Mamma Mia Marschal

Mamma Mia Marschal

Antenne Düsseldorf à la Carte

Unsere Morgenfrau Tanja Marschal macht den Restaurant-Check und testet Restaurants auf Herz und Nieren. Wie es geschmeckt hat, erfahren Sie regelmäßig bei Antenne Düsseldorf. Das Fazit gibt es natürlich hier zum Lesen und Hören im Blog zu Mamma Mia Marschal.

13. Test: Bocconcino, Medienhafen

Kategorie: Hirsch, Kaninchen, Wildsau & Co.

Aperitif - Glas Champagner

Gebratener Pecorino auf Rucolasalat mit ger├Âsteten Pinienkernen und Himbeerdressing

Rehmedaillon mit einer Sauerkirsch-Pfeffersauce, dazu Gnocchi in Tr├╝ffelbutter und geschmorter Spitzkohl

Ricotta-T├Ârtchen mit glasierten Birnen

45,90 Euro

Der Test:

Zum Abschluss meiner Tour-Tests habe ich es heute nicht weit. Es geht einfach nur die Treppe runter und dann nach rechts. Ins “Bocconcino” im Medienhafen. Also, das muss man ja echt sagen: Super Location. Wir k├Ânnen drau├čen sitzen und haben somit das Gef├╝hl, im Urlaub am Meer zu sein, auch wenn es nur das Hafenbecken ist. Sch├Ân. Man findet direkt Ruhe. Es war ein langer Arbeitstag und deswegen kommt mir der erste “Gang” wie gerufen. Ein Glas Champagner. Geh├Ârt mit zum Tour-Menu. Es ist ein leckerer, der sch├Ân prickelt und mir wieder Lebensgeister einhaucht. Einfach sch├Ân den Champus schl├╝rfen und auf’s Wasser gucken, das hat was.

So langsam kommt aber der Hunger und deswegen freuen wir uns auf “Gebratenen Pecorino auf Rucolasalat mit ger├Âsteten Pinienkernen und Himbeerdressing”. Dieser Pecorino kommt mit leichtem Ziegenk├Ąse-Geschmack daher. Ich stehe eigentlich gar nicht auf Ziege, aber hier ist der Geschmack sehr angenehm. Nicht zu streng, tolle Konsistenz. Er liegt wundersch├Ân gebraten auf einem riesigen Rucolabett. Zu diesem doch eher scharfen Geschmack des Rucolas passt┬ádas Himbeerdressing super, weil es mit einer sch├Ânen s├╝├č-sauren Note daher kommt. Mir pers├Ânlich ist es viel┬ázu viel Rucolasalat, aber so ein richtiger┬áKerl kann das schon verpacken. Ein erster Gang ohne viel Schnick-Schnack.┬áPasst. Sch├Âne Weine haben sie hier ├╝brigens. Und wenn ich schon beim Italiener sitze, dann darf es jetzt auch ein Glas Primitivo sein, der ratz-fatz vom aufmerksamen Service an den Tisch gebracht wird. Den lasse ich mir zum “Rehmedaillon mit einer Sauerkirsch-Pfeffersauce, dazu Gnocchi in Tr├╝ffelbutter und geschmorter Spitzkohl” schmecken. Das ist ein ganz tolles Gericht! Das Reh ist zart und perfekt gebraten. Die Sauerkirschen mit dem Pfeffer passen wie die Faust auf’s Auge. Und auch der Spitzkohl ist super lecker. Davon k├Ânnte ich noch eine Portion essen. Hmmm…┬áUnd wenn Sie auf Gnocchis stehen, diese hier sind selbstgemacht und werden Ihnen schmecken. Ein richtig sch├Âner Gang. Wir wollen gar nicht gehen, weil der Ausblick so sch├Ân ist und deswegen┬álassen wir uns etwas Zeit mit dem┬áDessert. Gut, wir k├Ânnen jetzt schlecht die ganze Nacht hier sitzen, auch wenn das traumhaft w├Ąre, also dann doch her damit. Abgerundet wird das Menu mit einem “Ricotta-T├Ârtchen mit glasierten Birnen”. Das T├Ârtchen┬áist im Prinzip ein Kuchenst├╝ck. Und zwar ein sehr leckeres. Nicht zu trocken, hat noch was sch├Ân Schlonziges und erinnert ein bisschen an K├Ąsekuchen. Ganz nach meinem┬áGeschmack. Dazu gibt’s┬áwundersch├Âne, frische Fr├╝chte und eben die Birnen, die auch mit einer sch├Ânen┬áS├╝├če daher kommen. Ich finde, ein ganz geradliniges, leckeres Menu. Und die Location ist nat├╝rlich der Hammer. Mitten am Wasser in D├╝sseldorf. Das beruhigt derma├čen!

30. September 2014,

12. Test: Sascha - Rotisserie & Bar, Flingern

Kategorie: Curry, Safran, Thymian & Co.

Kalte Kr├Ąuter-Gurken-Lass├ę oder Bouillabaisseschaum mit Croutons

Auberginentartar mit Lammkoteletts in Fenchelsamen gebraten

Loup de mer mit Sauce ravigote mit Kartoffelstampf und Apfel-Gurken-Salat

oder

Marinierter, in Brombeeren geschmorter Schweinebraten (Duroc) mit Kartoffelr├Âsti und Vichykarotten

Honig-Tomaten-Parfait oder Cr├Ęme brul├ęe

32 Euro

Der Test:

Es gibt so viele tolle und gute Restaurants in D├╝sseldorf, aber eines haut mich jedes Mal vom Hocker. Und ich finde, dieser K├╝nstler am Herd wird gar nicht genug gew├╝rdigt. Sascha aus der gleichnamigen Rotisserie und Bar. Was er in seinem f├╝r D├╝sseldorf eher kleinen Restaurant auf die Beine stellt, ist sensationell. Das gilt genauso f├╝r den Rest seiner K├╝chencrew. Ein sympathischer Kerl namens Maurice zaubert da n├Ąmlich genauso rum. Als ich jetzt zum Tour-Test dort war, sa├č am Nebentisch ein bekannter Sterne-Koch. Das spricht f├╝r sich selbst. Wenn dort Leute essen gehen, die sich mit den Besten der Besten messen. Es gibt ein 4 G├Ąnge-Menu zur Tour und Sie haben die Qual der Wahl. Denn ganz ehrlich: Bei solch tollen Gerichten m├Âchte ich mich eigentlich gar nicht entscheiden.

Ich bin kein gro├čer Bouillabaisse-Fan, deswegen wird es f├╝r mich die “Kalte Kr├Ąuter-Gurken Lass├ę”. Meine Freundin hebt aber ihre Hand und schw├Ârt, dass es die beste Bouillabaisse “in town” ist. Sie schw├Ąrmt sogar von den Croutons.┬áIch habe also die┬áGurken-Lass├ę. Wer jetzt denkt: “Wie soll schon eine ‘Gurkensuppe’ schmecken?”, dem sei gesagt:┬áUnfassbar gut! Super erfrischend. Die Gurken darin┬áhaben eine s├╝├čliche Note. Ich k├Ânnte einen ganzen Topf voll essen. Hammer! Hammer ist auch das Stichwort f├╝r den Zwischengang: “Auberginentartar mit Lammkoteletts in Fenchelsamen gebraten”. Meine Freundin sagt: “Ich mach mich gleich nackig!” Und sie hat recht. Wie geil schmeckt denn bitte sch├Ân Lamm mit Fenchel?! Die Koteletts sind super saftig und gleichzeitig sch├Ân knusprig au├čen. Wunderbar aromatisch und der Fenchel dazu ist echt der Burner. So hat das Fleisch richtig Wumms und versteht sich deswegen ganz toll mit dem Auberginentartar. Das ist n├Ąmlich ├╝beraus mild und passt sich somit dem Lamm an. W├Ąre es kr├Ąftiger, k├Ąmen die Geschmacksknospen nicht mehr klar. Perfekt! Der Service ist ├╝brigens ganz nach unserem Geschmack. Ohne viel Ged├Âns zu machen aufmerksam und freundlich. Und die Weinauswahl ist auch hervorragend. W├╝rde mich gerne in der Karte von oben nach unten durch trinken. Aber so wird’s jetzt zun├Ąchst ein Riesling vom Metzger. Also vom Weingut Metzger…
Beim Hauptgang k├Ânnen und wollen wir beide uns nicht entscheiden, also beschlie├čen wir zu teilen. Einmal den “Loup de mer mit Sauce ravigote mit Kartoffelstampf und Apfel-Gurken-Salat” und auf der anderen Seite wartet ein “Marinierter, in Brombeeren geschmorter Schweinebraten (Duroc) mit Kartoffelr├Âsti und Vichykarotten”.

Auch hier gilt f├╝r beide Gerichte: Eine kleine Sensation. Der Wolfsbarsch ist so saftig, dass er zerf├Ąllt, die Haut aber wunderbar kross, wie es sein sollte. Die aufgem├Âbelte Sauce ist ein Gedicht. So fein! Der Apfel-Gurken-Salat haut mich um. Mit Kartoffelp├╝ree kann man mich sonst jagen. Finde ich so langweilig. Von diesem hier bleibt nichts mehr ├╝brig. Toll! Jetzt darf ich ja freundlicherweise auch den Fleischgang probieren. Und da muss ich mich beeilen, weil meine Freundin sonst gleich alles leer geputzt hat. In der Regel esse ich Schweinefleisch nicht wirklich gerne, es sei denn, es kommt von genau diesem, dem Duroc-Schwein. Dieses ├Ąu├čerst zarte Fleisch schmeckt soooo gut. Und was Sascha mit seinem K├╝chenteam daraus gemacht hat, ist kaum in Worte zu fassen. Das Fleisch allein schmeckt schon so unfassbar gut und dann diese Sauce dazu. Die ist nicht von dieser Welt. Die R├Âsti… Selbstgemacht versteht sich. Knusprig, knusprig und nochmals knusprig. Sooo lecker. Und die Vichykarotten mit dem dazu geh├Ârigen Stampf - auch ein Traum. Wir sind einfach nur wahnsinnig begeistert, wie fein und gut hier gekocht wird. Meine Freundin sagt: “Hier schmeckt alles so sehr nach Liebe!” Ja, stimmt. Apropos Liebe. Ich liebe Desserts. Es gibt zum Abschluss eine ganz klassische Cr├Ęme brul├ęe, die sich meine Begleitung bestellt und verschlingt! Ich traue mich an das “Honig-Tomaten-Parfait”. Ich finde, das klingt schr├Ąg und geil. Wahrscheinlich ist es ein Dessert, an dem sich die Geister scheiden. Es ist eins mit Ansage und man muss Honig wirklich m├Âgen, aber dann ist es super. Mal was ganz anderes. Mir hat’s toll geschmeckt. Ansonsten machen Sie aber mit der vorz├╝glichen Cr├Ęme brul├ęe nichts falsch.

Saschas Rotisserie geh├Ârt bei dieser Tour mit zu meinen absoluten Favoriten. Ein begnadeter Koch, dem man eigentlich 24 Stunden lang die Bude einrennen muss. Die Atmosph├Ąre ist toll. Ich mag es gerne etwas “kleiner” und “kuscheliger”. Ein absolutes Muss!

29. September 2014,

11. Test: Die Ente, Unterbach

Kategorie: Hirsch, Kaninchen, Wildsau & Co.

Steinpilzconsomm├ę mit Maronen-Ravioli

Ger├Ąucherte Wildentenbrust auf buntem Herbstsalat in Granatapfeldressing mit Trauben und Waln├╝ssen

Geschmorte Sauerl├Ąnder Wildschweinkeule auf Kirsch-Pfeffer-Sauce mit Rotweinbirne, Semmelkn├Âdel und geschmorten Steinpilzen

oder

Wildlachs und Garnelen in Flusskrebssauce mit gr├╝nem Pfeffer und Tr├╝ffelnudeln

Waldbeerensorbet auf Fruchtmarkspiegel mit Fr├╝chten

43,90 Euro

Der Test:

Was ich an der Tour so liebe, ist die Vielfalt der Restaurants. Einmal der Italiener, dann pl├Âtzlich Sternek├╝che und am n├Ąchsten Abend geht’s in ein Hotelrestaurant. Heute sind wir im Wohnzimmer. So f├╝hlt es sich zumindest an, in der “Ente” in Unterbach. Ich habe hier das Gef├╝hl, am Kamin statt am Tisch zu sitzen, so viel W├Ąrme kommt einem entgegen. Der Name ist hier Programm. Enten soweit das Auge reicht :-) Eine ganz warme, herzliche Atmosph├Ąre. Eine richtige Stube halt. Wir haben das Gef├╝hl, hier richtig runter zu kommen. Den Stress einfach mal drau├čen lassen und genie├čen. Vier G├Ąnge erwarten uns heute. Also auf geht’s!

Wir starten mit einer “Steinpilzconsomm├ę mit Maronen-Ravioli”. Es ist herbstlich geworden und so passt dieser Auftakt wie die Faust auf’s Auge. Ein sch├Ânes, hei├čes “S├╝ppchen”. S├╝ppchen w├Ąre allerdings beinahe eine Beleidigung, denn eine Consomm├ę braucht Zeit. Diese hier ist ganz wunderbar. Der Geschmack der Steinpilze ist sch├Ân intensiv, aber nicht zu streng. Herrlich. Es duftet nach Wald und Liebe. Dazu dieser Ravioli mit der Maronen-F├╝llung - das ist Herbst pur. So soll es sein. Unsere B├Ąuche f├╝hlen sich ganz wohlig warm an. Dazu lassen wir uns einen leichten Wei├čwein schmecken. Jetzt bin ich eigentlich nicht so der Salat-Fan, aber dieser ist toll: “Ger├Ąucherte Wildentenbrust auf buntem Herbstsalat in Granatapfeldressing mit Trauben und Waln├╝ssen”. Es sind n├Ąmlich keine lieblos auf den Teller gelegte Bl├Ątter, sondern ein wirklich frischer, “anst├Ąndiger” Salat. Das Dressing ist herrlich erfrischend. Trauben und Waln├╝sse passen eh super zusammen. Und dieses wunderbar rauchige Aroma der sehr zarten Entenbrust - toll. Man schmeckt richtig, dass das Tier “wild” war. Sehr sch├Âner Gang. Wir f├╝hlen uns wirklich so, als w├Ąre dieses Menu f├╝r das heutige Wetter kreiert worden. Es riecht alles nach Waldspaziergang durch die herbstliche Luft. Der Service erw├Ąrmt unsere Herzen und wir genie├čen diesen Ort, der fast etwas von Zuflucht hat.

Wir haben die Qual der Wahl beim Hauptgang: Auch wenn “Wildlachs und Garnelen in Flusskrebssauce mit gr├╝nem Pfeffer und Tr├╝ffelnudeln” sehr, sehr verlockend klingt, wird es die “Geschmorte Sauerl├Ąnder Wildschweinkeule auf Kirsch-Pfeffer-Sauce mit Rotweinbirne, Semmelkn├Âdel und geschmorten Steinpilzen”. Ach, herrlich. Dazu muss ein Rotwein her. Die Kn├Âdel sind selbstgemacht, was nicht selbstverst├Ąndlich ist, aber sein sollte. Toll. Die Sauce ist so lecker. Und wenn man ein St├╝ck von diesem zarten Wildschwein zusammen mit einem St├╝ck von der grandiosen Rotweinbirne in den Mund nimmt, dann jubeln die Sinne. So eine “einfache” Birne. Was mit der passiert, wenn man sie in diesem leckeren Traubensaft ertrinken l├Ąsst… Ach, was f├╝hlen wir uns wohl!

Eigentlich sind wir echt satt, aber das Dessert klingt einfach zu verlockend: “Waldbeerensorbet auf Fruchtmarkspiegel mit Fr├╝chten”. Oh ja! Das sind Waldbeeren pur. Intensivster Geschmack, eine tolle Abk├╝hlung. Der Teller ist hinterher wie abgeleckt. Das ganze Menu ist eine wirklich runde Sache. Man schmeckt den Herbst, das “Wilde”, die Liebe. Und dazu dieser so warme, herzliche Service. Das Restaurant ist voll und man hat das Gef├╝hl, mit vielen Freunden in der eigenen Stube zu sitzen. Sch├Ân war’s!

28. September 2014,

10. Test: VICTORIAN Gourmet Restaurant, Stadtmitte

Kategorie: K├╝rbis, Landschwein, Pfifferlinge & Co.

Ap├ęro D├╝sseldorfer Rheinwiesen

Amuse-Bouche

Bergische Forelle - Rauch/Meerrettich/Apfel

D├╝sseldorfer Allerlei - Flusskrebs/Hecht/Dill

Confierter Kaninchenr├╝cken - ABB Senf/Kr├Ąuter aus Fahrideh’s Garten in Bilk

Geschmorrte Zwergrippe vom niederrheinischen Rind - Kraut/R├╝ben

Birnen-K├╝rbis - Wei├če Schokolade/Preiselbeeren

S├╝├čes Finale - Petit fours

79 Euro

Der Test:

Als ich geh├Ârt habe, dass Volker Drkosch das “Victorian” verl├Ąsst, dachte ich erst “Oh, nein!” F├╝r mich z├Ąhlt er immer noch zu den besten und kreativsten K├Âchen, bei denen ich je essen durfte. Umso gespannter war ich nun auf seinen Nachfolger. Matthias Hein ist der neue K├╝chenchef, der aber schon einige Zeit im Gourmet Restaurant gearbeitet hat. Und was soll ich sagen? Er hat mich und die Kollegin Claudia Monr├ęal umgehauen. Was er mit seinem Team auf die Teller zaubert, ist nicht weniger umwerfend. Mit einer ganz klaren, geradlinigen K├╝che. Und (trotzdem) wahnsinnig kreativ. Meine innere Stimme schreit schon wieder nach einem zweiten Stern.
Zu Beginn gibt es die “D├╝sseldorfer Rheinwiesen” und da springt uns schon die ganze Kreativit├Ąt als erster Eindruck entgegen. Eine Holzkiste voller Kieselsteine, auf denen kleine leckere Schweinereien liegen. Also im Prinzip Fingerfood. Tatar vom Rind, Ziegenk├Ąse, essbares Moos oder G├Ąnseleber in einer Praline, die im Mund knackt und explodiert. Fantastisch. Schon jetzt fragen wir uns, warum wir ├╝berhaupt jemals noch woanders essen gehen sollten.
Die “Bergische Forelle” mit Apfel und Meerrettich ist die n├Ąchste Geschmacksexplosion, die nicht nur unfassbar lecker ist, sondern auch noch wahnsinnig sexy aussieht. Meine G├╝te… Dass der Service hier erstklassig ist, versteht sich von selbst. Und ich danke dem Weingott daf├╝r, dass er uns Michael Noack geschickt hat. Die jahrelange Seele des Victorians ist f├╝r mich der Inbegriff eines Sommeliers. Er lebt Wein. Er liebt Wein. Er ist Wein. Und die Weine, die er uns zu jedem Gang serviert, sind nicht nur erstklassig, sondern selbstverst├Ąndlich perfekt abgestimmt. Wir verneigen uns. Auch vor dem n├Ąchsten Kunstwerk, das uns nun erwartet. “D├╝sseldorfer Allerlei”. Dahinter verbergen sich unter anderem Hecht, Flusskrebs und aromatische Wurzeln - aufgegossen mit “Flusskrebs in fl├╝ssiger Form” ;-)
Grandios. Ich liebe diese Klarheit. Diesen genau definierten Geschmack. Und wie wir alle wissen, isst das Auge mit. Und das bekommt jetzt richtig was geboten. Der “Confierte Kaninchenr├╝cken” steht n├Ąmlich an. Bevor dieses Kunstwerk in der K├╝che vollendet wird, kommt es an unseren Tisch, an dem wir zusehen k├Ânnen, wie es vorgegart wird. Wow. Auch von diesem Gang sind wir restlos begeistert. Eine Sinfonie. Ich w├╝rde Ihnen gerne jedes kleinste Detail beschreiben, mit dem jeder einzelne Gang uns die Sinne raubt, aber ein bisschen ├ťberraschung muss ja bleiben. Immer wieder gibt es Gr├╝├če aus der K├╝che, die unsere Geschmacksknospen beruhigen. Vielleicht w├╝rde man sonst tats├Ąchlich durchdrehen, weil man diese ganze Aromenvielfalt gar nicht fassen kann. Mein Lieblingsgru├č: Ein Blumentopf! Das ist das Sch├Ânste, was ich je gesehen habe. Ein echter, kleiner Blumentopf voller schwarzer “Erde”, in der eine Blume steckt. Nur dass man das alles essen kann! Ich werd wahnsinnig!
V├Âllig durchdrehen ist dann angesagt, als uns die “Geschmorrte Zwergrippe vom niederrheinischen Rind” mit Kraut und R├╝ben serviert wird. Dieses himmlische St├╝ck Fleisch zerf├Ąllt im Mund. Ach, eigentlich schon auf dem Teller. Im Prinzip brauchen Sie gar kein Messer. Geschmacklich eine Sensation, wie ausnahmslos alles heute Abend.
Claudia und ich sch├Ąmen uns schon ein wenig, weil wir die ganze Zeit st├Âhnen und mit den Augen rollen. Es ist einfach nur der helle Wahnsinn, was hier geboten wird.
Zum Abschluss gibt es “Birnen-K├╝rbis, Wei├če schokolade, Preiselbeeren”. Dieser marinierte K├╝rbis, die Schokolade…. Ich wei├č gar nicht, was ich noch sagen soll…
Ach ja, Petit fours gibt es ja auch noch. Allesamt ein himmlischer Genuss.
Also, liebe D├╝sseldorfer: Das Victorian ist ein Muss! Wenn Sie sich das entgehen lassen, dann ist Ihnen nicht mehr zu helfen! :-) Ein durch und durch sensationelles Menu. Ganz klare Linie, kreativ bis zum Umfallen, unfassbar lecker. Und wenn nicht f├╝r das Essen, so w├╝rde ich allein schon f├╝r die Weine t├Âten. Der Service ist gro├čartig. Das war unser perfekter Abend.

28. September 2014,

9. Test: Lerose, Gerresheim

Kategorie: Languste, Seeteufel, Steinbei├čer & Co.

Krabben-Tatar mit Ananas

Fiocchetti - gef├╝llte Nudeltaschen - mit Birne und Ricotta in einer Orangensauce

Riesengarnelen umh├╝llt von Parmaschinken in einer Tomatensauce

oder

Carr├ę vom Reh mit Rotweinsauce und Preiselbeeren

Kalte Zabaglione

39,50 Euro

Der Test:

Also, das war mal eine positive ├ťberraschung! Und was f├╝r eine! Ich dachte: “Ok, das wird wohl ein x-beliebiger Italiener heute…” Aber nix da. Das war f├╝r mich eine Entdeckung da in Gerresheim. Das “Lerose” an der Benderstra├če. Familienrestaurant. Ich wei├č nicht, wie die Italiener das immer machen - ich glaube, sie haben es in den Genen, dass man das Gef├╝hl hat, zur Familie zu geh├Âren. Im Lerose springt einem die Gastfreundschaft f├Ârmlich entgegen. Meine Begleitung, die ich nicht namentlich nennen m├Âchte, hat nach dem Essen den Knopf an ihrer Hose aufgemacht! Sie hatte vergessen, dass wir im Restaurant sitzen. Das sagt alles. Irgendwie f├╝hlt es sich so an, als s├Ą├čen wir bei ‘ner Familienfeier und da wird jetzt erst einmal “Krabben-Tatar mit Ananas” aufgetischt. Ich gebe zu, als ich das gelesen habe, dachte ich: “Krabben und Ananas? Ob das mal gut geht?” Und wie das gut geht! Tatar egal in welcher Form kann echt voll in die Hose gehen, wenn es n├Ąmlich nicht super frisch ist. Dieses Krabben hier schmecken wie frisch gefangen. Die Ananas dazu: Diese S├╝├če, die gleichzeitig knackig frisch ist und eine gewisse S├Ąure mitbringt. Passt super! Ein ganz leichter, wunderbar aromatischer Gang zum Auftakt. Sehr sch├Ân.

Der Service ist wirklich einmalig. Immer auf Zack, lustig und voller Herzensw├Ąrme. Meine Begleitung und ich haben heute richtig Bock auf Pasta, freuen uns deswegen besonders auf den zweiten Gang: “Fiocchetti - gef├╝llte Nudeltaschen - mit Birne und Ricotta in einer Orangensauce”. Ach, du meine G├╝te. Was ist das denn? Bei uns explodieren die Geschmacksknospen. Dieses Pastagericht geh├Ârt mit zum Besten, was ich je in Sachen Nudeln gegessen habe. Birne und Ricotta sind wie f├╝r einander gemacht und diese Sauce dazu… Voller Orangenzesten. Mehr an purem Orangengeschmack geht nicht. Das ist das absolute Hammergericht. Wir trinken ├╝brigens ganz, ganz tolle Weine dazu. Himmlisch!

Beim Hauptgericht m├╝ssen Sie sich entscheiden: “Riesengarnelen umh├╝llt von Parmaschinken in einer Tomatensauce” oder “Carr├ę vom Reh mit Rotweinsauce und Preiselbeeren”. Die Garnelen super, aber wenn ich Ihnen einen Tipp geben darf: Nehmen Sie das Reh. Das ist Bombe! Dieses Rippenst├╝ck ist butterzart. Mit der Sauce dazu ist es eine Offenbarung. Meine Begleitung kriegt sich gar nicht mehr ein. Sie spricht von einer “Sinfonie des Rehs” und von “Posaunen am Waldeshimmel”. Gut, ich glaube, sie hat nicht mehr alle Tassen im Schrank, aber das trifft’s ganz gut…

Das Dessert klingt auf den ersten Blick nicht so spannend: “Kalte Zabaglione”. Ist aber auch ganz, ganz toll. Die Zabaglione kommt n├Ąmlich nicht alleine daher. Sie hat noch ihre Freundin Vanilleeis mitgebracht. Und die beiden verstehen sich blind. Das ist einfach nur super lecker zum Abschluss. Was bleibt von diesem Abend? Eine gl├╝ckliche Tanja, die sich freut, so einen tollen Italiener in Gerresheim entdeckt zu haben. Und die Gewissheit, dass ich nicht das letzte Mal dort gewesen bin.

24. September 2014,

8. Test: Die R├┤tisserie, Pempelfort

Kategorie: Hirsch, Kaninchen, Wildsau & Co.

Cortado von Petersilienwurzel mit Rehpraline

Kaninchen-Terrine in Cassis-Gelee an Brioche

Hirschr├╝cken im Kr├Ąutermantel mit Schwarzwurzelgem├╝se, Steinpilzjus und Kartoffelgratin

oder

Rebhuhnbrust gef├╝llt mit Foie gras und Pistazien an lauwarmen Spitzkohl-Kumquat-Salat und Erdapfel-Pinienkernstrudel

Trilogie von Petits Fours

39,50 Euro

Der Test:

Also, das muss man echt sagen: Die R├┤tisserie ist so ein verdammt sch├Âner Laden. Da hat aber einer mal so richtig Geschmack. Super sch├Ân. Richtig sinnlich. Und damit es noch sinnlicher wird, sitzt abends auch einer am Piano. Nicht schlecht… Der Kollege Martin Heyer begleitet mich dieses Mal. Das Wetter passt perfekt zum Menu, es ist heute n├Ąmlich richtig herbstlich. Also auf geht’s!

Wir beginnen mit “Cortado von Petersilienwurzel mit Rehpraline”. Cortado trifft’s, denn das feine S├╝ppchen wird im kleinen Glas gereicht. Macht sich optisch gut, was aber viel wichtiger ist: Geschmacklich auch. Sehr, sehr lecker, da sind wir uns beide einig. Vor allem die Rehpraline haut mich um. Wow. Davon h├Ątte ich mir noch zwei, drei mehr reinpfeifen k├Ânnen. Ganz toll. Au├čen kross und innen weich und einfach ganz wunderbar im Geschmack. Falls Sie ├╝berlegen, ob Sie die Weinbegleitung dazu nehmen: Klar! Macht sich immer gut, so auch hier. Martin hat ein bisschen Angst vor dem n├Ąchsten Gang, weil er einfach nicht auf Kaninchen steht. Ich muss auch kurz verdr├Ąngen, dass mein Moppel seit drei Jahren nicht mehr durch die Wohnung meiner Tante h├╝pft, aber dann geht’s: “Kaninchen-Terrine in Cassis-Gelee an Brioche”. Ich finde, das schmeckt richtig nach Herbst und Wald. Was man auch aus einer einfachen Brioche machen kann - Hut ab! So fluffig und so wunderbar kr├Ąutrig gew├╝rzt. Das Cassis-Gelee h├Ątte ich nicht unbedingt gebraucht, aber alles in allem ein sehr leckerer Gang. Der Service hier ist toll. Sehr angenehm. Nah am Gast, aber nicht zu nah. Und gut sieht er aus ;-)

Ich habe dieses Mal Schwierigkeiten, mich zu entscheiden, was den Hauptgang angeht, also machen Martin und ich halbe-halbe. Wir teilen uns br├╝derlich den “Hirschr├╝cken im Kr├Ąutermantel mit Schwarzwurzelgem├╝se, Steinpilzjus und Kartoffelgratin” und die “Rebhuhnbrust gef├╝llt mit Foie gras und Pistazien an lauwarmem Spitzkohl-Kumquat-Salat und Erdapfel-Pinienkernstrudel”.

Beide G├Ąnge sind eine Wucht! Der Hirschr├╝cken ist perfekt gegart und liegt in einem traumhaften und sch├Ân dezenten Kr├Ąutermantel. Selten so ein gutes St├╝ck Hirsch gegessen. Die Rebhuhnbrust ist sch├Ân saftig und sehr, sehr aromatisch. Wir beide sind einfach nur restlos begeistert und k├Ânnen uns nicht entscheiden, was besser schmeckt. Was mich vor allem richtig umgehauen war, war der Spitzkohl-Kumquat-Salat. Geil. Das war eine richtige Geschmacksexplosion. Die Weine dazu auch toll. Allein f├╝r diese beiden G├Ąnge hat sich der Weg schon gelohnt.

F├╝r S├╝├čes bin ich immer zu haben und so freue ich mich jetzt auf die “Trilogie von Petits Fours”. Wie saftig diese kleinen St├╝ckchen sind. Tolle Glasur. Und das eine mit Schokolade - himmlisch. Fazit: Das Motto “Hirsch, Kaninchen, Wildsau & Co.” 1A umgesetzt. Ganz tolles Restaurant, dessen Innenleben mich wieder mal total beeindruckt hat. Toller Service und um den Hirschr├╝cken nochmals zu essen, w├╝rde ich das Menu glatt noch ein zweites Mal bestellen. Und schickt mir blo├č das Rezept f├╝r den Kumquat-Salat!

23. September 2014,

7. Test: Sansibar by Breuninger, Stadtmitte

Kategorie: Languste, Seeteufel, Steinbei├čer & Co.

Rote Beete-Carpaccio mit gebackener Garnele und Tr├╝ffelvinaigrette

Champagners├╝ppchen mit pochierter Sylter Royal-Auster und Enoki Pilzen

Angeldorsch mit Seppiolini auf Chablisgem├╝se mit Senfsauce

Joghurteis mit getrockneten Oliven und Morsumer Honig

39 Euro

Der Test:

Ich geb’s zu: Ich war noch nie in der Sansibar im K├Â-Bogen. Irgendwie dachte ich, dass mir das zu schn├Âselig sein k├Ânnte. Ich dachte, da sitzen nur G├Ąste, die t├Ąglich in Champagner baden. Wie gut, dass Vorurteile immer wieder ├╝ber den Haufen geschmissen werden k├Ânnen. Stimmt n├Ąmlich ganz und gar nicht. Es ist vom Publikum her super gemischt, die Atmosph├Ąre locker und das gilt auch beim Service. Der ist super easy, wahnsinnig angenehm. Und der Blick, den man von dort oben hat, der ist auch nicht verkehrt. Die Kollegin Beatrice Hoffmann und ich f├╝hlen uns also auf jeden Fall sehr wohl. Jetzt muss es nur noch schmecken. Das Menu beginnt mit einem “Rote Beete-Carpaccio mit gebackener Garnele und Tr├╝ffelvinaigrette”. Sieht sexy aus, wie die knusprige Garnele da so auf dem roten Bett liegt. Bea nimmt schon mal den ersten Bissen und guckt mich dann mit ganz gro├čen Augen an: “Boah, ist das lecker! Ich habe zuhause auch mal versucht, ein Rote Beete-Carpaccio zu machen. Da liegen aber Welten dazwischen!” Gut, jetzt wei├č ich nicht, wie gut oder schlecht Bea kochen kann, aber das hier ist wirklich sehr lecker. Dieses Erdige von der Roten Beete passt gro├čartig zum Tr├╝ffeligen. Schmeckt wie eine richtig gute Ehe. Die Garnele ist au├čen sch├Ân knusprig und innen noch sch├Ân saftig. Im Prinzip wie ein Liebhaber, der sich pl├Âtzlich dazu gesellt hat und der mit beiden was anf├Ąngt… Toll auch der Riesling von Robert Weil dazu. Der hat n├Ąmlich nicht so viel S├Ąure, was dem Gericht nicht gut tun w├╝rde. Toller Auftakt!

Ich muss nochmals erw├Ąhnen, wie begeistert wir vom Service sind. Die sind so auf Zack, haben echt Plan, sind soooo nett und machen es einem wirklich einfach, sich super wohl zu f├╝hlen. Wohl f├╝hlt sich auch die Auster, die jetzt in der Suppe liegt:

“Champagners├╝ppchen mit pochierter Sylter Royal-Auster und Enoki Pilzen”. Auch dazu schmeckt der Riesling, weil er dem Champagner in der Suppe nichts wegnimmt. Und dieses S├╝ppchen ist wirklich zum Dahinschmelzen. Wir m├Âchten am liebsten drin baden. Geschmacklich ganz gro├čes Kino. Irgendwie schaffen die hier den Spagat zwischen exquisit und doch locker. Super. Gef├Ąllt mir sehr gut! Auch dass das Menu relativ leicht ist. Das tut auch mal gut. Zum Hauptgang wird erst einmal ein Grauburgunder vom Schl├Âss Sch├Ânborn gereicht. Der ist ganz toll! Wir m├╝ssen aufpassen, dass er nicht schon leer ist, bevor das Essen dazu ├╝berhaupt auf dem Tisch steht: “Angeldorsch mit Seppiolini auf Chablisgem├╝se mit Senfsauce”. Wow, wow und nochmals wow. Der Dorsch schmeckt so frisch und saftig, als h├Ątte man ihn gerade unten aus dem Hofgarten-Teich geangelt. Ein Traum von Fisch. Die kleinen Tintenfische dazu schmecken auch einfach nur gro├čartig. Die Sauce mit diesem Senftouch… Mamma Mia! Das Gem├╝se ist knackig, die kleinen Bratkartoffeln knusprig. Ganz gro├čes Kino!

Und dann kommt ja auch noch das “Joghurteis mit getrockneten Oliven und Morsumer Honig”. Ich liebe Eis und ich liebe Joghurteis noch viel mehr. Insofern bin ich schon restlos begeistert. H├Ątte aber nicht gedacht, wie wunderbar die Oliven dazu passen. Bea ist kurz erschrocken, weil sie meint: “Huch, das knallt ja im Mund!” Ja, ein bisschen Knallbrause ist auch dabei. Ist lustig im Mund. Dazu gibt’s ein Glas Champagner. Perfekter geht’s nicht.

Also: Ich ├Ąrgere mich ein wenig, dass ich nicht schon fr├╝her in der Sansibar by Breuninger war. Es ist toll hier. Sowohl atmosph├Ąrisch als auch kulinarisch. Bin restlos begeistert. Und als Bea hinterher sagt: “Da m├╝ssen wir aber nochmal hin, wenn die Tour durch ist!”, nicke ich wie ein Spatz, der gerade tausend Kr├╝mel vom Boden aufpickt.

22. September 2014,

6. Test: Saltimbocca, Gerresheim

Kategorie: Curry, Safran, Thymian & Co.

Mediterrane Antipasto misto nach Florenzer Art

Panciotti, gef├╝llt mit einer Mousse von Auberginen und ger├Ąuchertem Scamorza-K├Ąse

in Provinzial-Sauce

Edelfisch und Flusskrebse mit frischen Safranfedern aus dem Iran, dazu Wildreis

Kiwi-Crush-Sorbet

Angus-Rinderfilet mit altem balsamischen Essig aus Modena in Kr├Ąuterkruste, gekr├Ânt mit gef├╝llten Champignonk├Âpfen, dazu Gem├╝se und Kartoffeln

Mousse von Erdbeeren und Schokolade mit Cr├Ęme br├╗l├ęe-Eis und Kaviar von Erdbeeren

43,50 Euro

Der Test:

“Da kriegste noch was f├╝r Dein Geld!”, w├╝rde meine Mutter sagen. :-)

Ich w├╝rde sagen: Ich finde es ├╝beraus bemerkenswert, wie man ├╝ber Jahre, ach Jahrzehnte hinweg, so eine ├╝berragende Qualit├Ąt halten kann. Jedes Mal denke ich, dass doch irgendwas mal nicht schmecken muss, aber nix da. Das Saltimbocca ist und bleibt jedes Jahr einer der Favoriten auf den Tour-Sieg. Ich pers├Ânlich f├╝hle mich dort wie zuhause. Keine Ahnung, ist einfach so. Aber der Reihe nach. Es gibt zun├Ąchst “Mediterrane Antipasto misto nach Florenzer Art”. Das kann bei dem einen oder anderen Italiener einfach nur furchtbar langweilig sein, so ein “Vorspeisenteller”. Aber nicht hier. Feinster Lachs, Vitello Tonnato, Entenbrust…. Und das alles schmeckt so fein und so, so, so lecker, dass ich am liebsten einen riesen Teller davon essen w├╝rde. Es schmeckt nach Liebe, nach Urlaub in Italien, nach Auszeit. Und es sind “einfach nur” gemischte Vorspeisen.

Wir haben aber noch einiges vor der Brust. Gang Nummer 2: “Panciotti, gef├╝llt mit einer Mousse von Auberginen und ger├Ąuchertem Scamorza-K├Ąse in Provinzial-Sauce”. Ich habe schon ganz oft gesagt, wie wahnsinnig verliebt ich in die Saucen hier bin. Alle Freunde, mit denen ich ├╝ber’s Saltimbocca rede, sagen: “Beste Saucen!”, “Geilste Saucen der Stadt!”, “Was die f├╝r Saucen machen!” Ja. Auch diese hier! Einfach zu gut. Die Panciotti mit der Auberginen-K├Ąse Mischung sind ein Traum und auch wenn es mir leid tut, dass sie in dieser gro├čartigen Sauce liegen bleiben m├Âchten - es ist mir dann doch egal. Ich lasse keinen einzigen Tropfen mehr ├╝brig. Der Service hier ist fantastico. Es ist bis jetzt einfach einer dieser Abende, an denen man denkt: “Alles perfekt!”

Wir freuen uns also auf “Edelfisch und Flusskrebse mit frischen Safranfedern aus dem Iran, dazu Wildreis”. Der Edelfisch kommt heute in Form eines Petersfisches daher. Butterzart, dass er fast zerf├Ąllt. Die Haut knusprig ohne Ende und - ja… Schon wieder diese Sauce. Aus Safran. Sieht nicht nur sexy aus, sondern schmeckt auch so. Ich muss mich leider wieder am Brot bedienen und den letzten Tropfen Sauce vom Teller tupfen. Mann, Mann, Mann…

Wir m├╝ssen unsere Emotionen etwas runter k├╝hlen. Geht super mit dem “Kiwi-Crush-Sorbet”, das als n├Ąchstes kommt. Leckerer Drink mit Aromen von Zitrone, Maraschino, Kiwi. Eigentlich bin ich jetzt schon wahnsinnig gl├╝cklich, aber gut, es kommt ja noch mehr: “Angus-Rinderfilet mit altem balsamischen Essig aus Modena in Kr├Ąuterkruste, gekr├Ânt mit gef├╝llten Champignonk├Âpfen, dazu Gem├╝se und Kartoffeln”. Tja, schon wieder: Ein himmlisches St├╝ck Rind mit einer himmlischen Balsamicosauce. Augen zu, schmecken und genie├čen. Auch wenn langsam nichts mehr rein passt - wir freuen uns auf das Dessert: “Mousse von Erdbeeren und Schokolade mit Cr├Ęme br├╗l├ęe-Eis und Kaviar von Erdbeeren”. Eine ganz sch├Âne Bombe, die uns dann geschmacklich vollends in den siebten Himmel verabschiedet. Also: Schon wieder so ein gro├čartiges Menu, bei dem keine W├╝nsche offen bleiben. Alles einfach nur zum Reinlegen. Das Saltimbocca ist und bleibt ein ziemlicher Knaller!

19. September 2014,

5. Test: AndrejÔÇśs Oyster Bar & Restaurant, Oberkassel

Kategorie: Languste, Seeteufel, Steinbei├čer & Co.

Bisque de Homard

Unsere hausgemachte Hummersuppe als Amuse-S├╝ppchen

Klassiker-Variation:

Jakobsmuschel, Kalbsb├Ąckchen, Hummerlinsen & Baby-Calamari nach Laune der K├╝chenchefin & Seeteufelmedaillon ├á la Grenobloise

AndrejÔÇśs 1/2 Hummer ÔÇ×Thermidor”

Cr├Ęme br├╗l├ęe Classique

39 Euro

Der Test:

Wow. AndrejÔÇśs Oyster Bar & Restaurant - das ist der sch├Ânste Laden, den ich seit langem gesehen habe. Teilweise noch (absichtlich) unverputzte W├Ąnde, die ordentlich Charme verspr├╝hen. Ansonsten hat’s was von den 20er Jahren. Meine Begleitung sagt: “Ich f├╝hl mich wie in Paris!” Dann w├Ąren wir allerdings im japanischen Viertel in Paris, denn AndrejÔÇśs Oyster Bar ist rappelvoll. Vor allem sind es unsere Japaner, die anscheinend auf die K├╝che hier abfahren. Ein gutes Zeichen. Die haben n├Ąmlich in Sachen Essen Geschmack! Wir starten mit dem ersten Gang: “Bisque de Homard: Unsere hausgemachte Hummersuppe als Amuse-S├╝ppchen”. Ich bin seltsamerweise gar nicht so ein gro├čer Hummersuppen-Fan. Ich mag das Tier lieber am St├╝ck. Kann aber auch daran liegen, dass ich eh nicht so hei├č auf Suppen bin. Bis jetzt… Denn diese Hummersuppe ist gro├čartig. Meine Begleitung liebt Hummersuppe und meint: “Das ist die Beste, die ich je gegessen habe!” Ich kann nur nicken. Ob es an der Presse liegt? Es gibt hier n├Ąmlich die einzige Hummerpresse zwischen Seine und Spree. Oder die K├Âche sind einfach geil. Schmeckt auf jeden Fall fantastisch.

Der Service ist angenehm locker und super aufmerksam und dass obwohl der Laden brummt wie Hulle. Die Suppe hat Lust auf mehr gemacht und das kommt jetzt in Form der “Klassiker-Variation: Jakobsmuschel, Kalbsb├Ąckchen, Hummerlinsen & Baby-Calamari nach Laune der K├╝chenchefin & Seeteufelmedaillon ├á la Grenobloise”. Oh, toll. Das alles kommt in drei gusseisernen T├Âpfchen daher (wie ├╝brigens alles hier). H├Ąlt lange hei├č und sieht sexy aus. Abgesehen davon schmeckt auch alles ziemlich sexy. Ich bin restlos begeistert.

Links im T├Âpfchen liegt das Seeteufelmedaillon ├á la Grenobloise. Der super saftige Fisch also auf einem Bett aus Kapern, Pertersilie und Tomaten. In der Mitte haben es sich die Baby-Calamari breit gemacht. Dazu dieser tolle Sud und Salicorn. Optisch schon toll. Ganz rechts teilen sich Jakobsmuschel, Kalbsb├Ąckchen und Hummerlinsen das T├Âpfchen. W├Ąhrend ich noch ├╝berlege, was mir am Besten schmeckt, sagt meine Begleitung: “Erstes T├Âpfchen leer!” Ok… Hmm, ich glaube, mich haut das Kalbsb├Ąckchen mit der Jakobsmuschel am meisten vom Hocker. Oder doch der Seeteufel? “Zweites T├Âpfchen leer!”, h├Âre ich. Kein Wunder. Alles schmeckt einfach ganz gro├čartig. Super frisch, erstklassige Produkte und das alles mit viel Liebe zubereitet. Ich bin begeistert!

Die eigentliche K├Ânigsdisziplin kommt aber noch. Der K├Ânig der Meere gibt sich im Hauptgang n├Ąmlich die Ehre: “AndrejÔÇśs 1/2 Hummer ‘Thermidor’”. Einer der Klassiker der franz├Âsischen K├╝che. Dieser “├╝berbackene” Hummer, der jetzt vor uns liegt und einfach nur himmlisch aussieht. Er kommt mit zitronigem Kartoffelp├╝ree und Kohlrabi daher. Und was soll ich sagen: Bombastisch! Ich war erst skeptisch, was die Kohlrabi als Wegbegleiter angeht, aber der Hummer braucht sie! Das passte super. Meine G├╝te, wir f├╝hlen uns wirklich wie in Paris. Was sicherlich auch ein St├╝ck weit an den tollen franz├Âsischen Weinen liegt, die uns hier sehr viel Freude bereiten. Im Prinzip sind wir jetzt wunschlos gl├╝cklich, aber es fehlt ja noch das Dessert: “Cr├Ęme br├╗l├ęe Classique”. So sieht’s aus: eine ganz klassische Cr├Ęme br├╗l├ęe. Ich klopfe wie Am├ęlie in ihrer zauberhaften Welt auf diese Kruste. Sie knackt so sch├Ân. Und sie schmeckt auch einfach super. Fazit also: Ganz toller Laden mit sehr viel Charme, tollem Service und einer franz├Âsischen K├╝che, wie ich sie liebe. Wenn Sie also mal so richtig in Meereslaune sind: Das ist der Spot to be!

19. September 2014,

4. Test: relish., Friedrichstadt

Kategorie: K├╝rbis, Landschwein, Pfifferlinge & Co.

Variation von der Gurke

Gurkens├╝ppchen | Gurke s├╝├č, sauer und salzig | L├Âwenzahn | wilder Dill

Apfel, Fenchel und Joghurt

Marinierte Äpfel | Fenchelsorbet | knuspriger Fenchel | Joghurttextur

Buntes Bentheimer Landschwein

Gebratenes Carre├ę | Praline vom B├Ąckchen | Quitten-Blutwurst-Salat I Wurzelgem├╝se | Duett von der Petersilienwurzel als Creme und getrocknete, sautierte Steckr├╝be | Knoblauch-Zimt-Jus

K├╝rbis, Heu und Walnuss

K├╝rbisriegel | gefrorenes Heu | Walnusskrokant und Walnusscreme

45 Euro

Der Test:

Leute, aufgepasst! Ich brech zusammen! Ich war im relish. Ganz neues Restaurant kurz vor dem Kirchplatz. Und ich dachte: “Den jungen Koch, den kennst du doch!” Ja. Sebastian Roll. Der hat mal in der Pardo Bar gearbeitet und mich da schon verzaubert. Jetzt hat er also seinen eigenen Laden. Schon damals habe ich gesagt: “Der ist nicht mehr weit entfernt von einem Stern!” Und das kann ich jetzt nur noch einmal wiederholen. Unfassbar, was er uns da auf die Teller gezaubert hat. Wundersch├Âne Gem├Ąlde. Es geht los mit “Variation von der Gurke. Gurkens├╝ppchen | Gurke s├╝├č, sauer und salzig | L├Âwenzahn | wilder Dill”.

Gurkens├╝ppchen…. Ha ha ha. Das klingt so einfach. Aber was sie da in der Schale haben, das ist ein Kunstwerk und l├Ąsst ihre Geschmacksknospen explodieren. Gurke in Formen, von denen Sie noch nicht mal getr├Ąumt haben. Sauer, salzig, s├╝├č - wie sich das alles im Mund verbindet. Seufz.

Ich habe fast Angst, dass es so weitergeht und ich an einer Geschmacks-Reiz├╝berflutung sterbe. Ach, und wenn schon, dann war es das wert. Wir starten also mit dem zweiten Gang: “Apfel, Fenchel und Joghurt. Marinierte ├äpfel | Fenchelsorbet | knuspriger Fenchel | Joghurttextur”. Ich muss ungl├Ąubig mit dem Kopf sch├╝tteln und ich glaube, mir rollt eine Freudentr├Ąne ├╝ber die Wange ;-)

Dieses Kunstwerk geh├Ârt zum Besten, was ich jemals gegessen habe! Sie m├╝ssen mit dem L├Âffel ganz tief rein ins Glas und versuchen, von allem etwas auf den L├Âffel zu bekommen. Es ist einfach nur der blanke Wahnsinn. Dieses Sorbet, der Knusperfenchel dazu und karamellisierter Lavendel. Ohne Worte.

Bevor ich es vergesse: Sie sollten auf jeden Fall die Weinbegleitung nehmen. Tolle Tropfen. Ich habe mich auch ein bisschen in den Bordeaux zum Hauptgang verliebt. Das ist:

“Buntes Bentheimer Landschwein. Gebratenes Carre├ę | Praline vom B├Ąckchen | Quitten-Blutwurst-Salat I Wurzelgem├╝se | Duett von der Petersilienwurzel als Creme und getrocknete, sautierte Steckr├╝be | Knoblauch-Zimt-Jus”.

Also: Ich esse keine Blutwurst! Ich hasse Blutwurst. Ich krieg Blutwurst nicht durch den Hals. - Ich habe diesen Blutwurst-Salat gegessen. Ich glaube zwar, dass ich das nie wieder wiederholen werde, aber dieser hier hat mir geschmeckt. Das grenzt quasi an ein kleines Wunder. Eine Petersilienwurzel hatte ich bis dato auch noch nie gegessen. Lecker! Und das Fleisch in dieser Sauce - traumhaft. Am besten finde ich aber die Praline vom B├Ąckchen. Wow!

Fehlt nur noch das Dessert, um diesen bis hierhin perfekten Abend abzurunden. Es nennt sich “K├╝rbis, Heu und Walnuss. K├╝rbisriegel | gefrorenes Heu | Walnusskrokant und Walnusscreme”. Nur so viel: Das weckt Kindheitserinnerungen und ist genauso lecker wie alles andere.

Ich bin immer noch sprachlos. Sie M├ťSSEN ins relish. Ein sensationelles K├╝chenteam, ein herausragender Service und das alles nicht stock und steif. Die absolute Restaurant-Entdeckung dieses Jahres!

16. September 2014,