bouche, also dem Gruß aus der Küche. Lassen Sie sich überraschen. Nur so viel: Lecker! Starten wir also durch mit dem ersten Gang, den Küchenchef Markus Streiber und sein Team kreiert haben: “Carpaccio vom Simmenthaler Rind I Jakobsmuschel | Trüffel | Parmesan”. Ja, heidewitzka! Feinstes, superfrisches hauchdünnes Fleisch. Auf das Sie unbedingt etwas von dem feinen Öl tröpfeln sollten. Nicht zu viel, damit der Eigengeschmack nicht verloren geht, aber ein wenig. Das macht es noch saftiger. Dazu diese unfassbar leckere Trüffelmayo und die Kapern für die Säure. Bombe! Die Jakobsmuschel hat die Pfanne auch nur kurz geküsst, ist also nicht durchgebraten. Schön glasig - passt also zu dem rohen Fleisch. Ein sehr, sehr geiler Gang.

Nehmen Sie auch bitte, bitte die Weinbegleitung dazu. Allesamt perfekt zu den einzelnen Gängen, die übrigens von einem großartigen Service-Team serviert werden. Das einen großen Anteil daran hat, dass die Anonymität, die oft in einem Hotel herrscht, verpufft. Wir bekommen nun: “Zanderfilet | Rote Bete | Mango | Kaviar”. Wie das schon aussieht. Ein kleines Gemälde. Wie der Fisch mit der schönen, gelben Mangospalte da auf dem Rote Bete-Spiegel liegt. Die Haut vom Zander schön kross, der Rest zerfällt beim bloßen Anblick. Geschmacklich fantastisch, diese ganzen Aromen. Auch der Kaviar. Der übrigens im Mund explodiert, wenn Sie den dafür vorgesehenen Wein dazu trinken. Ja, dieser Test ist wieder eine Lobeshymne. Aber was soll man machen, wenn einfach alles stimmt?!

Feinste Zutaten, sehr hohes Niveau in der Küche und tolle Weine. Dazu dieser atemberaubende Blick auf unsere Stadt. Wir freuen uns also auf den Hauptgang: “Filet und Backe vom Weidekalb I Kleines Gemüse | Kartoffel-Croutoncreme | Balsamico-Jus”. Herrlich. Wie schön bunt und fröhlich das schon wieder aussieht. Und auch dieser Gang ist einfach ganz toll. Das Fleisch der absolute Genuss. Und was ich schön finde: Hier traut man sich zu würzen. Also die guten Leute, die hier am Herd stehen. Nix laffes dabei.

Was ich übrigens eigentlich gar nicht oft genug sagen kann: Der Service ist außergewöhnlich gut! Wirklich auffallend gut. Am Ende des Abends habe ich zudem das Gefühl, noch ein kleines Weinseminar absolviert zu haben. Tolles Fachwissen, charmant und aufmerksam. 12 Punkte! Wir bekommen nämlich zum Kalb einen Rotwein, der einfach nur grandios ist. Er hat durchaus Charakter, erschlägt das Kalbsfleisch aber nicht. Nein, er begleitet es perfekt.

Fehlt also nur noch das Dessert: “Quantum von der Kokosnuss”. Wenn Sie Kokosnuss mögen, dann sind Sie hier im Paradies. In allen möglichen Formen erscheint sie auf dem Teller. Mein Favorit: Ein abgewandeltes Raffaello. Erinnert mich an einen tollen Nachtisch, den ich bei meinem Lieblings-Dim Sum-Chinesen immer esse. Super!

Also: Sie müssen unbedingt mal ins “The View”. Wie der Name schon sagt, ist die Aussicht unschlagbar. Und das Essen mit allem, was dazu gehört, war einfach nur großartig! Das Menü kostet 58 Euro.

6. März 2015,

Test: Segin’s

Es geht zurück in die alte Heimat von Antenne Düsseldorf. Wir sind ja jetzt in den Schadow Arkaden. Schon cool so mittendrin in der City, aber noch hängt mein Herz am Medienhafen. Ich merke, wie ich richtig lächeln muss, als wir ankommen. Es geht in das Restaurant “Segin’s”. Der Chefkoch ist da Namensgeber: André Segin. Und ich muss das loswerden: Ich habe mich in den letzten Jahren an Restaurants im Hafen satt gesehen. Ich fand die Läden immer seelenlos und zu schick. Mehr Schein als Sein. Und insofern geht hier mein Herz auf. Endlich mal ein Restaurant im Medienhafen, dass wirklich Seele hat. Es ist fast kuschelig hier und man fühlt Herz. Tut das gut inmitten dieses ganzen Schischis. Wunderschönes Restaurant mit warmem Kerzenlicht. Und dazu noch der unschlagbare Blick auf das Hafenbecken.

Normalerweise nicht erwähnenswert: Das Brot vorab. Aber das hier ist der Hammer. Hausgemacht. Ich bin eigentlich auch kein Brotfan, aber hier kann ich mich nicht zurückhalten. Ganz, ganz toll. Wenn das Menü nur halb so gut wird, kann hier nichts schief gehen. Das Schlimme ist nur: Es wird noch viel besser.

Zum Auftakt gibt es: “Gebratene Langostinos auf Brunnenkressecreme mit Safran-Champagnerschaum”. Das schmeckt genauso wie es klingt: Großartig! Meine Begleitung guckt mich mit weit aufgerissenen Augen an und meint: “Poooaaah! Das ist ja der Wahnsinn!” Kann ich nur so unterschreiben. Diese Brunnenkressecreme! Ach, alles zusammen einfach nur der nackte Wahnsinn. Besser geht’s nicht. Alleine für diesen Gang möchte ich die Michelin-Tester vorbei schicken und sie dazu verdonnern, dass dieser Gigant am Herd namens André Segin einen Stern bekommt. Wow. Wow. Wow.

Wir können den zweiten Gang kaum erwarten. Klingt erst einmal gar nicht so reißerisch:” Erbsensüppchen mit Chili und Crème fraîche”. Es ist nichts gegen eine gute Erbsensuppe einzuwenden, aber wenn Sie jetzt so die klassische Variante vor Augen haben, vergessen Sie es. Diese Farbe: So ein echtes, ehrliches Grün. Als ich mir den ersten Löffel in den Mund schiebe, läuft in Sekundenschnelle ein Film in meinem Kopf ab. Ich sehe mich mit acht Jahren im Garten meiner Eltern stehen, eine Erbsenschote vom Beet pflückend, die ich dann aufreiße, und wie ich dann mit den Zähnen die unterschiedlich großen Erbsen gekonnt in meinen Mund ziehe. Dieser einzigartige Geschmack. Diese Frische. SO schmeckt diese Suppe. Dazu der leichte Chili-Kick - Wahnsinn! Ich kann nur noch mit dem Kopf schütteln.

Der Service ist zuckersüß. Hat fast etwas familiäres. Und als die Frage kommt: “Haben wir Ihren Geschmack getroffen?”, da möchte ich diesem herzlichen Menschen um den Hals fallen und vor Freude weinen. JA!!!! Aber sowas von JA!!

Der Traum ist aber noch nicht zu Ende. Es folgt das “US-Filetsteak mit Meerrettichkruste, Edamame-Bohnen und Pont-Neuf-Kartoffeln”. Man kann ein tolles Stück Fleisch mit Meerrettich erschlagen. Aber auch hier versteht es das Küchenteam, genau das nicht zuzulassen. Perfekt dosiert, geschmacklich eine Bombe. Das Fleisch perfekt gegart, die Bohnen dazu auch großartig. Ach Leute, wir können es kurz machen: Auch das Dessert:

“Variation vom Killepitsch” ist so kreativ und lecker!

Das “Segin’s” hat mich echt umgehauen. Mit allem. Location, Service, Essen. Was für eine Entdeckung! Ich komme wieder. Aber sowas von. Das Menü kostet übrigens 44 Euro.

5. März 2015,

Test: “Zum Bruderhaus”

Heute geht’s ins Dorf. Nach Hamm. Ganz ehrlich: Ich glaube, ich war schon überall in Düsseldorf, aber nie wirklich so richtig in Hamm. Dort steht dieses wunderschöne Backsteingebäude, das den Namen „Zum Bruderhaus” trägt. Wer gerne gut essen geht, wird bei dem Namen “Marcel Schiefer” verzückt mit den Händen klatschen. Er war einer der jüngsten Köche hier, der einen Stern bekommen hat. Für seine gigantisch gute Küche im Restaurant Schorn. Jetzt betreibt er auch noch dieses wunderschöne Brauhaus in Hamm. Am Herd steht in der Regel mit Küchenchef Philipp Dückers. Tolle Location. Diese historischen Mauern und innen alles sanft renoviert. Der alte Charme geht nicht verloren, trotzdem ist es modern und auch wieder trotzdem gemütlich. Bodenständig und unkompliziert. Ja, das trifft es ganz gut.

Schön. Bevor wir uns ans Menü machen - der Blick auf die “normale” Speisekarte. Und man sieht: Es gibt Strammer Max, Senfrostbraten oder Himmel und Ähd. Das klingt ehrlich, nach Tradition und gut. Vor allem, wenn es gut gemacht ist, aber davon kann man ausgehen, wenn Marcel Schiefer seine Finger im Spiel hat.

Das Menü beginnt so: “Hausgebeizter Lachs. Gurke, Kräuter, Senf”. Mann, Mann, Mann. Das klingt so einfach. Und das ist es ja auch irgendwie. Einfach nur diese Kräuter. Einfach nur dieser Lachs. Aus dem die Küche aber etwas gezaubert hat, was nicht von dieser Welt ist. Wie perfekt hier alles harmoniert. Und der Lachs! Schlicht und ergreifend eine Sensation. Wow. Wirklich wow.

Der Service ist super. Immer da, immer aufmerksam und so gar nicht aufdringlich. Die Hütte bebt an diesem Abend. Rappelvoll. Das spricht auch für diesen Laden…

Der Zwischengang ist jetzt nicht so das, worauf ich stehe. Bin einfach nicht so der “Suppentyp”, aber diese “Pilzessenz mit Ravioli vom Landschwein und Frühlingslauch” hat’s in sich. Das komplette Aroma raus geholt. Stark. Kräftig. Und doch so sanft. In dieses Ravioli-Ding könnte ich mich rein setzen. Ganz wunderbar auch dieser Gang. Was ich übrigens super finde: Hier gibt es leckeres Bier. Keine Plörre. Füchschen, KöPi, Kloster Andechs. Ich weiß gar nicht, was uns geritten hat, weswegen wir heute Wein trinken. Aber auch der passt super, also egal.

Meine Begleitung ist schon jetzt scharf auf den Hauptgang: “Coq au Vin. Kräuterdrillinge, Schmorgemüse”. Und beim ersten Bissen wird auch klar warum. Das Fleisch fällt vom Knochen, ist butterzart. Die Sauce ist der Oberhammer! Wir beide möchten in einen 5-Liter-Pott fallen, der mit ihr gefüllt ist. Und was man aus langweiligen Kartoffeln machen kann… Chapeau! Das ist wirklich so, so gut, was hier auf die Teller kommt. Wir sind begeistert.

Und da scheinen wir nicht die Einzigen zu sein. Die Gäste geben sich hier die Klinke in die Hand. Eigentlich wollen wir gar nicht gehen, aber gut, alles Gute hat ja auch mal ein Ende. Zum Dessert: “Schmorapfel. Milchreiseis, Zimtstreusel”. Ich wundere mich, weil ich null, aber so null auf Milchreis und seinen Geschmack stehe, dieses Eis hier aber verputze. Auch der Schmorapfel ist wieder großartig. Das ist wirklich mal ein bodenständiges Dessert.

Also: Im Bruderhaus gibt es ein Menü ohne viel Schnick-Schnack und das schmeckt so sehr nach ehrlicher Haut mit richtig guten Zutaten, dass wir sicherlich nicht das erste und letzte Mal hier waren. Das Menü kostet 39 Euro.

3. März 2015,

Test: Hase und Igel

Mein nächster Test hat es in sich. Ich bin nämlich einerseits voller Vorfreude, andererseits will ich nicht mit zu vielen Erwartungen rein gehen. Man hat es ja irgendwie schwer, wenn man Koch ist und jeder einen aus dem Fernsehen kennt. Da gibt es die bösen Zungen, die meinen: “Die, die im TV sind, die können eher labern als vernünftig kochen”. Und es gibt die, die meinen: “Wenn der im Fernsehen ist, dann muss der ganz toll sein!” Ich sage lieber: “Leute, einfach mal selbst ein Bild machen!”

Die Rede ist von Stefan Marquard. Dieser sympathisch-coole Typ mit dem Ziegenbart und dem Stirnband. Dass der tatsächlich kochen kann, daran darf es eigentlich gar keinen Zweifel geben. Hat er sich doch Anfang der 90er einen Stern erkocht. Heute geht’s also in sein neues Restaurant “Hase und Igel” in einer alten Halle in den Schwanenhöfen. Hammer Location! Steh ich dermaßen drauf! Und der Service genauso charmant-lässig, wie man sich auch so den Marquard vorstellen würde. Passt.

Jetzt weiß ich nicht, wer an diesem Abend am Herd stand. Ob er oder sein Team oder alle - ist aber auch völlig egal, denn am Ende zählt, was auf dem Teller war. Und da kann ich es mir eigentlich ganz einfach machen: Das gesamte Menü war eine Sensation!

Ich bin Fan. Nicht so ein großer wie vom BVB, aber es kommt ganz nah ran.

Der erste Gang: “Spinatcreme I gebratene Jakobsmuschel I Topinamburschaum”. Der fegt einen schon weg. Man wird ein wenig an die Kindheit erinnert, so mit dem Spinat mit Blubb, nur richtig gut! Aromatisch der Spinat, der sich toll mit dem Topinamburschaum versteht. Und es war die beste Jakobsmuschel, die ich seit langem gegessen habe. Großartig. Lassen Sie sich auch unbedingt Weine zu den Gängen empfehlen. Die haben alle richtig Spaß gemacht.

Für den zweiten Gang würde ich im Nachhinein sterben! Es gibt “LiVar Schweinebauch I Misocreme I Pak Choi”. Oh ja! Man mag es kaum glauben, aber es gibt tatsächlich Schweinefleisch, das auch schmeckt. Kein Quatsch: Ich habe ewig kein Schwein mehr gegessen, weil mir regelmäßig übel wurde. Ich habe es einfach nicht mehr essen können - vom seltsamen Geschmack her und vom Kopf. Dieses hier im “Hase und Igel” stammt von Livar-Schweinen aus Limburg in den Niederlanden. Der Name steht für artgerechte Haltung. Daumen hoch! Und was soll ich sagen: was ein Wahnsinn! Was haben die bitte mit diesem Schweinbauch angestellt? Ohne Worte der Gang. Wolke 7.

Wie das übrigens alles angerichtet ist: Das ist Kunst. Kunst, die rockt. Ich habe ganz oft gelesen: Stefan Marquard und sein Team wollen mit ihren Gerichten charmant provozieren. Und ich hab mich immer gefragt: Was soll das heißen? Inwiefern? Jetzt habe ich eine leise Ahnung. Da werden Zutaten kombiniert, die in ihrer Kombi ein bisschen schräg sind. Da kommt alles mit Ansage daher. Wie zum Beispiel bei dem Fischgang: “Gebratener Waller I in Orangen geschmorter Chicorée I Buchweizen-Vinaigrette”. Das war heftig. Das hat provoziert. Irgendwie krass und dabei so geil. Erst im Nachhinein versteht man das Gericht immer besser. Ich hatte so das Gefühl: Es baut sich von Gang zu Gang mehr auf - also diese verdammt charmante Provokation. Je mehr man sich mit den Gängen beschäftigt desto besser wird’s.

Auch der Fleischgang: “Bavette vom US Beef. Dreierlei vom Mais: Popcorn, Püree und Kölbchen, Malzbierjus”. Wird von Bissen zu Bissen abgefahrener. Und das meine ich sehr positiv. Auch dieser Gang ist eine kleine Sensation. Ich bin wirklich hin und weg. Von der Küche, von den Menschen, die dort arbeiten und von der Location.

Das Dessert, Leute! Das Dessert! Ohne Worte: “Neuinterpretation von der Schwarzwälder Torte”. Das war so unfassbar gut. Sie brauchen noch nicht mal einen Kaffee zum Törtchen. Der wird Ihnen quasi in Form eines Macaron gleich mitgeliefert.

Was soll ich sagen? Ein gigantischer Abend war das. Und wenn Sie das für 49 Euro nicht probieren, dann verpassen Sie leider was sehr, sehr Geiles. Handwerklich perfekt mit tollen und auch teils ungewöhnlichen Zutaten in der Kombination, dazu sehr kreativ und einfach nur unfassbar lecker. Für mich bisher DIE Entdeckung des Jahres.

28. Februar 2015,

Test: Brasserie La Vie

Alle Diätbemühungen meinerseits im Vorfeld der Tour sind fehlgeschlagen. Ich fürchte deshalb, bald zu platzen. Aber was soll’s. Dann war es wenigstens vorher schön. Mein erster Test führt mich nach Unterbilk. Ins 4-Sterne Mercure Hotel. Und dort in das Restaurant “Brasserie La Vie”. Sehr angenehme Atmosphäre - das schon einmal vorweg. Schön ungezwungen. Das mag ich. Äußerst freundliche Begrüßung, also dann mal ab dafür…

Bevor wir mit dem eigentlichen Menü starten, gibt es einen Gruß aus der Küche. Eigentlich normalerweise nicht besonders erwähnenswert, aber dieser war so toll, dass ich kurz meiner Begeisterung freien Lauf lassen muss. Ein “Rote Beete Crispy mit Ziegenkäse”. Ich möchte nichts vorweg nehmen - lassen Sie sich überraschen, was das Ding kann: Großartig, was da im Mund passiert! Von denen hätte ich gerne ein ganzes Blech voll gehabt.

Vier Gänge erwarten uns. Die Vorspeise: “Selleriesüppchen I grüner Apfelschaum I bretonischer Hummer”. Super. Kann man nicht anders sagen. Die Suppe ist so schön cremig und sanft und perfekt abgeschmeckt. Nicht zu viel von einer starken Sellerienote. Einfach eine ganz runde Sache, die die Seele streichelt. Und dieser wunderbare Hummer, der sich auf dem Boden des Tellers niedergelassen hat. Ganz toller Auftakt. Ach so, nicht vergessen, Wein zu den Gängen zu trinken. Das hebt erstens die Stimmung und zweitens haben die in der Brasserie eine wirklich tolle Weinkarte.

Da ich ja alle Gänge schon hinter mir habe, während ich das hier schreibe, kann ich Ihnen schon sagen, welche meine Favoriten sind: Das Dessert und der Zwischengang. Der sieht so aus: “Geschmortes Kalbsbäckchen I Graupenrisotto I Karottenstroh”. Was ein Wahnsinn. Ich bin ein großer Bäckchen-Freund und dieses hier zerfällt schon, wenn man es nur ansieht. Butterweich und zart. Ein Traum einfach, der mit einer ebenso traumhaften Sauce beträufelt ist. Gebettet auf einem großartigen Graupenrisotto, das schön schlonzig ist und trotzdem noch den richtigen Biss hat. Dieser Gang ist wirklich ein Highlight, das durch den tollen Barrique-Rotwein noch mehr Leben bekommt. Zwölf Punkte!

Der Service steht der Qualität in nichts nach. Sehr aufmerksam, charmant, immer zum richtigen Zeitpunkt da, aber nie aufdringlich. Und er weiß, wovon er redet. Auch was die Weinbegleitung angeht. Schön. Zum Hauptgang gibt es wie so oft die Wahl: Fisch oder Fleisch. Das Meerestier liest sich folgendermaßen: “Geangelter Steinbutt I

Safran Perlzwiebeln I polierte Cerealien I Artischockencreme I gelierte Tomaten-Basilikumbrühe”. Das klingt tatsächlich sehr lecker und spannend, aber ich bin heute fleischgeil. Also wird es dieses hier: “Zweierlei vom Bio-Rind I Gemüsegarten I schwarzer Kartoffelstampf I Shisokresse”. Die liebe ich übrigens, die Shisokresse und so finde ich es toll, dass sie sich in jedem Gang wiederfindet. Dieser Hauptgang sieht umwerfend aus. Auf dem Teller ist tatsächlich ein Gemüsegarten. Kleine, wunderschöne Röllchen aus beispielsweise Karotte, die lustig bunt nebeneinander stehen - wie in einem Beet. Gefüllt mit dem schwarzen Kartoffelstampf - dafür ist der Sepia verantwortlich. Sehr, sehr lecker. Normalerweise finde ich Kartoffelstampf eher langweilig. Dieser hier ist toll. Und das Fleisch… Mein lieber Mann. Das ist sowas von auf den Punkt! Weich und zart und von wirklich toller Qualität. Perfekt. Und wieder so eine leckere Sauce. Ich bin wirklich begeistert.

Und dann kommt auch noch dieses Dessert, das den Namen “Orient Express” trägt. Kein anderer Name hätte genau das beschreiben können. Lassen Sie sich überraschen. Es ist eine Wucht. Nur so viel: Das Pfirsichsorbet ist eine Geschmacksbombe und die Gewürzkaffee-Crumble der Wahnsinn. Und dann knallt das auch noch alles im Mund. Ja! Richtig gelesen. Hammer.

Für mich und meine Begleitung war es der perfekte Abend. Es gab nichts zu meckern. Gar nichts! Rundum super. Jeder Gang einfach sehr, sehr lecker. Toller Service. Weine, die Spaß machen. Und dieses Dessert… - das hat echt Eindruck bei mir hinterlassen. Das 4-Gänge-Menü kostet 42 Euro. Und ich denke, ich habe für mich eine neue Location gefunden, die ich sonst wohl nie entdeckt hätte.

27. Februar 2015,

13. Test: Bocconcino, Medienhafen

Kategorie: Hirsch, Kaninchen, Wildsau & Co.

Aperitif - Glas Champagner

Gebratener Pecorino auf Rucolasalat mit gerösteten Pinienkernen und Himbeerdressing

Rehmedaillon mit einer Sauerkirsch-Pfeffersauce, dazu Gnocchi in Trüffelbutter und geschmorter Spitzkohl

Ricotta-Törtchen mit glasierten Birnen

45,90 Euro

Der Test:

Zum Abschluss meiner Tour-Tests habe ich es heute nicht weit. Es geht einfach nur die Treppe runter und dann nach rechts. Ins “Bocconcino” im Medienhafen. Also, das muss man ja echt sagen: Super Location. Wir können draußen sitzen und haben somit das Gefühl, im Urlaub am Meer zu sein, auch wenn es nur das Hafenbecken ist. Schön. Man findet direkt Ruhe. Es war ein langer Arbeitstag und deswegen kommt mir der erste “Gang” wie gerufen. Ein Glas Champagner. Gehört mit zum Tour-Menu. Es ist ein leckerer, der schön prickelt und mir wieder Lebensgeister einhaucht. Einfach schön den Champus schlürfen und auf’s Wasser gucken, das hat was.

So langsam kommt aber der Hunger und deswegen freuen wir uns auf “Gebratenen Pecorino auf Rucolasalat mit gerösteten Pinienkernen und Himbeerdressing”. Dieser Pecorino kommt mit leichtem Ziegenkäse-Geschmack daher. Ich stehe eigentlich gar nicht auf Ziege, aber hier ist der Geschmack sehr angenehm. Nicht zu streng, tolle Konsistenz. Er liegt wunderschön gebraten auf einem riesigen Rucolabett. Zu diesem doch eher scharfen Geschmack des Rucolas passt das Himbeerdressing super, weil es mit einer schönen süß-sauren Note daher kommt. Mir persönlich ist es viel zu viel Rucolasalat, aber so ein richtiger Kerl kann das schon verpacken. Ein erster Gang ohne viel Schnick-Schnack. Passt. Schöne Weine haben sie hier übrigens. Und wenn ich schon beim Italiener sitze, dann darf es jetzt auch ein Glas Primitivo sein, der ratz-fatz vom aufmerksamen Service an den Tisch gebracht wird. Den lasse ich mir zum “Rehmedaillon mit einer Sauerkirsch-Pfeffersauce, dazu Gnocchi in Trüffelbutter und geschmorter Spitzkohl” schmecken. Das ist ein ganz tolles Gericht! Das Reh ist zart und perfekt gebraten. Die Sauerkirschen mit dem Pfeffer passen wie die Faust auf’s Auge. Und auch der Spitzkohl ist super lecker. Davon könnte ich noch eine Portion essen. Hmmm… Und wenn Sie auf Gnocchis stehen, diese hier sind selbstgemacht und werden Ihnen schmecken. Ein richtig schöner Gang. Wir wollen gar nicht gehen, weil der Ausblick so schön ist und deswegen lassen wir uns etwas Zeit mit dem Dessert. Gut, wir können jetzt schlecht die ganze Nacht hier sitzen, auch wenn das traumhaft wäre, also dann doch her damit. Abgerundet wird das Menu mit einem “Ricotta-Törtchen mit glasierten Birnen”. Das Törtchen ist im Prinzip ein Kuchenstück. Und zwar ein sehr leckeres. Nicht zu trocken, hat noch was schön Schlonziges und erinnert ein bisschen an Käsekuchen. Ganz nach meinem Geschmack. Dazu gibt’s wunderschöne, frische Früchte und eben die Birnen, die auch mit einer schönen Süße daher kommen. Ich finde, ein ganz geradliniges, leckeres Menu. Und die Location ist natürlich der Hammer. Mitten am Wasser in Düsseldorf. Das beruhigt dermaßen!

30. September 2014,