Mamma Mia Marschal

Mamma Mia Marschal

Antenne Düsseldorf à la Carte

Unsere Morgenfrau Tanja Marschal macht den Restaurant-Check und testet Restaurants auf Herz und Nieren. Wie es geschmeckt hat, erfahren Sie regelmäßig bei Antenne Düsseldorf. Das Fazit gibt es natürlich hier zum Lesen und Hören im Blog zu Mamma Mia Marschal.

Test: “Zum Bruderhaus”

Heute geht’s ins Dorf. Nach Hamm. Ganz ehrlich: Ich glaube, ich war schon ├╝berall in D├╝sseldorf, aber nie wirklich so richtig in Hamm. Dort steht dieses wundersch├Âne Backsteingeb├Ąude, das den Namen ÔÇ×Zum Bruderhaus” tr├Ągt. Wer gerne gut essen geht, wird bei dem Namen “Marcel Schiefer” verz├╝ckt mit den H├Ąnden klatschen. Er war einer der j├╝ngsten K├Âche hier, der einen Stern bekommen hat. F├╝r seine gigantisch gute K├╝che im Restaurant Schorn. Jetzt betreibt er auch noch dieses wundersch├Âne Brauhaus in Hamm. Am Herd steht in der Regel mit K├╝chenchef Philipp D├╝ckers. Tolle Location. Diese historischen Mauern und innen alles sanft renoviert. Der alte Charme geht nicht verloren, trotzdem ist es modern und auch wieder trotzdem gem├╝tlich. Bodenst├Ąndig und unkompliziert. Ja, das trifft es ganz gut.

Sch├Ân. Bevor wir uns ans Men├╝ machen - der Blick auf die “normale” Speisekarte. Und man sieht: Es gibt Strammer Max, Senfrostbraten oder Himmel und ├ähd. Das klingt ehrlich, nach Tradition und gut. Vor allem, wenn es gut gemacht ist, aber davon kann man ausgehen, wenn Marcel Schiefer seine Finger im Spiel hat.

Das Men├╝ beginnt so: “Hausgebeizter Lachs. Gurke, Kr├Ąuter, Senf”. Mann, Mann, Mann. Das klingt so einfach. Und das ist es ja auch irgendwie. Einfach nur diese Kr├Ąuter. Einfach nur dieser Lachs. Aus dem die K├╝che aber etwas gezaubert hat, was nicht von dieser Welt ist. Wie perfekt hier alles harmoniert. Und der Lachs! Schlicht und ergreifend eine Sensation. Wow. Wirklich wow.

Der Service ist super. Immer da, immer aufmerksam und so gar nicht aufdringlich. Die H├╝tte bebt an diesem Abend. Rappelvoll. Das spricht auch f├╝r diesen Laden…

Der Zwischengang ist jetzt nicht so das, worauf ich stehe. Bin einfach nicht so der “Suppentyp”, aber diese “Pilzessenz mit Ravioli vom Landschwein und Fr├╝hlingslauch” hat’s in sich. Das komplette Aroma raus geholt. Stark. Kr├Ąftig. Und doch so sanft. In dieses Ravioli-Ding k├Ânnte ich mich rein setzen. Ganz wunderbar auch dieser Gang. Was ich ├╝brigens super finde: Hier gibt es leckeres Bier. Keine Pl├Ârre. F├╝chschen, K├ÂPi, Kloster Andechs. Ich wei├č gar nicht, was uns geritten hat, weswegen wir heute Wein trinken. Aber auch der passt super, also egal.

Meine Begleitung ist schon jetzt scharf auf den Hauptgang: “Coq au Vin. Kr├Ąuterdrillinge, Schmorgem├╝se”. Und beim ersten Bissen wird auch klar warum. Das Fleisch f├Ąllt vom Knochen, ist butterzart. Die Sauce ist der Oberhammer! Wir beide m├Âchten in einen 5-Liter-Pott fallen, der mit ihr gef├╝llt ist. Und was man aus langweiligen Kartoffeln machen kann… Chapeau! Das ist wirklich so, so gut, was hier auf die Teller kommt. Wir sind begeistert.

Und da scheinen wir nicht die Einzigen zu sein. Die G├Ąste geben sich hier die Klinke in die Hand. Eigentlich wollen wir gar nicht gehen, aber gut, alles Gute hat ja auch mal ein Ende. Zum Dessert: “Schmorapfel. Milchreiseis, Zimtstreusel”. Ich wundere mich, weil ich null, aber so null auf Milchreis und seinen Geschmack stehe, dieses Eis hier aber verputze. Auch der Schmorapfel ist wieder gro├čartig. Das ist wirklich mal ein bodenst├Ąndiges Dessert.

Also: Im Bruderhaus gibt es ein Men├╝ ohne viel Schnick-Schnack und das schmeckt so sehr nach ehrlicher Haut mit richtig guten Zutaten, dass wir sicherlich nicht das erste und letzte Mal hier waren. Das Men├╝ kostet 39 Euro.

3. März 2015,

Test: Hase und Igel

Mein n├Ąchster Test hat es in sich. Ich bin n├Ąmlich einerseits voller Vorfreude, andererseits will ich nicht mit zu vielen Erwartungen rein gehen. Man hat es ja irgendwie schwer, wenn man Koch ist und jeder einen aus dem Fernsehen kennt. Da gibt es die b├Âsen Zungen, die meinen: “Die, die im TV sind, die k├Ânnen eher labern als vern├╝nftig kochen”. Und es gibt die, die meinen: “Wenn der im Fernsehen ist, dann muss der ganz toll sein!” Ich sage lieber: “Leute, einfach mal selbst ein Bild machen!”

Die Rede ist von Stefan Marquard. Dieser sympathisch-coole Typ mit dem Ziegenbart und dem Stirnband. Dass der tats├Ąchlich kochen kann, daran darf es eigentlich gar keinen Zweifel geben. Hat er sich doch Anfang der 90er einen Stern erkocht. Heute geht’s also in sein neues Restaurant “Hase und Igel” in einer alten Halle in den Schwanenh├Âfen. Hammer Location! Steh ich derma├čen drauf! Und der Service genauso charmant-l├Ąssig, wie man sich auch so den Marquard vorstellen w├╝rde. Passt.

Jetzt wei├č ich nicht, wer an diesem Abend am Herd stand. Ob er oder sein Team oder alle - ist aber auch v├Âllig egal, denn am Ende z├Ąhlt, was auf dem Teller war. Und da kann ich es mir eigentlich ganz einfach machen: Das gesamte Men├╝ war eine Sensation!

Ich bin Fan. Nicht so ein gro├čer wie vom BVB, aber es kommt ganz nah ran.

Der erste Gang: “Spinatcreme I gebratene Jakobsmuschel I Topinamburschaum”. Der fegt einen schon weg. Man wird ein wenig an die Kindheit erinnert, so mit dem Spinat mit Blubb, nur richtig gut! Aromatisch der Spinat, der sich toll mit dem Topinamburschaum versteht. Und es war die beste Jakobsmuschel, die ich seit langem gegessen habe. Gro├čartig. Lassen Sie sich auch unbedingt Weine zu den G├Ąngen empfehlen. Die haben alle richtig Spa├č gemacht.

F├╝r den zweiten Gang w├╝rde ich im Nachhinein sterben! Es gibt “LiVar Schweinebauch I Misocreme I Pak Choi”. Oh ja! Man mag es kaum glauben, aber es gibt tats├Ąchlich Schweinefleisch, das auch schmeckt. Kein Quatsch: Ich habe ewig kein Schwein mehr gegessen, weil mir regelm├Ą├čig ├╝bel wurde. Ich habe es einfach nicht mehr essen k├Ânnen - vom seltsamen Geschmack her und vom Kopf. Dieses hier im “Hase und Igel” stammt von Livar-Schweinen aus Limburg in den Niederlanden. Der Name steht f├╝r artgerechte Haltung. Daumen hoch! Und was soll ich sagen: was ein Wahnsinn! Was haben die bitte mit diesem Schweinbauch angestellt? Ohne Worte der Gang. Wolke 7.

Wie das ├╝brigens alles angerichtet ist: Das ist Kunst. Kunst, die rockt. Ich habe ganz oft gelesen: Stefan Marquard und sein Team wollen mit ihren Gerichten charmant provozieren. Und ich hab mich immer gefragt: Was soll das hei├čen? Inwiefern? Jetzt habe ich eine leise Ahnung. Da werden Zutaten kombiniert, die in ihrer Kombi ein bisschen schr├Ąg sind. Da kommt alles mit Ansage daher. Wie zum Beispiel bei dem Fischgang: “Gebratener Waller I in Orangen geschmorter Chicor├ęe I Buchweizen-Vinaigrette”. Das war heftig. Das hat provoziert. Irgendwie krass und dabei so geil. Erst im Nachhinein versteht man das Gericht immer besser. Ich hatte so das Gef├╝hl: Es baut sich von Gang zu Gang mehr auf - also diese verdammt charmante Provokation. Je mehr man sich mit den G├Ąngen besch├Ąftigt desto besser wird’s.

Auch der Fleischgang: “Bavette vom US Beef. Dreierlei vom Mais: Popcorn, P├╝ree und K├Âlbchen, Malzbierjus”. Wird von Bissen zu Bissen abgefahrener. Und das meine ich sehr positiv. Auch dieser Gang ist eine kleine Sensation. Ich bin wirklich hin und weg. Von der K├╝che, von den Menschen, die dort arbeiten und von der Location.

Das Dessert, Leute! Das Dessert! Ohne Worte: “Neuinterpretation von der Schwarzw├Ąlder Torte”. Das war so unfassbar gut. Sie brauchen noch nicht mal einen Kaffee zum T├Ârtchen. Der wird Ihnen quasi in Form eines Macaron gleich mitgeliefert.

Was soll ich sagen? Ein gigantischer Abend war das. Und wenn Sie das f├╝r 49 Euro nicht probieren, dann verpassen Sie leider was sehr, sehr Geiles. Handwerklich perfekt mit tollen und auch teils ungew├Âhnlichen Zutaten in der Kombination, dazu sehr kreativ und einfach nur unfassbar lecker. F├╝r mich bisher DIE Entdeckung des Jahres.

28. Februar 2015,

Test: Brasserie La Vie

Alle Di├Ątbem├╝hungen meinerseits im Vorfeld der Tour sind fehlgeschlagen. Ich f├╝rchte deshalb, bald zu platzen. Aber was soll’s. Dann war es wenigstens vorher sch├Ân. Mein erster Test f├╝hrt mich nach Unterbilk. Ins 4-Sterne Mercure Hotel. Und dort in das Restaurant “Brasserie La Vie”. Sehr angenehme Atmosph├Ąre - das schon einmal vorweg. Sch├Ân ungezwungen. Das mag ich. ├äu├čerst freundliche Begr├╝├čung, also dann mal ab daf├╝r…

Bevor wir mit dem eigentlichen Men├╝ starten, gibt es einen Gru├č aus der K├╝che. Eigentlich normalerweise nicht besonders erw├Ąhnenswert, aber dieser war so toll, dass ich kurz meiner Begeisterung freien Lauf lassen muss. Ein “Rote Beete Crispy mit Ziegenk├Ąse”. Ich m├Âchte nichts vorweg nehmen - lassen Sie sich ├╝berraschen, was das Ding kann: Gro├čartig, was da im Mund passiert! Von denen h├Ątte ich gerne ein ganzes Blech voll gehabt.

Vier G├Ąnge erwarten uns. Die Vorspeise: “Selleries├╝ppchen I gr├╝ner Apfelschaum I bretonischer Hummer”. Super. Kann man nicht anders sagen. Die Suppe ist so sch├Ân cremig und sanft und perfekt abgeschmeckt. Nicht zu viel von einer starken Sellerienote. Einfach eine ganz runde Sache, die die Seele streichelt. Und dieser wunderbare Hummer, der sich auf dem Boden des Tellers niedergelassen hat. Ganz toller Auftakt. Ach so, nicht vergessen, Wein zu den G├Ąngen zu trinken. Das hebt erstens die Stimmung und zweitens haben die in der Brasserie eine wirklich tolle Weinkarte.

Da ich ja alle G├Ąnge schon hinter mir habe, w├Ąhrend ich das hier schreibe, kann ich Ihnen schon sagen, welche meine Favoriten sind: Das Dessert und der Zwischengang. Der sieht so aus: “Geschmortes Kalbsb├Ąckchen I Graupenrisotto I Karottenstroh”. Was ein Wahnsinn. Ich bin ein gro├čer B├Ąckchen-Freund und dieses hier zerf├Ąllt schon, wenn man es nur ansieht. Butterweich und zart. Ein Traum einfach, der mit einer ebenso traumhaften Sauce betr├Ąufelt ist. Gebettet auf einem gro├čartigen Graupenrisotto, das sch├Ân schlonzig ist und trotzdem noch den richtigen Biss hat. Dieser Gang ist wirklich ein Highlight, das durch den tollen Barrique-Rotwein noch mehr Leben bekommt. Zw├Âlf Punkte!

Der Service steht der Qualit├Ąt in nichts nach. Sehr aufmerksam, charmant, immer zum richtigen Zeitpunkt da, aber nie aufdringlich. Und er wei├č, wovon er redet. Auch was die Weinbegleitung angeht. Sch├Ân. Zum Hauptgang gibt es wie so oft die Wahl: Fisch oder Fleisch. Das Meerestier liest sich folgenderma├čen: “Geangelter Steinbutt I

Safran Perlzwiebeln I polierte Cerealien I Artischockencreme I gelierte Tomaten-Basilikumbr├╝he”. Das klingt tats├Ąchlich sehr lecker und spannend, aber ich bin heute fleischgeil. Also wird es dieses hier: “Zweierlei vom Bio-Rind I Gem├╝segarten I schwarzer Kartoffelstampf I Shisokresse”. Die liebe ich ├╝brigens, die Shisokresse und so finde ich es toll, dass sie sich in jedem Gang wiederfindet. Dieser Hauptgang sieht umwerfend aus. Auf dem Teller ist tats├Ąchlich ein Gem├╝segarten. Kleine, wundersch├Âne R├Âllchen aus beispielsweise Karotte, die lustig bunt nebeneinander stehen - wie in einem Beet. Gef├╝llt mit dem schwarzen Kartoffelstampf - daf├╝r ist der Sepia verantwortlich. Sehr, sehr lecker. Normalerweise finde ich Kartoffelstampf eher langweilig. Dieser hier ist toll. Und das Fleisch… Mein lieber Mann. Das ist sowas von auf den Punkt! Weich und zart und von wirklich toller Qualit├Ąt. Perfekt. Und wieder so eine leckere Sauce. Ich bin wirklich begeistert.

Und dann kommt auch noch dieses Dessert, das den Namen “Orient Express” tr├Ągt. Kein anderer Name h├Ątte genau das beschreiben k├Ânnen. Lassen Sie sich ├╝berraschen. Es ist eine Wucht. Nur so viel: Das Pfirsichsorbet ist eine Geschmacksbombe und die Gew├╝rzkaffee-Crumble der Wahnsinn. Und dann knallt das auch noch alles im Mund. Ja! Richtig gelesen. Hammer.

F├╝r mich und meine Begleitung war es der perfekte Abend. Es gab nichts zu meckern. Gar nichts! Rundum super. Jeder Gang einfach sehr, sehr lecker. Toller Service. Weine, die Spa├č machen. Und dieses Dessert… - das hat echt Eindruck bei mir hinterlassen. Das 4-G├Ąnge-Men├╝ kostet 42 Euro. Und ich denke, ich habe f├╝r mich eine neue Location gefunden, die ich sonst wohl nie entdeckt h├Ątte.

27. Februar 2015,

13. Test: Bocconcino, Medienhafen

Kategorie: Hirsch, Kaninchen, Wildsau & Co.

Aperitif - Glas Champagner

Gebratener Pecorino auf Rucolasalat mit ger├Âsteten Pinienkernen und Himbeerdressing

Rehmedaillon mit einer Sauerkirsch-Pfeffersauce, dazu Gnocchi in Tr├╝ffelbutter und geschmorter Spitzkohl

Ricotta-T├Ârtchen mit glasierten Birnen

45,90 Euro

Der Test:

Zum Abschluss meiner Tour-Tests habe ich es heute nicht weit. Es geht einfach nur die Treppe runter und dann nach rechts. Ins “Bocconcino” im Medienhafen. Also, das muss man ja echt sagen: Super Location. Wir k├Ânnen drau├čen sitzen und haben somit das Gef├╝hl, im Urlaub am Meer zu sein, auch wenn es nur das Hafenbecken ist. Sch├Ân. Man findet direkt Ruhe. Es war ein langer Arbeitstag und deswegen kommt mir der erste “Gang” wie gerufen. Ein Glas Champagner. Geh├Ârt mit zum Tour-Menu. Es ist ein leckerer, der sch├Ân prickelt und mir wieder Lebensgeister einhaucht. Einfach sch├Ân den Champus schl├╝rfen und auf’s Wasser gucken, das hat was.

So langsam kommt aber der Hunger und deswegen freuen wir uns auf “Gebratenen Pecorino auf Rucolasalat mit ger├Âsteten Pinienkernen und Himbeerdressing”. Dieser Pecorino kommt mit leichtem Ziegenk├Ąse-Geschmack daher. Ich stehe eigentlich gar nicht auf Ziege, aber hier ist der Geschmack sehr angenehm. Nicht zu streng, tolle Konsistenz. Er liegt wundersch├Ân gebraten auf einem riesigen Rucolabett. Zu diesem doch eher scharfen Geschmack des Rucolas passt┬ádas Himbeerdressing super, weil es mit einer sch├Ânen s├╝├č-sauren Note daher kommt. Mir pers├Ânlich ist es viel┬ázu viel Rucolasalat, aber so ein richtiger┬áKerl kann das schon verpacken. Ein erster Gang ohne viel Schnick-Schnack.┬áPasst. Sch├Âne Weine haben sie hier ├╝brigens. Und wenn ich schon beim Italiener sitze, dann darf es jetzt auch ein Glas Primitivo sein, der ratz-fatz vom aufmerksamen Service an den Tisch gebracht wird. Den lasse ich mir zum “Rehmedaillon mit einer Sauerkirsch-Pfeffersauce, dazu Gnocchi in Tr├╝ffelbutter und geschmorter Spitzkohl” schmecken. Das ist ein ganz tolles Gericht! Das Reh ist zart und perfekt gebraten. Die Sauerkirschen mit dem Pfeffer passen wie die Faust auf’s Auge. Und auch der Spitzkohl ist super lecker. Davon k├Ânnte ich noch eine Portion essen. Hmmm…┬áUnd wenn Sie auf Gnocchis stehen, diese hier sind selbstgemacht und werden Ihnen schmecken. Ein richtig sch├Âner Gang. Wir wollen gar nicht gehen, weil der Ausblick so sch├Ân ist und deswegen┬álassen wir uns etwas Zeit mit dem┬áDessert. Gut, wir k├Ânnen jetzt schlecht die ganze Nacht hier sitzen, auch wenn das traumhaft w├Ąre, also dann doch her damit. Abgerundet wird das Menu mit einem “Ricotta-T├Ârtchen mit glasierten Birnen”. Das T├Ârtchen┬áist im Prinzip ein Kuchenst├╝ck. Und zwar ein sehr leckeres. Nicht zu trocken, hat noch was sch├Ân Schlonziges und erinnert ein bisschen an K├Ąsekuchen. Ganz nach meinem┬áGeschmack. Dazu gibt’s┬áwundersch├Âne, frische Fr├╝chte und eben die Birnen, die auch mit einer sch├Ânen┬áS├╝├če daher kommen. Ich finde, ein ganz geradliniges, leckeres Menu. Und die Location ist nat├╝rlich der Hammer. Mitten am Wasser in D├╝sseldorf. Das beruhigt derma├čen!

30. September 2014,

12. Test: Sascha - Rotisserie & Bar, Flingern

Kategorie: Curry, Safran, Thymian & Co.

Kalte Kr├Ąuter-Gurken-Lass├ę oder Bouillabaisseschaum mit Croutons

Auberginentartar mit Lammkoteletts in Fenchelsamen gebraten

Loup de mer mit Sauce ravigote mit Kartoffelstampf und Apfel-Gurken-Salat

oder

Marinierter, in Brombeeren geschmorter Schweinebraten (Duroc) mit Kartoffelr├Âsti und Vichykarotten

Honig-Tomaten-Parfait oder Cr├Ęme brul├ęe

32 Euro

Der Test:

Es gibt so viele tolle und gute Restaurants in D├╝sseldorf, aber eines haut mich jedes Mal vom Hocker. Und ich finde, dieser K├╝nstler am Herd wird gar nicht genug gew├╝rdigt. Sascha aus der gleichnamigen Rotisserie und Bar. Was er in seinem f├╝r D├╝sseldorf eher kleinen Restaurant auf die Beine stellt, ist sensationell. Das gilt genauso f├╝r den Rest seiner K├╝chencrew. Ein sympathischer Kerl namens Maurice zaubert da n├Ąmlich genauso rum. Als ich jetzt zum Tour-Test dort war, sa├č am Nebentisch ein bekannter Sterne-Koch. Das spricht f├╝r sich selbst. Wenn dort Leute essen gehen, die sich mit den Besten der Besten messen. Es gibt ein 4 G├Ąnge-Menu zur Tour und Sie haben die Qual der Wahl. Denn ganz ehrlich: Bei solch tollen Gerichten m├Âchte ich mich eigentlich gar nicht entscheiden.

Ich bin kein gro├čer Bouillabaisse-Fan, deswegen wird es f├╝r mich die “Kalte Kr├Ąuter-Gurken Lass├ę”. Meine Freundin hebt aber ihre Hand und schw├Ârt, dass es die beste Bouillabaisse “in town” ist. Sie schw├Ąrmt sogar von den Croutons.┬áIch habe also die┬áGurken-Lass├ę. Wer jetzt denkt: “Wie soll schon eine ‘Gurkensuppe’ schmecken?”, dem sei gesagt:┬áUnfassbar gut! Super erfrischend. Die Gurken darin┬áhaben eine s├╝├čliche Note. Ich k├Ânnte einen ganzen Topf voll essen. Hammer! Hammer ist auch das Stichwort f├╝r den Zwischengang: “Auberginentartar mit Lammkoteletts in Fenchelsamen gebraten”. Meine Freundin sagt: “Ich mach mich gleich nackig!” Und sie hat recht. Wie geil schmeckt denn bitte sch├Ân Lamm mit Fenchel?! Die Koteletts sind super saftig und gleichzeitig sch├Ân knusprig au├čen. Wunderbar aromatisch und der Fenchel dazu ist echt der Burner. So hat das Fleisch richtig Wumms und versteht sich deswegen ganz toll mit dem Auberginentartar. Das ist n├Ąmlich ├╝beraus mild und passt sich somit dem Lamm an. W├Ąre es kr├Ąftiger, k├Ąmen die Geschmacksknospen nicht mehr klar. Perfekt! Der Service ist ├╝brigens ganz nach unserem Geschmack. Ohne viel Ged├Âns zu machen aufmerksam und freundlich. Und die Weinauswahl ist auch hervorragend. W├╝rde mich gerne in der Karte von oben nach unten durch trinken. Aber so wird’s jetzt zun├Ąchst ein Riesling vom Metzger. Also vom Weingut Metzger…
Beim Hauptgang k├Ânnen und wollen wir beide uns nicht entscheiden, also beschlie├čen wir zu teilen. Einmal den “Loup de mer mit Sauce ravigote mit Kartoffelstampf und Apfel-Gurken-Salat” und auf der anderen Seite wartet ein “Marinierter, in Brombeeren geschmorter Schweinebraten (Duroc) mit Kartoffelr├Âsti und Vichykarotten”.

Auch hier gilt f├╝r beide Gerichte: Eine kleine Sensation. Der Wolfsbarsch ist so saftig, dass er zerf├Ąllt, die Haut aber wunderbar kross, wie es sein sollte. Die aufgem├Âbelte Sauce ist ein Gedicht. So fein! Der Apfel-Gurken-Salat haut mich um. Mit Kartoffelp├╝ree kann man mich sonst jagen. Finde ich so langweilig. Von diesem hier bleibt nichts mehr ├╝brig. Toll! Jetzt darf ich ja freundlicherweise auch den Fleischgang probieren. Und da muss ich mich beeilen, weil meine Freundin sonst gleich alles leer geputzt hat. In der Regel esse ich Schweinefleisch nicht wirklich gerne, es sei denn, es kommt von genau diesem, dem Duroc-Schwein. Dieses ├Ąu├čerst zarte Fleisch schmeckt soooo gut. Und was Sascha mit seinem K├╝chenteam daraus gemacht hat, ist kaum in Worte zu fassen. Das Fleisch allein schmeckt schon so unfassbar gut und dann diese Sauce dazu. Die ist nicht von dieser Welt. Die R├Âsti… Selbstgemacht versteht sich. Knusprig, knusprig und nochmals knusprig. Sooo lecker. Und die Vichykarotten mit dem dazu geh├Ârigen Stampf - auch ein Traum. Wir sind einfach nur wahnsinnig begeistert, wie fein und gut hier gekocht wird. Meine Freundin sagt: “Hier schmeckt alles so sehr nach Liebe!” Ja, stimmt. Apropos Liebe. Ich liebe Desserts. Es gibt zum Abschluss eine ganz klassische Cr├Ęme brul├ęe, die sich meine Begleitung bestellt und verschlingt! Ich traue mich an das “Honig-Tomaten-Parfait”. Ich finde, das klingt schr├Ąg und geil. Wahrscheinlich ist es ein Dessert, an dem sich die Geister scheiden. Es ist eins mit Ansage und man muss Honig wirklich m├Âgen, aber dann ist es super. Mal was ganz anderes. Mir hat’s toll geschmeckt. Ansonsten machen Sie aber mit der vorz├╝glichen Cr├Ęme brul├ęe nichts falsch.

Saschas Rotisserie geh├Ârt bei dieser Tour mit zu meinen absoluten Favoriten. Ein begnadeter Koch, dem man eigentlich 24 Stunden lang die Bude einrennen muss. Die Atmosph├Ąre ist toll. Ich mag es gerne etwas “kleiner” und “kuscheliger”. Ein absolutes Muss!

29. September 2014,

11. Test: Die Ente, Unterbach

Kategorie: Hirsch, Kaninchen, Wildsau & Co.

Steinpilzconsomm├ę mit Maronen-Ravioli

Ger├Ąucherte Wildentenbrust auf buntem Herbstsalat in Granatapfeldressing mit Trauben und Waln├╝ssen

Geschmorte Sauerl├Ąnder Wildschweinkeule auf Kirsch-Pfeffer-Sauce mit Rotweinbirne, Semmelkn├Âdel und geschmorten Steinpilzen

oder

Wildlachs und Garnelen in Flusskrebssauce mit gr├╝nem Pfeffer und Tr├╝ffelnudeln

Waldbeerensorbet auf Fruchtmarkspiegel mit Fr├╝chten

43,90 Euro

Der Test:

Was ich an der Tour so liebe, ist die Vielfalt der Restaurants. Einmal der Italiener, dann pl├Âtzlich Sternek├╝che und am n├Ąchsten Abend geht’s in ein Hotelrestaurant. Heute sind wir im Wohnzimmer. So f├╝hlt es sich zumindest an, in der “Ente” in Unterbach. Ich habe hier das Gef├╝hl, am Kamin statt am Tisch zu sitzen, so viel W├Ąrme kommt einem entgegen. Der Name ist hier Programm. Enten soweit das Auge reicht :-) Eine ganz warme, herzliche Atmosph├Ąre. Eine richtige Stube halt. Wir haben das Gef├╝hl, hier richtig runter zu kommen. Den Stress einfach mal drau├čen lassen und genie├čen. Vier G├Ąnge erwarten uns heute. Also auf geht’s!

Wir starten mit einer “Steinpilzconsomm├ę mit Maronen-Ravioli”. Es ist herbstlich geworden und so passt dieser Auftakt wie die Faust auf’s Auge. Ein sch├Ânes, hei├čes “S├╝ppchen”. S├╝ppchen w├Ąre allerdings beinahe eine Beleidigung, denn eine Consomm├ę braucht Zeit. Diese hier ist ganz wunderbar. Der Geschmack der Steinpilze ist sch├Ân intensiv, aber nicht zu streng. Herrlich. Es duftet nach Wald und Liebe. Dazu dieser Ravioli mit der Maronen-F├╝llung - das ist Herbst pur. So soll es sein. Unsere B├Ąuche f├╝hlen sich ganz wohlig warm an. Dazu lassen wir uns einen leichten Wei├čwein schmecken. Jetzt bin ich eigentlich nicht so der Salat-Fan, aber dieser ist toll: “Ger├Ąucherte Wildentenbrust auf buntem Herbstsalat in Granatapfeldressing mit Trauben und Waln├╝ssen”. Es sind n├Ąmlich keine lieblos auf den Teller gelegte Bl├Ątter, sondern ein wirklich frischer, “anst├Ąndiger” Salat. Das Dressing ist herrlich erfrischend. Trauben und Waln├╝sse passen eh super zusammen. Und dieses wunderbar rauchige Aroma der sehr zarten Entenbrust - toll. Man schmeckt richtig, dass das Tier “wild” war. Sehr sch├Âner Gang. Wir f├╝hlen uns wirklich so, als w├Ąre dieses Menu f├╝r das heutige Wetter kreiert worden. Es riecht alles nach Waldspaziergang durch die herbstliche Luft. Der Service erw├Ąrmt unsere Herzen und wir genie├čen diesen Ort, der fast etwas von Zuflucht hat.

Wir haben die Qual der Wahl beim Hauptgang: Auch wenn “Wildlachs und Garnelen in Flusskrebssauce mit gr├╝nem Pfeffer und Tr├╝ffelnudeln” sehr, sehr verlockend klingt, wird es die “Geschmorte Sauerl├Ąnder Wildschweinkeule auf Kirsch-Pfeffer-Sauce mit Rotweinbirne, Semmelkn├Âdel und geschmorten Steinpilzen”. Ach, herrlich. Dazu muss ein Rotwein her. Die Kn├Âdel sind selbstgemacht, was nicht selbstverst├Ąndlich ist, aber sein sollte. Toll. Die Sauce ist so lecker. Und wenn man ein St├╝ck von diesem zarten Wildschwein zusammen mit einem St├╝ck von der grandiosen Rotweinbirne in den Mund nimmt, dann jubeln die Sinne. So eine “einfache” Birne. Was mit der passiert, wenn man sie in diesem leckeren Traubensaft ertrinken l├Ąsst… Ach, was f├╝hlen wir uns wohl!

Eigentlich sind wir echt satt, aber das Dessert klingt einfach zu verlockend: “Waldbeerensorbet auf Fruchtmarkspiegel mit Fr├╝chten”. Oh ja! Das sind Waldbeeren pur. Intensivster Geschmack, eine tolle Abk├╝hlung. Der Teller ist hinterher wie abgeleckt. Das ganze Menu ist eine wirklich runde Sache. Man schmeckt den Herbst, das “Wilde”, die Liebe. Und dazu dieser so warme, herzliche Service. Das Restaurant ist voll und man hat das Gef├╝hl, mit vielen Freunden in der eigenen Stube zu sitzen. Sch├Ân war’s!

28. September 2014,

10. Test: VICTORIAN Gourmet Restaurant, Stadtmitte

Kategorie: K├╝rbis, Landschwein, Pfifferlinge & Co.

Ap├ęro D├╝sseldorfer Rheinwiesen

Amuse-Bouche

Bergische Forelle - Rauch/Meerrettich/Apfel

D├╝sseldorfer Allerlei - Flusskrebs/Hecht/Dill

Confierter Kaninchenr├╝cken - ABB Senf/Kr├Ąuter aus Fahrideh’s Garten in Bilk

Geschmorrte Zwergrippe vom niederrheinischen Rind - Kraut/R├╝ben

Birnen-K├╝rbis - Wei├če Schokolade/Preiselbeeren

S├╝├čes Finale - Petit fours

79 Euro

Der Test:

Als ich geh├Ârt habe, dass Volker Drkosch das “Victorian” verl├Ąsst, dachte ich erst “Oh, nein!” F├╝r mich z├Ąhlt er immer noch zu den besten und kreativsten K├Âchen, bei denen ich je essen durfte. Umso gespannter war ich nun auf seinen Nachfolger. Matthias Hein ist der neue K├╝chenchef, der aber schon einige Zeit im Gourmet Restaurant gearbeitet hat. Und was soll ich sagen? Er hat mich und die Kollegin Claudia Monr├ęal umgehauen. Was er mit seinem Team auf die Teller zaubert, ist nicht weniger umwerfend. Mit einer ganz klaren, geradlinigen K├╝che. Und (trotzdem) wahnsinnig kreativ. Meine innere Stimme schreit schon wieder nach einem zweiten Stern.
Zu Beginn gibt es die “D├╝sseldorfer Rheinwiesen” und da springt uns schon die ganze Kreativit├Ąt als erster Eindruck entgegen. Eine Holzkiste voller Kieselsteine, auf denen kleine leckere Schweinereien liegen. Also im Prinzip Fingerfood. Tatar vom Rind, Ziegenk├Ąse, essbares Moos oder G├Ąnseleber in einer Praline, die im Mund knackt und explodiert. Fantastisch. Schon jetzt fragen wir uns, warum wir ├╝berhaupt jemals noch woanders essen gehen sollten.
Die “Bergische Forelle” mit Apfel und Meerrettich ist die n├Ąchste Geschmacksexplosion, die nicht nur unfassbar lecker ist, sondern auch noch wahnsinnig sexy aussieht. Meine G├╝te… Dass der Service hier erstklassig ist, versteht sich von selbst. Und ich danke dem Weingott daf├╝r, dass er uns Michael Noack geschickt hat. Die jahrelange Seele des Victorians ist f├╝r mich der Inbegriff eines Sommeliers. Er lebt Wein. Er liebt Wein. Er ist Wein. Und die Weine, die er uns zu jedem Gang serviert, sind nicht nur erstklassig, sondern selbstverst├Ąndlich perfekt abgestimmt. Wir verneigen uns. Auch vor dem n├Ąchsten Kunstwerk, das uns nun erwartet. “D├╝sseldorfer Allerlei”. Dahinter verbergen sich unter anderem Hecht, Flusskrebs und aromatische Wurzeln - aufgegossen mit “Flusskrebs in fl├╝ssiger Form” ;-)
Grandios. Ich liebe diese Klarheit. Diesen genau definierten Geschmack. Und wie wir alle wissen, isst das Auge mit. Und das bekommt jetzt richtig was geboten. Der “Confierte Kaninchenr├╝cken” steht n├Ąmlich an. Bevor dieses Kunstwerk in der K├╝che vollendet wird, kommt es an unseren Tisch, an dem wir zusehen k├Ânnen, wie es vorgegart wird. Wow. Auch von diesem Gang sind wir restlos begeistert. Eine Sinfonie. Ich w├╝rde Ihnen gerne jedes kleinste Detail beschreiben, mit dem jeder einzelne Gang uns die Sinne raubt, aber ein bisschen ├ťberraschung muss ja bleiben. Immer wieder gibt es Gr├╝├če aus der K├╝che, die unsere Geschmacksknospen beruhigen. Vielleicht w├╝rde man sonst tats├Ąchlich durchdrehen, weil man diese ganze Aromenvielfalt gar nicht fassen kann. Mein Lieblingsgru├č: Ein Blumentopf! Das ist das Sch├Ânste, was ich je gesehen habe. Ein echter, kleiner Blumentopf voller schwarzer “Erde”, in der eine Blume steckt. Nur dass man das alles essen kann! Ich werd wahnsinnig!
V├Âllig durchdrehen ist dann angesagt, als uns die “Geschmorrte Zwergrippe vom niederrheinischen Rind” mit Kraut und R├╝ben serviert wird. Dieses himmlische St├╝ck Fleisch zerf├Ąllt im Mund. Ach, eigentlich schon auf dem Teller. Im Prinzip brauchen Sie gar kein Messer. Geschmacklich eine Sensation, wie ausnahmslos alles heute Abend.
Claudia und ich sch├Ąmen uns schon ein wenig, weil wir die ganze Zeit st├Âhnen und mit den Augen rollen. Es ist einfach nur der helle Wahnsinn, was hier geboten wird.
Zum Abschluss gibt es “Birnen-K├╝rbis, Wei├če schokolade, Preiselbeeren”. Dieser marinierte K├╝rbis, die Schokolade…. Ich wei├č gar nicht, was ich noch sagen soll…
Ach ja, Petit fours gibt es ja auch noch. Allesamt ein himmlischer Genuss.
Also, liebe D├╝sseldorfer: Das Victorian ist ein Muss! Wenn Sie sich das entgehen lassen, dann ist Ihnen nicht mehr zu helfen! :-) Ein durch und durch sensationelles Menu. Ganz klare Linie, kreativ bis zum Umfallen, unfassbar lecker. Und wenn nicht f├╝r das Essen, so w├╝rde ich allein schon f├╝r die Weine t├Âten. Der Service ist gro├čartig. Das war unser perfekter Abend.

28. September 2014,

9. Test: Lerose, Gerresheim

Kategorie: Languste, Seeteufel, Steinbei├čer & Co.

Krabben-Tatar mit Ananas

Fiocchetti - gef├╝llte Nudeltaschen - mit Birne und Ricotta in einer Orangensauce

Riesengarnelen umh├╝llt von Parmaschinken in einer Tomatensauce

oder

Carr├ę vom Reh mit Rotweinsauce und Preiselbeeren

Kalte Zabaglione

39,50 Euro

Der Test:

Also, das war mal eine positive ├ťberraschung! Und was f├╝r eine! Ich dachte: “Ok, das wird wohl ein x-beliebiger Italiener heute…” Aber nix da. Das war f├╝r mich eine Entdeckung da in Gerresheim. Das “Lerose” an der Benderstra├če. Familienrestaurant. Ich wei├č nicht, wie die Italiener das immer machen - ich glaube, sie haben es in den Genen, dass man das Gef├╝hl hat, zur Familie zu geh├Âren. Im Lerose springt einem die Gastfreundschaft f├Ârmlich entgegen. Meine Begleitung, die ich nicht namentlich nennen m├Âchte, hat nach dem Essen den Knopf an ihrer Hose aufgemacht! Sie hatte vergessen, dass wir im Restaurant sitzen. Das sagt alles. Irgendwie f├╝hlt es sich so an, als s├Ą├čen wir bei ‘ner Familienfeier und da wird jetzt erst einmal “Krabben-Tatar mit Ananas” aufgetischt. Ich gebe zu, als ich das gelesen habe, dachte ich: “Krabben und Ananas? Ob das mal gut geht?” Und wie das gut geht! Tatar egal in welcher Form kann echt voll in die Hose gehen, wenn es n├Ąmlich nicht super frisch ist. Dieses Krabben hier schmecken wie frisch gefangen. Die Ananas dazu: Diese S├╝├če, die gleichzeitig knackig frisch ist und eine gewisse S├Ąure mitbringt. Passt super! Ein ganz leichter, wunderbar aromatischer Gang zum Auftakt. Sehr sch├Ân.

Der Service ist wirklich einmalig. Immer auf Zack, lustig und voller Herzensw├Ąrme. Meine Begleitung und ich haben heute richtig Bock auf Pasta, freuen uns deswegen besonders auf den zweiten Gang: “Fiocchetti - gef├╝llte Nudeltaschen - mit Birne und Ricotta in einer Orangensauce”. Ach, du meine G├╝te. Was ist das denn? Bei uns explodieren die Geschmacksknospen. Dieses Pastagericht geh├Ârt mit zum Besten, was ich je in Sachen Nudeln gegessen habe. Birne und Ricotta sind wie f├╝r einander gemacht und diese Sauce dazu… Voller Orangenzesten. Mehr an purem Orangengeschmack geht nicht. Das ist das absolute Hammergericht. Wir trinken ├╝brigens ganz, ganz tolle Weine dazu. Himmlisch!

Beim Hauptgericht m├╝ssen Sie sich entscheiden: “Riesengarnelen umh├╝llt von Parmaschinken in einer Tomatensauce” oder “Carr├ę vom Reh mit Rotweinsauce und Preiselbeeren”. Die Garnelen super, aber wenn ich Ihnen einen Tipp geben darf: Nehmen Sie das Reh. Das ist Bombe! Dieses Rippenst├╝ck ist butterzart. Mit der Sauce dazu ist es eine Offenbarung. Meine Begleitung kriegt sich gar nicht mehr ein. Sie spricht von einer “Sinfonie des Rehs” und von “Posaunen am Waldeshimmel”. Gut, ich glaube, sie hat nicht mehr alle Tassen im Schrank, aber das trifft’s ganz gut…

Das Dessert klingt auf den ersten Blick nicht so spannend: “Kalte Zabaglione”. Ist aber auch ganz, ganz toll. Die Zabaglione kommt n├Ąmlich nicht alleine daher. Sie hat noch ihre Freundin Vanilleeis mitgebracht. Und die beiden verstehen sich blind. Das ist einfach nur super lecker zum Abschluss. Was bleibt von diesem Abend? Eine gl├╝ckliche Tanja, die sich freut, so einen tollen Italiener in Gerresheim entdeckt zu haben. Und die Gewissheit, dass ich nicht das letzte Mal dort gewesen bin.

24. September 2014,

8. Test: Die R├┤tisserie, Pempelfort

Kategorie: Hirsch, Kaninchen, Wildsau & Co.

Cortado von Petersilienwurzel mit Rehpraline

Kaninchen-Terrine in Cassis-Gelee an Brioche

Hirschr├╝cken im Kr├Ąutermantel mit Schwarzwurzelgem├╝se, Steinpilzjus und Kartoffelgratin

oder

Rebhuhnbrust gef├╝llt mit Foie gras und Pistazien an lauwarmen Spitzkohl-Kumquat-Salat und Erdapfel-Pinienkernstrudel

Trilogie von Petits Fours

39,50 Euro

Der Test:

Also, das muss man echt sagen: Die R├┤tisserie ist so ein verdammt sch├Âner Laden. Da hat aber einer mal so richtig Geschmack. Super sch├Ân. Richtig sinnlich. Und damit es noch sinnlicher wird, sitzt abends auch einer am Piano. Nicht schlecht… Der Kollege Martin Heyer begleitet mich dieses Mal. Das Wetter passt perfekt zum Menu, es ist heute n├Ąmlich richtig herbstlich. Also auf geht’s!

Wir beginnen mit “Cortado von Petersilienwurzel mit Rehpraline”. Cortado trifft’s, denn das feine S├╝ppchen wird im kleinen Glas gereicht. Macht sich optisch gut, was aber viel wichtiger ist: Geschmacklich auch. Sehr, sehr lecker, da sind wir uns beide einig. Vor allem die Rehpraline haut mich um. Wow. Davon h├Ątte ich mir noch zwei, drei mehr reinpfeifen k├Ânnen. Ganz toll. Au├čen kross und innen weich und einfach ganz wunderbar im Geschmack. Falls Sie ├╝berlegen, ob Sie die Weinbegleitung dazu nehmen: Klar! Macht sich immer gut, so auch hier. Martin hat ein bisschen Angst vor dem n├Ąchsten Gang, weil er einfach nicht auf Kaninchen steht. Ich muss auch kurz verdr├Ąngen, dass mein Moppel seit drei Jahren nicht mehr durch die Wohnung meiner Tante h├╝pft, aber dann geht’s: “Kaninchen-Terrine in Cassis-Gelee an Brioche”. Ich finde, das schmeckt richtig nach Herbst und Wald. Was man auch aus einer einfachen Brioche machen kann - Hut ab! So fluffig und so wunderbar kr├Ąutrig gew├╝rzt. Das Cassis-Gelee h├Ątte ich nicht unbedingt gebraucht, aber alles in allem ein sehr leckerer Gang. Der Service hier ist toll. Sehr angenehm. Nah am Gast, aber nicht zu nah. Und gut sieht er aus ;-)

Ich habe dieses Mal Schwierigkeiten, mich zu entscheiden, was den Hauptgang angeht, also machen Martin und ich halbe-halbe. Wir teilen uns br├╝derlich den “Hirschr├╝cken im Kr├Ąutermantel mit Schwarzwurzelgem├╝se, Steinpilzjus und Kartoffelgratin” und die “Rebhuhnbrust gef├╝llt mit Foie gras und Pistazien an lauwarmem Spitzkohl-Kumquat-Salat und Erdapfel-Pinienkernstrudel”.

Beide G├Ąnge sind eine Wucht! Der Hirschr├╝cken ist perfekt gegart und liegt in einem traumhaften und sch├Ân dezenten Kr├Ąutermantel. Selten so ein gutes St├╝ck Hirsch gegessen. Die Rebhuhnbrust ist sch├Ân saftig und sehr, sehr aromatisch. Wir beide sind einfach nur restlos begeistert und k├Ânnen uns nicht entscheiden, was besser schmeckt. Was mich vor allem richtig umgehauen war, war der Spitzkohl-Kumquat-Salat. Geil. Das war eine richtige Geschmacksexplosion. Die Weine dazu auch toll. Allein f├╝r diese beiden G├Ąnge hat sich der Weg schon gelohnt.

F├╝r S├╝├čes bin ich immer zu haben und so freue ich mich jetzt auf die “Trilogie von Petits Fours”. Wie saftig diese kleinen St├╝ckchen sind. Tolle Glasur. Und das eine mit Schokolade - himmlisch. Fazit: Das Motto “Hirsch, Kaninchen, Wildsau & Co.” 1A umgesetzt. Ganz tolles Restaurant, dessen Innenleben mich wieder mal total beeindruckt hat. Toller Service und um den Hirschr├╝cken nochmals zu essen, w├╝rde ich das Menu glatt noch ein zweites Mal bestellen. Und schickt mir blo├č das Rezept f├╝r den Kumquat-Salat!

23. September 2014,

7. Test: Sansibar by Breuninger, Stadtmitte

Kategorie: Languste, Seeteufel, Steinbei├čer & Co.

Rote Beete-Carpaccio mit gebackener Garnele und Tr├╝ffelvinaigrette

Champagners├╝ppchen mit pochierter Sylter Royal-Auster und Enoki Pilzen

Angeldorsch mit Seppiolini auf Chablisgem├╝se mit Senfsauce

Joghurteis mit getrockneten Oliven und Morsumer Honig

39 Euro

Der Test:

Ich geb’s zu: Ich war noch nie in der Sansibar im K├Â-Bogen. Irgendwie dachte ich, dass mir das zu schn├Âselig sein k├Ânnte. Ich dachte, da sitzen nur G├Ąste, die t├Ąglich in Champagner baden. Wie gut, dass Vorurteile immer wieder ├╝ber den Haufen geschmissen werden k├Ânnen. Stimmt n├Ąmlich ganz und gar nicht. Es ist vom Publikum her super gemischt, die Atmosph├Ąre locker und das gilt auch beim Service. Der ist super easy, wahnsinnig angenehm. Und der Blick, den man von dort oben hat, der ist auch nicht verkehrt. Die Kollegin Beatrice Hoffmann und ich f├╝hlen uns also auf jeden Fall sehr wohl. Jetzt muss es nur noch schmecken. Das Menu beginnt mit einem “Rote Beete-Carpaccio mit gebackener Garnele und Tr├╝ffelvinaigrette”. Sieht sexy aus, wie die knusprige Garnele da so auf dem roten Bett liegt. Bea nimmt schon mal den ersten Bissen und guckt mich dann mit ganz gro├čen Augen an: “Boah, ist das lecker! Ich habe zuhause auch mal versucht, ein Rote Beete-Carpaccio zu machen. Da liegen aber Welten dazwischen!” Gut, jetzt wei├č ich nicht, wie gut oder schlecht Bea kochen kann, aber das hier ist wirklich sehr lecker. Dieses Erdige von der Roten Beete passt gro├čartig zum Tr├╝ffeligen. Schmeckt wie eine richtig gute Ehe. Die Garnele ist au├čen sch├Ân knusprig und innen noch sch├Ân saftig. Im Prinzip wie ein Liebhaber, der sich pl├Âtzlich dazu gesellt hat und der mit beiden was anf├Ąngt… Toll auch der Riesling von Robert Weil dazu. Der hat n├Ąmlich nicht so viel S├Ąure, was dem Gericht nicht gut tun w├╝rde. Toller Auftakt!

Ich muss nochmals erw├Ąhnen, wie begeistert wir vom Service sind. Die sind so auf Zack, haben echt Plan, sind soooo nett und machen es einem wirklich einfach, sich super wohl zu f├╝hlen. Wohl f├╝hlt sich auch die Auster, die jetzt in der Suppe liegt:

“Champagners├╝ppchen mit pochierter Sylter Royal-Auster und Enoki Pilzen”. Auch dazu schmeckt der Riesling, weil er dem Champagner in der Suppe nichts wegnimmt. Und dieses S├╝ppchen ist wirklich zum Dahinschmelzen. Wir m├Âchten am liebsten drin baden. Geschmacklich ganz gro├čes Kino. Irgendwie schaffen die hier den Spagat zwischen exquisit und doch locker. Super. Gef├Ąllt mir sehr gut! Auch dass das Menu relativ leicht ist. Das tut auch mal gut. Zum Hauptgang wird erst einmal ein Grauburgunder vom Schl├Âss Sch├Ânborn gereicht. Der ist ganz toll! Wir m├╝ssen aufpassen, dass er nicht schon leer ist, bevor das Essen dazu ├╝berhaupt auf dem Tisch steht: “Angeldorsch mit Seppiolini auf Chablisgem├╝se mit Senfsauce”. Wow, wow und nochmals wow. Der Dorsch schmeckt so frisch und saftig, als h├Ątte man ihn gerade unten aus dem Hofgarten-Teich geangelt. Ein Traum von Fisch. Die kleinen Tintenfische dazu schmecken auch einfach nur gro├čartig. Die Sauce mit diesem Senftouch… Mamma Mia! Das Gem├╝se ist knackig, die kleinen Bratkartoffeln knusprig. Ganz gro├čes Kino!

Und dann kommt ja auch noch das “Joghurteis mit getrockneten Oliven und Morsumer Honig”. Ich liebe Eis und ich liebe Joghurteis noch viel mehr. Insofern bin ich schon restlos begeistert. H├Ątte aber nicht gedacht, wie wunderbar die Oliven dazu passen. Bea ist kurz erschrocken, weil sie meint: “Huch, das knallt ja im Mund!” Ja, ein bisschen Knallbrause ist auch dabei. Ist lustig im Mund. Dazu gibt’s ein Glas Champagner. Perfekter geht’s nicht.

Also: Ich ├Ąrgere mich ein wenig, dass ich nicht schon fr├╝her in der Sansibar by Breuninger war. Es ist toll hier. Sowohl atmosph├Ąrisch als auch kulinarisch. Bin restlos begeistert. Und als Bea hinterher sagt: “Da m├╝ssen wir aber nochmal hin, wenn die Tour durch ist!”, nicke ich wie ein Spatz, der gerade tausend Kr├╝mel vom Boden aufpickt.

22. September 2014,