Mamma Mia Marschal

Mamma Mia Marschal

Antenne Düsseldorf à la Carte

Unsere Morgenfrau Tanja Marschal macht den Restaurant-Check und testet Restaurants auf Herz und Nieren. Wie es geschmeckt hat, erfahren Sie regelmäßig bei Antenne Düsseldorf. Das Fazit gibt es natürlich hier zum Lesen und Hören im Blog zu Mamma Mia Marschal.

5. Test: AndrejÔÇśs Oyster Bar & Restaurant, Oberkassel

Kategorie: Languste, Seeteufel, Steinbei├čer & Co.

Bisque de Homard

Unsere hausgemachte Hummersuppe als Amuse-S├╝ppchen

Klassiker-Variation:

Jakobsmuschel, Kalbsb├Ąckchen, Hummerlinsen & Baby-Calamari nach Laune der K├╝chenchefin & Seeteufelmedaillon ├á la Grenobloise

AndrejÔÇśs 1/2 Hummer ÔÇ×Thermidor”

Cr├Ęme br├╗l├ęe Classique

39 Euro

Der Test:

Wow. AndrejÔÇśs Oyster Bar & Restaurant - das ist der sch├Ânste Laden, den ich seit langem gesehen habe. Teilweise noch (absichtlich) unverputzte W├Ąnde, die ordentlich Charme verspr├╝hen. Ansonsten hat’s was von den 20er Jahren. Meine Begleitung sagt: “Ich f├╝hl mich wie in Paris!” Dann w├Ąren wir allerdings im japanischen Viertel in Paris, denn AndrejÔÇśs Oyster Bar ist rappelvoll. Vor allem sind es unsere Japaner, die anscheinend auf die K├╝che hier abfahren. Ein gutes Zeichen. Die haben n├Ąmlich in Sachen Essen Geschmack! Wir starten mit dem ersten Gang: “Bisque de Homard: Unsere hausgemachte Hummersuppe als Amuse-S├╝ppchen”. Ich bin seltsamerweise gar nicht so ein gro├čer Hummersuppen-Fan. Ich mag das Tier lieber am St├╝ck. Kann aber auch daran liegen, dass ich eh nicht so hei├č auf Suppen bin. Bis jetzt… Denn diese Hummersuppe ist gro├čartig. Meine Begleitung liebt Hummersuppe und meint: “Das ist die Beste, die ich je gegessen habe!” Ich kann nur nicken. Ob es an der Presse liegt? Es gibt hier n├Ąmlich die einzige Hummerpresse zwischen Seine und Spree. Oder die K├Âche sind einfach geil. Schmeckt auf jeden Fall fantastisch.

Der Service ist angenehm locker und super aufmerksam und dass obwohl der Laden brummt wie Hulle. Die Suppe hat Lust auf mehr gemacht und das kommt jetzt in Form der “Klassiker-Variation: Jakobsmuschel, Kalbsb├Ąckchen, Hummerlinsen & Baby-Calamari nach Laune der K├╝chenchefin & Seeteufelmedaillon ├á la Grenobloise”. Oh, toll. Das alles kommt in drei gusseisernen T├Âpfchen daher (wie ├╝brigens alles hier). H├Ąlt lange hei├č und sieht sexy aus. Abgesehen davon schmeckt auch alles ziemlich sexy. Ich bin restlos begeistert.

Links im T├Âpfchen liegt das Seeteufelmedaillon ├á la Grenobloise. Der super saftige Fisch also auf einem Bett aus Kapern, Pertersilie und Tomaten. In der Mitte haben es sich die Baby-Calamari breit gemacht. Dazu dieser tolle Sud und Salicorn. Optisch schon toll. Ganz rechts teilen sich Jakobsmuschel, Kalbsb├Ąckchen und Hummerlinsen das T├Âpfchen. W├Ąhrend ich noch ├╝berlege, was mir am Besten schmeckt, sagt meine Begleitung: “Erstes T├Âpfchen leer!” Ok… Hmm, ich glaube, mich haut das Kalbsb├Ąckchen mit der Jakobsmuschel am meisten vom Hocker. Oder doch der Seeteufel? “Zweites T├Âpfchen leer!”, h├Âre ich. Kein Wunder. Alles schmeckt einfach ganz gro├čartig. Super frisch, erstklassige Produkte und das alles mit viel Liebe zubereitet. Ich bin begeistert!

Die eigentliche K├Ânigsdisziplin kommt aber noch. Der K├Ânig der Meere gibt sich im Hauptgang n├Ąmlich die Ehre: “AndrejÔÇśs 1/2 Hummer ‘Thermidor’”. Einer der Klassiker der franz├Âsischen K├╝che. Dieser “├╝berbackene” Hummer, der jetzt vor uns liegt und einfach nur himmlisch aussieht. Er kommt mit zitronigem Kartoffelp├╝ree und Kohlrabi daher. Und was soll ich sagen: Bombastisch! Ich war erst skeptisch, was die Kohlrabi als Wegbegleiter angeht, aber der Hummer braucht sie! Das passte super. Meine G├╝te, wir f├╝hlen uns wirklich wie in Paris. Was sicherlich auch ein St├╝ck weit an den tollen franz├Âsischen Weinen liegt, die uns hier sehr viel Freude bereiten. Im Prinzip sind wir jetzt wunschlos gl├╝cklich, aber es fehlt ja noch das Dessert: “Cr├Ęme br├╗l├ęe Classique”. So sieht’s aus: eine ganz klassische Cr├Ęme br├╗l├ęe. Ich klopfe wie Am├ęlie in ihrer zauberhaften Welt auf diese Kruste. Sie knackt so sch├Ân. Und sie schmeckt auch einfach super. Fazit also: Ganz toller Laden mit sehr viel Charme, tollem Service und einer franz├Âsischen K├╝che, wie ich sie liebe. Wenn Sie also mal so richtig in Meereslaune sind: Das ist der Spot to be!

19. September 2014,

4. Test: relish., Friedrichstadt

Kategorie: K├╝rbis, Landschwein, Pfifferlinge & Co.

Variation von der Gurke

Gurkens├╝ppchen | Gurke s├╝├č, sauer und salzig | L├Âwenzahn | wilder Dill

Apfel, Fenchel und Joghurt

Marinierte Äpfel | Fenchelsorbet | knuspriger Fenchel | Joghurttextur

Buntes Bentheimer Landschwein

Gebratenes Carre├ę | Praline vom B├Ąckchen | Quitten-Blutwurst-Salat I Wurzelgem├╝se | Duett von der Petersilienwurzel als Creme und getrocknete, sautierte Steckr├╝be | Knoblauch-Zimt-Jus

K├╝rbis, Heu und Walnuss

K├╝rbisriegel | gefrorenes Heu | Walnusskrokant und Walnusscreme

45 Euro

Der Test:

Leute, aufgepasst! Ich brech zusammen! Ich war im relish. Ganz neues Restaurant kurz vor dem Kirchplatz. Und ich dachte: “Den jungen Koch, den kennst du doch!” Ja. Sebastian Roll. Der hat mal in der Pardo Bar gearbeitet und mich da schon verzaubert. Jetzt hat er also seinen eigenen Laden. Schon damals habe ich gesagt: “Der ist nicht mehr weit entfernt von einem Stern!” Und das kann ich jetzt nur noch einmal wiederholen. Unfassbar, was er uns da auf die Teller gezaubert hat. Wundersch├Âne Gem├Ąlde. Es geht los mit “Variation von der Gurke. Gurkens├╝ppchen | Gurke s├╝├č, sauer und salzig | L├Âwenzahn | wilder Dill”.

Gurkens├╝ppchen…. Ha ha ha. Das klingt so einfach. Aber was sie da in der Schale haben, das ist ein Kunstwerk und l├Ąsst ihre Geschmacksknospen explodieren. Gurke in Formen, von denen Sie noch nicht mal getr├Ąumt haben. Sauer, salzig, s├╝├č - wie sich das alles im Mund verbindet. Seufz.

Ich habe fast Angst, dass es so weitergeht und ich an einer Geschmacks-Reiz├╝berflutung sterbe. Ach, und wenn schon, dann war es das wert. Wir starten also mit dem zweiten Gang: “Apfel, Fenchel und Joghurt. Marinierte ├äpfel | Fenchelsorbet | knuspriger Fenchel | Joghurttextur”. Ich muss ungl├Ąubig mit dem Kopf sch├╝tteln und ich glaube, mir rollt eine Freudentr├Ąne ├╝ber die Wange ;-)

Dieses Kunstwerk geh├Ârt zum Besten, was ich jemals gegessen habe! Sie m├╝ssen mit dem L├Âffel ganz tief rein ins Glas und versuchen, von allem etwas auf den L├Âffel zu bekommen. Es ist einfach nur der blanke Wahnsinn. Dieses Sorbet, der Knusperfenchel dazu und karamellisierter Lavendel. Ohne Worte.

Bevor ich es vergesse: Sie sollten auf jeden Fall die Weinbegleitung nehmen. Tolle Tropfen. Ich habe mich auch ein bisschen in den Bordeaux zum Hauptgang verliebt. Das ist:

“Buntes Bentheimer Landschwein. Gebratenes Carre├ę | Praline vom B├Ąckchen | Quitten-Blutwurst-Salat I Wurzelgem├╝se | Duett von der Petersilienwurzel als Creme und getrocknete, sautierte Steckr├╝be | Knoblauch-Zimt-Jus”.

Also: Ich esse keine Blutwurst! Ich hasse Blutwurst. Ich krieg Blutwurst nicht durch den Hals. - Ich habe diesen Blutwurst-Salat gegessen. Ich glaube zwar, dass ich das nie wieder wiederholen werde, aber dieser hier hat mir geschmeckt. Das grenzt quasi an ein kleines Wunder. Eine Petersilienwurzel hatte ich bis dato auch noch nie gegessen. Lecker! Und das Fleisch in dieser Sauce - traumhaft. Am besten finde ich aber die Praline vom B├Ąckchen. Wow!

Fehlt nur noch das Dessert, um diesen bis hierhin perfekten Abend abzurunden. Es nennt sich “K├╝rbis, Heu und Walnuss. K├╝rbisriegel | gefrorenes Heu | Walnusskrokant und Walnusscreme”. Nur so viel: Das weckt Kindheitserinnerungen und ist genauso lecker wie alles andere.

Ich bin immer noch sprachlos. Sie M├ťSSEN ins relish. Ein sensationelles K├╝chenteam, ein herausragender Service und das alles nicht stock und steif. Die absolute Restaurant-Entdeckung dieses Jahres!

16. September 2014,

3. Test: U.Land, D├╝sseltal

Kategorie: K├╝rbis, Landschwein, Pfifferlinge & Co.

Panna cotta vom Heilbutt an Fris├ęesalat mit Pfifferlingen und Keta-Kaviar

K├╝rbissuppe mit Maultaschen von Blutwurst und Pancetta

Geschmorte Kalbshaxe auf Polenta mit Bolten-Malz-Sauce

Strudel von Wiesenobst auf Mandel-Krokant-Parfait

32 Euro

Der Test:
Also, da muss ich zun├Ąchst mal sagen: “Toll, dass es sowas gibt!” Ein Restaurant, dass sich der echten deutschen K├╝che verschrieben hat. Und bei dem es zur Tour ein Men├╝ gibt, das nicht von Wein, sondern von Bier begleitet wird. Das ist doch mal was. Wir sind im
U.Land (wie der Name schon vermuten l├Ąsst) auf der Uhlandstra├če. Und wenn Sie jetzt “Bierbegleitung zum Essen” h├Âren, dann denken Sie vielleicht an ein Pils von irgendeiner bekannten Brauerei oder im besten Fall an eines der leckeren Altbiere, die hier in der Stadt gebraut werden. Denkste! Das war mal spannend, denn es gibt hier heute Abend handgebraute Biere von kleinen bis kleinsten Manufakturen. Wir sitzen sch├Ân drau├čen, weil das Wetter mitspielt. Sch├Ân ruhig ist es hier. Und wir starten mit der Vorspeise:
“Panna cotta vom Heilbutt an Fris├ęesalat mit Pfifferlingen und Keta-Kaviar”. Dazu gibt es dieses Bier: “Onkel Herbert Rhabarber Wei├če”. Meine Kollegin Jeannette ist zun├Ąchst etwas irritiert und meint: “Eine Panna Cotta mit Fisch?” Nein, eine Panna Cotta aus Fisch. Sieht also aus wie ein Dessert, ist es aber nat├╝rlich nicht. Sch├Âne Idee und echt lecker. Sehr erfrischend, nicht zu dominant fischig im Geschmack. Und wie sch├Ân der Kaviar im Mund aufploppt. Dazu der Onkel Herbert mit der Rhabarber-Note: Eine Wucht. Passt perfekt. Wir sind uns jetzt schon einig, dass das unser Lieblingsbier ist heute Abend, obwohl wir die anderen noch gar nicht probiert haben. Richtig geil. Ich w├╝rde den Onkel Herbert gerne mal kennenlernen.
Es ist wirklich nett hier. Ich war noch nie im U.Land. Die machen auch zum ersten Mal bei der Tour mit. Der Service ist zuckers├╝├č, muss ich auf jeden Fall betonen. Jetzt k├Ąme eigentlich die “K├╝rbissuppe mit Maultaschen von Blutwurst und Pancetta”. Eigentlich, weil ich wirklich so gut wie alles essen kann, nur keine Blutwurst. Also wird es “nur” eine K├╝rbissuppe f├╝r mich, womit ich wirklich gut leben kann. Weil die an sich schon lecker und mit krossem Speck garniert ist. Das Ehepaar am Nebentisch versichert uns unterdessen, dass die Blutwurst-Maultasche ganz gro├čes Kino w├Ąre. Na, dann… Dazu gibt es ein Bolten Alt aus Korschenbroich. Wir trinken also ein St├╝ck Geschichte. Die Bolten-Brauerei ist n├Ąmlich die ├Ąlteste Altbier-Brauerei der Welt. Schmeckt immer noch ;-)
Wir f├╝hlen uns hier ├╝brigens bestens aufgehoben. Und ganz ehrlich: Ich liebe Wein ├╝ber alles, aber das tut mal richtig gut mit dem Bier zum Essen. Weil es eben auch sowas besonderes ist. Ich bin ganz ehrlich - abgesehen von Bolten habe ich von den ganzen anderen Brauereien noch nichts geh├Ârt. Umso spannender finde ich es.
Als Hauptgang wird bei der Tour “Geschmorte Kalbshaxe auf Polenta mit Bolten-Malz-Sauce” aufgetischt. Kannste auch nicht meckern. Auch lecker. Dazu ein Ale Primeur aus dem Hause Von Freude. Was es nicht alles gibt. Waren das die Banker, die ihren Job an den Nagel geh├Ąngt haben, um ihr (Bier-) Hobby endlich zum Beruf zu machen? Hab’s nicht mehr so richtig auf dem Schirm. Nee, ich glaube, das war das P├Ąrchen aus Hamburg?!? Der Service hat uns so viele sch├Âne Geschichten zu den Bieren erz├Ąhlt und ich bin heute etwas konfus.
Zum Dessert gibt es “Strudel von Wiesenobst auf Mandel-Krokant-Parfait” und klar, auch wieder ein handgebrautes Bier. Und das war mal echt au├čergew├Âhnlich. Aber Moment: Den Strudel fand ich ├╝brigens erstklassig! Begleitet wird der letzte Gang von einem “Roundhouse Kick von Crew Republic”. Ich sage Ihnen mal kurz, was auf der Flasche steht: “Ein ruhiger Abend am Kamin, das Holz knistert, die Flammen tanzenÔÇŽ und dann, ein Tritt mitten ins Gesicht! Roundhouse Kick Imperial Stout!” Das sagt alles und so ist es auch. Ein Bier, dass ordentlich Wumms hat und mit Ansage daher kommt. Quasi schon der Digestif mitgeliefert zum Dessert. Klingt ungew├Âhnlich zu was S├╝├čem, ist es auch, passt aber wie die Faust auf’s Auge. Tolles Dessert. Ganz runde Sache.
Also: Das war ein richtig sch├Âner und spannender Abend. Wir haben lecker gegessen und jede Menge dazu gelernt. Ich komme auf jeden Fall wieder, schlie├člich m├Âchte ich ganz dringend noch einen Tritt mitten ins Gesicht.

15. September 2014,

2. Test: Gatto Verde, Unterrath

Kategorie: Hirsch, Kaninchen, Wildsau & Co.

Carpaccio vom Rind mit Himbeeressig mariniert, Wildkr├Ąutersalat, frisch gehobeltem Parmesan und ger├Âsteten Waln├╝ssen

Ravioli mit Wildschweinf├╝llung in Tr├╝ffeljus und frischem Herbsttr├╝ffel

Kross gebratenes Seewolf-Filet auf schwarzem Wildreis und Edelpilze mit Lauchzwiebel-Sherry-Tomatengem├╝se
oder
Rosa gebratene Hirschr├╝ckenscheiben auf Preiselbeer-Pfeffersauce mit Muskatnuss-Gnocchi und Holunderbeeren-Birnenkompott

Waldbeerenkomposition mit Cassiss├ęe-Schokoladen-Mousse und Pfefferminzschaum

Euro 39,50

Der Test:
Heute geht’s nach Unterrath ins “Gatto Verde”. Ich muss sagen, ich mag die Atmosph├Ąre dort sehr. Wenn man eintritt, fliegt einem so derma├čen viel Herzlichkeit und Gastlichkeit um die Ohren, dass man sich einfach nur wahnsinnig wohl f├╝hlt. Sch├Ân. Vier G├Ąnge warten auf uns, die uns anscheinend in den Wald f├╝hren sollen. Wir starten mit einem “Carpaccio vom Rind mit Himbeeressig mariniert, Wildkr├Ąutersalat, frisch gehobeltem Parmesan und ger├Âsteten Waln├╝ssen”. Gro├čartig! Einfach nur gro├čartig. Wie toll sich das Rind und der Himbeeressig vertragen. Dazu diese nussige Note und die tollen Wildkr├Ąuter. Das Carpaccio schmilzt auf der Zunge. Das ist wirkllich ein ganz wunderbarer Auftakt.
Finden auch die Damen am Nebentisch, die ├╝ber’s ganze Gesicht strahlen und uns zunicken. Ich freue mich schon auf den zweiten Gang, obwohl ich bei Wild immer so meine Sorgen habe. Manchmal schmeckt das so streng und bei├čend. Aber erst einmal probieren!
Es folgt also “Ravioli mit Wildschweinf├╝llung in Tr├╝ffeljus und frischem Herbsttr├╝ffel”. Leute, Leute. Schon wieder so eine Wucht. Nix mit fiesem Wildgeschmack. Ganz wunderbar ist das Aroma. Und dann Tr├╝ffel dazu. Ich bin im siebten Himmel. Meine Begleitung schlie├čt die Augen und st├Â├čt einen Seufzer in Richtung desselbigen aus. Allein davon h├Ątte ich noch sieben G├Ąnge essen k├Ânnen. Aber dann bin ich auch einfach zu neugierig, ob es so gut weitergeht. Der Service hier ist erstklassig. Die W├╝nsche werden dem Gast von den Lippen abgelesen. Alles geht ratz-fatz und vor allem ist es herzlich. Man f├╝hlt sich wie Gott in Frankreich. Oder eben wie der Hirsch in Italien. Der kommt n├Ąmlich jetzt als Hauptgang auf den Tisch. Sie k├Ânnen w├Ąhlen: “Rosa gebratene Hirschr├╝ckenscheiben auf Preiselbeer-Pfeffersauce mit Muskatnuss-Gnocchi und Holunderbeeren-Birnenkompott” oder “Kross gebratenes Seewolf-Filet auf schwarzem Wildreis und Edelpilze mit Lauchzwiebel-Sherry-Tomatengem├╝se”. Ich falle ├╝ber die Hirschr├╝ckenscheiben her - anders kann man es nicht beschreiben. Fantastisch. Vom Seewolf bei meiner Begleitung ist auch innerhalb k├╝rzester Zeit nichts mehr zu sehen. Auch hier kann ich nur sagen: Beide G├Ąnge einfach nur zum Reinlegen. Alles so frisch, so aromatisch. Ich frage meine Begleitung, wie ich das alles blo├č beschreiben soll. Sie sagt: “Schreib einfach lecker!” :-)
Eigentlich passt jetzt schon nichts mehr rein, aber keine Ahnung, warum das so ist: Dessert geht immer! “Waldbeerenkomposition mit Cassiss├ęe-Schokoladen-Mousse und Pfefferminzschaum”. Ich glaub, ich steh im Wald. Das schmeckt tats├Ąchlich so als h├Ątte ich mich gerade ins weiche Moos gelegt, die Augen geschlossen und jetzt purzeln von oben lauter saftige, dicke Beeren in meinen Mund. Und der F├Ârster schiebt mir anschlie├čend einen L├Âffel mit feinster Schoko-Mousse hinterher. Toll.
Was soll ich sagen? Jeden Cent wert und mehr als das. Ein Men├╝, an dem es nichts auszusetzen gibt. Einfach nur wahnsinnig lecker.

15. September 2014,

1. Test: Christen im Haus Litzbr├╝ck, Angermund

Kategorie: Curry, Safran, Thymian & Co.

Hummerpraline trifft Sashimi vom Thunfisch im Safranschaum

Samts├╝ppchen vom Muskatk├╝rbis trifft Mullygatawny im Latte Macchiato-Glas

Limettensorbet trifft Olive im Martini-Cocktail

Kleine Lendenschnitte trifft Salpicon vom Ochsenschwanz auf einem T├╝rmchen von Nadelbohnen und Tr├╝ffelp├╝ree

Espresso trifft Schokolade & Co. zum s├╝├čen Schluss

39,90 Euro

Der Test:

Es geht los! Ich darf mir wieder lustig Kilos anfuttern und wissen Sie was? Ich freu mich drauf. Ist die Figur erst ruiniert, bla bla… Mein erster Test f├╝hrt mich nach Angermund. Ich gebe zu, das ist eine Ecke, in der ich selten bin. Wenn aber, dann f├╝hle ich mich immer gleich wie in einer anderen Welt. Der Kollege Olli Bendt geht heute mit ins “Christen im Haus Litzbr├╝ck”. Und auch hier: Irgendwie eine andere Welt. Man schlie├čt die T├╝r hinter sich und l├Ąsst den Alltag drau├čen. Ich mag das Ambiente wirklich sehr. Kronleuchter, viel Holz, sehr warm in diesem sch├Ânen Raum. Hier treffen sich vergangene Zeiten und Moderne.

Aus vergangenen Zeiten ist der rohe Thunfisch hoffentlich nicht, der uns als Teil der Vorspeise erwartet… Wir starten also mit “Hummerpraline trifft Sashimi vom Thunfisch im Safranschaum”. Farblich schon mal eine Wucht. Dieses tolle Gr├╝n der Algen, die das Bett f├╝r das Meeresgetier bilden. Dieser rosa-rote Thunfisch. Herrlich. Und genauso schmeckt es auch. Der Thunfisch ist frisch und von wirklich guter Qualit├Ąt. Zergeht auf der Zunge. Das Safranaroma dazu ist toll. Und Hummer liebe ich sowieso. Wir beide sagen also: Daumen hoch! Der Riesling dazu ist eine Wucht! Oh ja, das kann ich bereits vorweg nehmen: Machen Sie das unbedingt mit Weinbegleitung!!!

Als n├Ąchstes kommen zwei Suppen: “Samts├╝ppchen vom Muskatk├╝rbis trifft Mullygatawny im Latte Macchiato-Glas”. Ganz wichtig: Die absolut perfekte Menge. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Mit K├╝rbissuppe kann man mich eigentlich jagen. Hatte ich mal zuviel von. Diese hier ist aber ganz toll. Und beim Genie├čen des Mulligatawny-S├╝ppchens m├Âchte ich laut ausrufen: “Cheerio, Miss Sophie!” Die ber├╝hmte Suppe, die beim kultigen Silvesteressen “Dinner for One” serviert wird. Lecker. Der Ros├ę dazu passt wie die Faust auf’s Auge.

Was jetzt passiert, finde ich sensationell. Wir werden n├Ąmlich runter gek├╝hlt mit “Limettensorbet trifft Olive im Martini-Cocktail”. Dieser super erfrischende Limettenkick, die aufgespie├čte Olive dazu und das Ganze aufgef├╝llt mit (f├╝r mich trockenem) Martini. Quasi ein eiskalter Cocktail, der den Mund tanzen l├Ąsst. Super Idee.

Bevor wir zum Hauptgang schreiten (die Pausen zwischen den G├Ąngen sind ├╝brigens perfekt!), haben wir noch einiges zu kl├Ąren. N├Ąmlich wer dieses Jahr Deutscher Meister wird. Olli meint: “Die Fortuna nicht!” ;-) Wir bef├╝rchten, dass es Vizekusen dieses Mal packen k├Ânnte, weil Bayern und Dortmund schw├Ącheln werden. Gut, w├╝rde die Bundesliga mal wieder spannend machen. Und eigentlich ist alles ok, nur nicht Hoffenheim.

Der Hauptgang kommt: “Kleine Lendenschnitte trifft Salpicon vom Ochsenschwanz auf einem T├╝rmchen von Nadelbohnen und Tr├╝ffelp├╝ree”. Lecker! Das feine Rind ist butterzart und es liegt auf diesem Bett aus Ochsenschwanz-Sauce. Nein, es ist mehr als eine Sauce. Stark reduziert mit diesen herrlichen Fleischst├╝ckchen. Salpicon eben. Zusammen mit dem Tr├╝ffelp├╝ree im Mund ergibt das was Wunderbares. Toll. Dazu lassen wir uns einen Chianti Classico schmecken.

Das Sch├Âne ist: Die Portionen sind nicht so ├╝berfrachtet, dass man jetzt schon platzen w├╝rde, aber auch nicht zu klein, dass man hinterher noch ne Pommes essen m├╝sste. Perfekt einfach.

Als Nachtisch gibt’s was S├╝├čes: “Espresso trifft Schokolade & Co. zum s├╝├čen Schluss”. Mit dem Espresso, das ist w├Ârtlich zu nehmen. Den gibt es n├Ąmlich zum guten Abschluss gleich dazu. Vom Rest lassen Sie sich einfach ├╝berraschen. Olli und ich finden, dass das ein ziemlich gelungener Auftakt war. Mit leckerem Essen, ganz tollem Service und viel Herzlichkeit. So darf’s weitergehen.

12. September 2014,

“Golf-Restaurant Grafenberg”

15. Test: “Golf-Restaurant Grafenberg”

Seufz. Es ist meiner letzter Tour de Menu-Test. Und was habe ich f├╝r ein riesen Gl├╝ck, dass ich die Testerei hier beenden darf. Im Golf-Restaurant Grafenberg. Das Wetter ist super und was gibt es da Sch├Âneres als drau├čen auf der gro├čen Terrasse zu sitzen, Gesicht in die Sonne halten, einen Aperitif trinken und den Ausblick genie├čen. Das Restaurant liegt n├Ąmlich im Grafenberger Wald mit Blick auf den Golfplatz und die Rennbahn. Unschlagbarer Ausblick. Einfach mal Augen schlie├čen und durchatmen.

Ich liebe das hier. In der K├╝che gab es ein paar Wechsel. Also bin ich gespannt, was mich nun hier erwartet.

Wir starten also mit der “Ouvert├╝re”: Surf and Turf ÔÇ×Wild style”. Fisch und Fleisch also. Ich m├Âchte Ihnen hier gar nicht zu viel verraten. Nur so viel: Zum Fleisch gibt es eine Schnittlauch-Vinaigrette, die Ihnen die Geschmacksknospen wegbl├Ąst. Der Wahnsinn. Ich w├Ąre am Liebsten in die K├╝che gerannt, um mir die Suppenkelle vom Haken zu nehmen und dann damit in die Vinaigrette eintauchen. Applaus! Meine Freundin und ich k├Ânnen den zweiten Akt kaum erwarten. Der kommt als “Pas de deux” daher: “Mousse vom Lachs und Seeteufel an Wasabi-Risotto mit Texturen von Rote Beete”.

Ja, Mensch. Wo soll das denn hier noch hinf├╝hren? Wir sind begeistert! Lachs und Seeteufel haben so ein feines Aroma. Das Wasabi-Risotto ist der Oberhammer. Ich mag diese ganz spezielle Sch├Ąrfe, die hier super dosiert ist. Nicht zu viel, dass einem die Tr├Ąnen in die Augen schie├čen und die Nase pl├Âtzlich ganz frei wird, aber doch genug, dass es Wumms hat. Super. Die Rote Beete gibt einen sch├Ânen erdigen und milden Geschmack dazu. Und der Wei├čwein, den wir dazu trinken, ist einfach nur galaktisch. Was ├╝brigens auch f├╝r den Service hier gilt. Schwer zu toppen. Das f├╝hlt sich hier an wie im Paradies.

Zeit f├╝r ein “Intermezzo”: “Granatapfelsorbet mit Ausz├╝gen der Minze”. Was f├╝r eine tolle Idee. Granatapfelsorbet. Habe ich, glaube ich, noch nirgends im Restaurant gegessen. Nachdem meine Freundin und ich uns den ersten L├Âffel in den Mund geschoben haben, blicken wir uns ungl├Ąubig an. Ich sage: “Dieser Geschmack! Das ist totale Kindheitserinnerung!” Sie: “Jaaaaaa! Krass! Geht mir auch so. Ich sehe mich gerade als kleines M├Ądchen auf der Stra├če stehen, in der wir zuerst gewohnt haben! Was ist das?” Wir kommen nicht drauf. Aber es schmeckt so vertraut und gleichzeitig so aufregend. Wir sind ganz durcheinander und einfach nur gl├╝cklich.

Solange es noch hell ist - raus auf die Terrasse. Wir machen eine kleine Pause, um diesen tollen Ausblick und die nach Fr├╝hling riechende Luft zu genie├čen. Was ein wundersch├Ânes Fleckchen hier. Habe ich schon vom Service geschw├Ąrmt? Kann man gar nicht oft genug machen.

Wir kommen zum “1. Akt”: “Mariniertes Filet vom Simmentaler Weideochsen im Weckglas serviert mit Pastinakenrahmp├╝ree und 8 Gem├╝sen”. Allein f├╝r die Optik gibt es schon 12 Punkte f├╝r Germany bzw. f├╝r das Golfrestaurant. Ein Filet im Weckglas. Wie soll das gehen? Das geht! Und wie das geht. Sch├Ân auf P├╝ree gebettet. Es schmeckt einfach nur sensationell. Der Rotwein dazu… Ach Kinders, was ein traumhafter Abschluss f├╝r meinen Tour de Menu-Marathon.

Auch wenn ich gleich platze - das “Finale” darf ich nicht verpassen: “Variationen von wei├čer und dunkler Schokolade mit Aromen vom wei├čen Pfirsich, Aprikosen und Chili”. Auch hier k├Ânnen wir beide nur sagen: Gro├čartig! Und wenn Sie immer noch k├Ânnen, dann genie├čen sich auch noch den “Epilog”: “Fromagerie Antony”. Toller K├Ąse, der dann wirklich keine W├╝nsche mehr offen l├Ąsst.

Fazit: Es war ein mehr als kr├Ânender Abschluss meiner pers├Ânlichen Tour. Das Menu, die Weine, der Service, die Gastgeberin, der Ausblick… Einfach nur der perfekte Abend! 1000 Dank. Ich wei├č schon, wo ich am Wochenende brunchen werde…

2. April 2014,

“Agave”

14. Test: “Agave”

Heute geht’s zu einem Newcomer. Also nicht direkt, aber die “Agave” in der N├Ąhe des Hafens ist zumindest zum ersten Mal bei der Tour de Menu dabei. Hier kommt moderne italienische K├╝che auf die Teller. Ein echt gem├╝tlicher Laden. Ganz sch├Ân wuselig heute, weil es ziemlich voll ist. Und das ist ja in der Regel ein gutes Zeichen. Die Begr├╝├čung ist so herzlich, dass man das Gef├╝hl haben k├Ânnte, hier Stammgast zu sein. Mal sehen, ob wir es werden…

Gang Nummer 1: “Cappuccino von Aubergine mit ger├Âsteten Steinpilzen”. Man k├Ânnte auch “Suppe” dazu sagen :-) Eine sehr gehaltvolle ├╝brigens, die vielleicht auf den ersten Blick farblich nicht ganz so sexy aussieht. Was an der Aubergine an sich liegt bzw. an ihrem Inneren, aber lassen Sie sich davon nicht t├Ąuschen. Dieser “Cappuccino” schmeckt ganz fantastisch. Und wie meine Freundin meint: “Nach Liebe!” Das stimmt. Liebe schmeckt man und die ist definitiv bei der Zubereitung durch die H├Ąnde des Kochs gestr├Âmt. Toll auch dieses Steinpilzaroma. Ich muss nur aufpassen, dass ich nicht zu viel davon esse, es kommt n├Ąmlich noch eine ganze Batterie.

Mir f├Ąllt auf, dass sie in der “Agave” wirklich sehr nah am Gast sind. Sehr aufmerksam, sehr freundlich. Ohne gro├čes Aufsehen wird da fast unbemerkt nachgeschenkt. Man kann sich einfach fallen lassen. Das mache ich jetzt mit meiner Nase in die “D├╝nnen Kalbsfleischscheiben an einer feinen Thunfischsauce mit frischem Tr├╝ffel”. Wenn Sie jetzt sagen: “Ah, Vitello Tonnato!” Ja, ja, schon, aber viel besser! Die Sauce ist in der Tat ganz fein, nicht zu m├Ąchtig. Was ihr aber so richtig den Kick gibt, ist nat├╝rlich der Tr├╝ffel. Kein 0815-Tr├╝ffel├Âl, sondern frisch gehobelt. Meine Freundin und ich sind uns einig, dass wir davon einen riesengro├čen Teller essen k├Ânnten, aber es muss ja noch Platz bleiben. Schade.

Wenn Sie gerne Wein trinken, sind Sie hier ├╝brigens auch richtig. Richtig tolle Tropfen.

Der n├Ąchste Gang ist der Hammer! “Schwarzes Risotto mit gebratenen Jakobsmuscheln in Safransauce”. Bevor ich in den Genuss komme, muss ich allerdings erst einmal laut lachen. Meine Freundin schiebt sich n├Ąmlich den ersten Bissen Risotto rein und grinst mich danach mit schwarzen Lippen an. Alles voller Tintenfischtinte. Gro├čartig! Nee, jetzt bekommen Sie mal keine Angst, dass Sie den Rest des Abends so aussehen, als h├Ątten Sie unter Tage gearbeitet. Ein Schluck Wasser (oder Wei├čwein…) und das ist alles wieder weg. Wir fragen uns nur, ob die die Tinte auch wieder aus den Servietten raus kriegen? Was aber viel wichtiger ist: Es schmeckt einfach nur gro├čartig!!!! Farblich auch ein absoluter Hingucker. Das Schwarze, die gelbliche Safransauce und dann die Jakobsmuscheln dazu. F├╝r mich ist das der absolut perfekte Anblick. Als ich den Teller n├Ąmlich komplett (!) leer geputzt habe, sieht es aus als h├Ątte ich ein Rendevouz mit Borussia Dortmund gehabt. Und weil das f├╝r mich Adrenalin bedeutet, bin ich froh, dass wir jetzt mit einem himmlischen “Champagner-Sorbet” herunter gek├╝hlt werden.

Meine Freundin entscheidet sich beim Hauptgang f├╝r den Fisch: “Filet vom St. Peterfisch auf einem Bett von feinem Gem├╝se an Hummersauce”. Ihr Fazit: “Genial!” F├╝r mich gibt es “Tagliata vom Rind mit getr├╝ffeltem Kartoffelp├╝ree und gr├╝nem Spargel an Barolosauce”. Auch das ist einfach nur sehr, sehr lecker. Das Kartoffelp├╝ree h├Ątte ich jetzt nicht mehr gebraucht, weil ich sooo satt bin, aber um mich herum haben es alle mit gl├╝cklichen Gesichtern leer gefegt. Ich bin begeistert. Wirklich eine ganz tolle K├╝che hier. Da wird man wohl wirklich zum Stammgast…

Das Dessert noch: “Mango-Panna cotta auf Kiwi-Carpaccio an einer fruchtigen Sauce”. Auch super. So sch├Ân cremig und gleichzeitig so erfrischend. Der Preis f├╝r das Men├╝ ist auch unschlagbar. 38,90 Euro. Die h├Ątte ich schon allein f├╝r die Kalbsfleischscheiben und das Risotto bezahlt.

31. März 2014,

ÔÇ×[a]dress kitchen & barÔÇť

13. Test: ÔÇ×[a]dress kitchen & barÔÇť

Gehen Sie mal mit einem schwulen Freund in ein Fashion-Hotel… Meine G├╝te, der hat sich ja gar nicht mehr beruhigen k├Ânnen. Da sprach Begeisterung aus den Augen. Wir waren in der [a]dress kitchen & bar im Hotel Indigo. Oft ist es ja so, dass Hotelrestaurants sp├Ąrlich besucht sind. Gerade am Wochenende, wenn es viele dann doch eher in die Altstadt zieht. Hier brummt der Laden aber, was ein ziemlich gutes Zeichen ist. Und es wundert uns nicht, weil die Atmosph├Ąre super ist, der Raum mit der Bar toll aussieht und der Hinterhofgarten einem das Gef├╝hl gibt, irgendwie im Urlaub zu sein.
Der Blick auf das Men├╝ verr├Ąt: Hier hat sich das K├╝chenteam Gedanken gemacht, wie man Essen und die Umgebung verbinden kann. Das klingt nach rheinischen Gerichten, die auf den Laufsteg geschickt wurden. Das Motto: ÔÇ×fashion meets tasteÔÇť.
Wir starten also mit dem, was als ÔÇ×[ajour chiffon]┬ęÔÇť angek├╝ndigt wird. Die Erkl├Ąrung gibt es gleich dazu: ÔÇ×Ein hauchzartes, durchsichtiges Gewebe mit Durchbrucheffekten und schleierartiger Optik symbolisiert das CarpaccioÔÇť. Ja, holla!
Und es ist wirklich hauchzart, dieses ÔÇ×Carpaccio vom Kasseler mit Boltenmarinade und krossem SenfkrautÔÇť. Ich bin nicht so der Schweinefleischtyp, aber das hier ist super. Ganz wunderbarer Geschmack. Die Marinade dazu ist brillant. Am Coolsten finde ich aber das krosse Senfkraut. Eine super Kombination. Wie wir sp├Ąter sehen, hat hier eine K├ÂchIN das Sagen. Und das finde ich noch toller. Man sieht sie viel zu selten, die Frauen in den guten K├╝chen der Stadt.
Dar├╝ber freue ich mich sehr, zumal sie und ihr Team uns jetzt mit einem ÔÇ×[tweed coat]┬ęÔÇť verzaubern. Die Idee dahinter: ÔÇ×Die Zwiebel-Senfkruste verk├Ârpert das grobe Gewebe und die Eigenschaft eines Tweed-MantelsÔÇť. Im Klartext hei├čt das, wir bekommen als Hauptgang: ÔÇ×Rindertournedos / Zwiebel-Senfhaube / Schalottenjus / Blumenkohl / Serviettenkn├ÂdelÔÇť. Der Rheinl├Ąnder w├╝rde sagen: ÔÇ×Ach so, ein D├╝sseldorfer Senfrostbraten!ÔÇť Stimmt. Aber was f├╝r einer!!! Wir beide sind uns einig, dass der fantastisch ist. Mein Freund meint: ÔÇ×Also das habe ich selten, dass ich das Gef├╝hl habe, mit dem Messer durch das Fleisch zu rutschen!ÔÇť Es ist einfach nur ein riesen Genuss. Ich liebe Senfrostbraten. Und in dieser Version war das wirklich sehr, sehr, sehr lecker.
Der Service hier ist ├╝brigens auch ganz gro├č! Tolle Getr├Ąnkeempfehlungen, super aufmerksam, immer pr├Ąsent. Die machen hier ├╝brigens auch echt tolle Cocktails!
Ach so, wir h├Ątten auch Fisch w├Ąhlen k├Ânnen, waren aber beide in Fleischlaune. Das w├Ąre die Alternative: ÔÇ×[troyer]┬ęÔÇť: ÔÇ×Jener urspr├╝ngliche Fischerpulli inspirierte uns zu diesem GerichtÔÇť, welches da w├Ąre: ÔÇ×Krustenbraten vom Zanderfilet / Wirsingmantel / Chili / Paprika / Knoblauch / RisottoÔÇť. Klingt nicht weniger verf├╝hrerisch!
Das Dessert ist der Knaller. Wie gesagt, das Auge isst hier mit und da ist der Name jetzt Programm: ÔÇ×[chapeau!]┬ęÔÇť: ÔÇ×Die Form und Struktur erinnert an einen HutÔÇť. Ja, das sieht wirklich aus wie ein Hut. Und zwar wie einer, mit dem Claudia Schiffer damals gelaufen w├Ąre. Es gibt: ÔÇ× Nougat / Orangen / Wei├če schokolade / BaumkuchenÔÇť. Schmeckt himmlisch und ist vor allem nicht so m├Ąchtig.
Das war richtig sch├Ân. Fashion und ziemlich guter Geschmack auf den Tellern. Riesen Lob an die K├╝che. Tolle Idee. Ich denke, hier werde ich demn├Ąchst auch einfach mal auf einen Cocktail vorbei schauen. Merci!

30. März 2014,

“Pigage”

12. Test: “Pigage”

Bitte erheben Sie sich. Wir sind hier schlie├člich im Schlo├č. Na gut, fast. Aber wir sind unweit vom Schlo├č Benrath heute im “Pigage”. Und ich kann es schon vorweg nehmen: Das ist eine riesen ├ťberraschung hier f├╝r mich und es schmeckt k├Âniglich. Ich bin zum ersten Mal im “Pigage” und zun├Ąchst denke ich: “Ach, ein klassischer Italiener. Sch├Ân.” Dass dann mit dem Tour-Men├╝ aber so ein absoluter Kracher auf den Tisch kommt - das h├Ątte ich nicht vermutet. Der Gru├č aus der K├╝che l├Ąsst schon vermuten, dass das gar kein schlechter Abend werden kann: “Rote Beete-Carpaccio mit Orangenfilets, Granatapfeldressing”. Ich mag diesen erdigen Touch von Roter Beete, die hier im Dressing einen guten Freund gefunden hat, und die Orange gibt dem ganzen noch einen Extrakick. Sehr leicht, sehr sch├Ân. So richtig los geht’s dann mit dem “Hausgebeizten Lachs mit Reibek├╝chlein und Mascarpone-Feigen-Creme”. Was zun├Ąchst vielleicht wie ein etwas in Vergessenheit geratener Klassiker klingt, ist die erste gro├če ├ťberraschung des Abends. Der Lachs schmeckt fantastisch. Die Reibek├╝chlein sind mit die leckersten, die je ihren Weg in meinen Bauch gefunden haben. Manchmal triefen die ja vor Fett, hier nicht. Und die Creme dazu. Wer sich das ausgedacht hat, bekommt einen Orden von mir. Wer ├╝brigens von italienischer Gastlichkeit spricht, muss das “Pigage” gemeint haben. Der gesamte Service ist toll. Und diese kleine, quirlige Italienerin, die uns jetzt mit “Radicchio in der Cannelloni auf Spinatbett” verw├Âhnt, ist zum “in-den-Arm-nehmen”. Dieser Gang ist genauso toll. Ich habe das Gef├╝hl, eine kleine vegetarische Lasagne mit K├Ąse zu essen. Falls das f├╝r Sie komisch klingt, das war gro├čartig. Die Konsistenz, der Geschmack… Ach so, der Gavi dazu ist auch spitze. Sch├Âner Wein. Wollen Sie mich endlich mal wieder meckern h├Âren? Dann muss ich Sie leider entt├Ąuschen. Das Niveau bei der Tour ist eh sehr hoch. Da geht’s dann oft nur um Nuancen, die nicht passen oder nicht schmecken. Hier gibt es aber rein gar nichts zu meckern. Ganz im Gegenteil. Das “Filet vom St. Peterfisch auf Spargelrisotto” ist eine Wucht. So fein im Geschmack. Der Fisch auf der Haut gebraten ist wie Butter und aromatisch bis zum Gehtnichtmehr. Spargelrisotto ist eigentlich nichts, was mich vom Hocker rei├čt, aber das hier tut es. Ich hatte erst ein bisschen Angst, weil es sechs G├Ąnge gibt. Ich bin n├Ąmlich durch das st├Ąndige Essen irgendwie schon immer vorher satt. Aber die Portionen sind perfekt, so dass man sie auch richtig genie├čen kann. Nach dem Fisch kommt Fleisch: “Kalbsschnitzel gef├╝llt mit Toma-K├Ąse und Prosciutto cotto, Pestognocchi und glasierte junge M├Âhren”. Pestognocchi - klingt erstmal nicht soooo spannend, waren sie aber. Hut ab, was man aus einfachen Pestognocchi machen kann! Das Schnitzel ist auch einfach super. Was soll man dazu noch sagen? Und den Rotwein m├╝ssen Sie auch unbedingt dazu probieren. Kaum Tannine, ganz sanft. Passt perfekt. Ist noch Platz f├╝r was S├╝├čes? Immer! “Tonkabohnen-Mousse auf Espressospiegel”. An der Tonkabohne probieren sich viele aus - in diesem Fall muss man sagen: Gelungen! Sehr sogar. Wie gesagt, ich war das erste Mal im “Pigage” und es wird sicherlich nicht das letzte Mal gewesen sein. Das war echt ein Knaller-Men├╝ mit wunderbar herzlichem Service und tollen Weinen. Bis bald!

28. März 2014,

“La Piazzetta di Positano”

11. Test: “La Piazzetta di Positano”

Heute geht’s schon wieder zum Italiener. Ich habe da ja gerade einen richtigen Lauf… Bin aber nicht allein heute. Michael Naseband begleitet mich. Den kennt man aus dem Fernsehen: K11 - Kommissare im Einsatz. Als er in die Piazzetta di Positano kommt, muss ich erst einmal schlucken. Was ein Kerl von einem Mann. Gef├╝hlt sieben Meter gr├Â├čer als ich. (Aber das ist auch nicht schwer bei meinen 1,53 …) Cooler Typ auf den ersten Blick. Jetzt wei├č man ja nie, wie sich so ein Abend entwickelt. Stimmt die Chemie? Hat man sich was zu sagen? Nur so viel: Es war ein sehr, sehr, sehr langer Abend und nach genau zwei Minuten war klar: Das passt mit uns beiden. Ich wei├č gar nicht, wie viele Geschichten wir uns erz├Ąhlt haben. H├Ątten dabei fast vergessen zu essen und dabei war das doch so lecker. Es ging n├Ąmlich los mit “Black Tiger Garnelen auf Balsamico-Castelluccio-Linsen”.

Jetzt sind Linsen nicht unbedingt mein Leibgericht, aber hier muss ich sagen: Das passte super. Die Linsen sch├Ân knackig, genau richtig. Und die Garnelen einfach nur ein Traum. Das war eine sehr sch├Âne Kombi, die Michael Naseband auch ratzfatz verputzt. Wir sind uns einig: Toller Einstieg. Beim Rotwein sind wir uns auch einig, dass der ganz wunderbar ist. Passt auch super zum n├Ąchsten Gang: “Hausgemachte Pasta mit Kaninchenragout”. Kaninchen habe ich ewig nicht mehr auf den Speisekarten dieser Stadt gesehen. Ich gebe zu, ich stehe sehr drauf, wenn ich erst den Gedanken an meinen “Moppel” verdr├Ąngt habe, den ich mal als Kind hatte…

Es schmeckt super. Die Pasta ist toll. Bissfest wie sie sein soll und das Ragout in dieser sch├Ânen Sauce - sehr lecker. Macht mich gl├╝cklich! Genauso wie der Service. Der ist einfach nur traumhaft und liest uns jeden Wunsch von den Augen ab. Und meckert auch nicht mit uns, obwohl wir ziemlich laut sind. Meine G├╝te, wir haben uns echt viel zu erz├Ąhlen. Vielleicht liegt es auch ein bisschen an dem Wein. Aber gut, man muss auch einfach mal richtig genie├čen. Was das Stichwort f├╝r den Hauptgang ist: “Geschmorte B├Ąckchen vom toskanischen Chianina-Kalb an kr├Ąftiger Rotweinsauce auf Spitzkohl-Parmesan-Kartoffelp├╝ree”. Mein lieber Mann, das ist toll! Die B├Ąckchen zerfallen, die Sauce ist zum Tellerablecken und obwohl ich Kartoffelp├╝ree schon lange nicht mehr sehen kann: Dieses hier ist super. Michael ist ebenso restlos begeistert. Da bleibt kein Tropfen mehr auf dem Teller. Ich muss noch mal gucken, was das Men├╝ eigentlich kostet. 35 Euro? Hey, das ist aber mal echt ein Hammerpreis f├╝r das Essen. Zu dessen Abschluss nat├╝rlich noch das Dessert fehlt: “Cr├Ęme br├╗l├ęe al caff├Ę mit Fr├╝chten”. Oh, wie sie knackt, die Cr├Ęme br├╗l├ęe. F├╝hle mich ein wenig wie Amelie im Film “In der Welt der Amelie”. Einfach nur lecker. Kann man dazu noch ein Glas Wein trinken? Wir beschlie├čen: Kann man. Das war echt ein ganz toller Abend. Super Men├╝, nette Atmosph├Ąre und Begleitung, toller Service. Vielen Dank!

28. März 2014,