Mamma Mia Marschal
Antenne Düsseldorf à la Carte
Unsere Morgenfrau Tanja Marschal macht den Restaurant-Check und testet Restaurants auf Herz und Nieren. Wie es geschmeckt hat, erfahren Sie regelmäßig bei Antenne Düsseldorf. Das Fazit gibt es natürlich hier zum Lesen und Hören im Blog zu Mamma Mia Marschal.
16. Test: Enzo im Schiffchen
Das Menü: 79,00 Euro.
Aperitivo//
Stuzzichino//
Carpaccio di manzo marinato e spuma di burrata alla bergamotta: Carpaccio vom marinierten Rinderfilet mit Burrataschaum//
Zuppa di faraona e raviolo plin: Consommé vom Perlhuhn mit Plin-Ravioli//
Rotolo di pescatrice con caponata: Gebratene Seeteufelröllchen auf Caponata-Gemüse//
Filetto di cinghialetto con pere e gorgonzola al forno e sugo al Marsala: Frischlingsfilet mit Birnen und Gorgonzola aus dem Backofen mit Marsala-Sauce//
Sorbetto alla cassata su meringa alla nocciola: Sorbet-Cassata auf Haselnussbaiser//
Zucca e caffè: Schaum vom Hokkaido-Kürbis mit Kaffeesatz//
Amarettini al pistacchio e Biscotto al Gianduia: Pistazien-Amarettini und Nougat-Gebäck//.
Der Test:
Es ist mein Letzter! Und ich freue mich, dass er so einen krönenden Abschluss bereit hält. Das „Enzo im Schiffchen“ hat erst letztes Jahr einen Stern bekommen. Wen wundert es, wenn kein Geringerer als Jean-Claude Bourgueil seine Finger im Spiel hat oder besser: In der Küche. Er hat die gehobene Gastronomie in Düsseldorf geprägt und prägt sie immer noch. Dieses italienische Menü zur Tour ist von vorne bis hinten ein galaktischer Genuss. Allein schon die „Appetithäppchen“ machen genau das: Appetit und Lust auf mehr. Das „Carpaccio vom marinierten Rinderfilet mit Burrataschaum“ ist eine kleine Sensation. Das zergeht hier alles auf der Zunge. Die Aromen – oh wow. Der Kollege Dennis Lieske und ich sind einfach nur froh, dass das jetzt erst der Anfang ist und wir uns noch auf so viele Gänge freuen und all das genießen dürfen.
Ich bin kein Freund von „Suppe“ oder Consommé. Aber diese hier
vom Perlhuhn mit Plin-Ravioli… Zum Reinlegen und drin Ertrinken. Ist das fein! Mein lieber Mann. Vom Service müssen wir gar nicht sprechen. Der ist hervorragend. Wenn ich Sterne verleihen dürfte, hier wäre der nächste für alle Mann an Bord. Ich weiß überhaupt nicht, wie ich Ihnen überhaupt erklären könnte, wonach diese wunderbaren Kreationen im Einzelnen genau schmecken. Auch die
„Gebratenen Seeteufelröllchen auf Caponata-Gemüse“… Das sind einfach nur Sensationen auf dem Teller. Immer wenn man denkt: Es kann doch gar nicht mehr besser werden, kommt wieder so was Großartiges daher. Auch die Weinempfehlung: Der 2011er San Vincenzo und der 2008er Aulo Rosso – einfach nur zum Weinen.
Wenn ich sagen sollte, was mein Highlight bei diesem Menü ist, ha! Kann ich eigentlich gar nicht. Ich weiß gar nicht, wo ich da anfangen sollte. Gut, dann eben das „Frischlingsfilet mit Birnen und Gorgonzola aus dem Backofen mit Marsala-Sauce“. Fantastico! Das Filet ist einfach nur traumhaft. Birne und Gorgonzola lieben sich. Und dazu diese Sauce… Danke, es gibt einen Gott!
Ich habe Dennis gefragt, wie ich das hier alles beschreiben soll, woraufhin er meinte: „Kannst du nicht!“ Und ja, Sie erleben mich sprachlos. „Sorbet-Cassata auf Haselnussbaiser“, der „Schaum vom Hokkaido-Kürbis mit Kaffeesatz“ und die „Pistazien-Amarettini und Nougat-Gebäck“ sind sensationell wie alles andere auch. Ich kann Ihnen nur dringend, dringend raten, jetzt beim Tour-Endspurt im „Enzo im Schiffchen“ Station zu machen. Sie erleben für 79 Euro einen unvergesslichen Abend. Und wenn ich könnte, würde ich Jean-Claude Bourgueil für immer und ewig einen Himmel voller Sterne verleihen. Merci! Merci! Merci!
23. März 2013,
15. Test: Agata’s
Das Menü: 59,00 Euro.
Amuse bouche//
Jakobsmuscheln/ Rhabarber / Blumenkohl / Purple Curry//
Essenz Champignons / Ochsenschwanz / Bärlauch//
Sorbet grüner Apfel / Rote Bete / Zitronenmelisse//
Dry Aged Rumpsteak 36 Tage gereift / Möhre / Mangold / Pistazie//
Banane & Caraibe 66% //
Petit fours//.
Der Test:
Der Kollege Dennis Grollmann reibt sich seit einer Woche die Hände: “Oh schön, wir gehen essen. Danach habe ich Urlaub.” Das ist auch gut so. Also für ihn. Denn wenn wir zusammen weggehen, versacken wir meist. Jetzt ist aber alles anders. Seine Kinder sind krank. Die Frau auch. Also muss er nach Hause und sich eine Pizza bestellen. Bei mir wird’s garantiert leckerer. Es geht nämlich ins “Agata’s”. Ersatz war schnell gefunden. Frage mich gerade, ob das auch so schnell gehen würde, wenn ich sage: “Hilfst du beim Umzug?” Nun gut… Ich wurde jetzt schon von mehreren Seiten gefragt: “Tanja, gehst du auch im Agata’s testen? Dann sag mal, wie es war. Wir wohnen ja da in der Ecke!” - Mache ich gerne, aber warum probiert ihr es nicht einfach mal aus, wenn ihr schon da wohnt? “Da” ist auf der Münsterstraße. Und da wird auf verdammt hohem Niveau gekocht. Jörg Wissmann am Herd ist gerade den “Spitzenköchen” beigetreteten. Und das hat seinen Grund. Ich war hier vor einem halben Jahr mal essen und da war es schon großartig, aber was da mittlerweile in der Küche fabriziert wird, da fehlen mir die Worte. Letztes Mal habe ich schon gesagt: “Sterneverdächtig!” Dieses Mal muss ich sagen: “Stern her!” Mich würde nicht wundern, wenn das “Agata’s” in seiner Kategorie bei der Tour de Menu gewinnen würde. O-H-N-E W-O-R-T-E. Meine Freundin meinte hinterher: “Das war das mit Abstand Beste bei der Tour!”
Ich könnte jetzt einen riesen Roman schreiben, wie unfassbar gut das ist, was dort auf die Teller kommt. Wie großartig der Service rund um Restaurantleiter Christian Dietrich ist. Und mit wieviel Liebe Chefin Agata dabei ist - aber wir können es wirklich kurz machen: Das Menü, die Weine, der Abend - das war eine kleine Sensation.
Schon der Start: “Jakobsmuscheln / Rhabarber / Blumenkohl / Purple Curry”. Sie glauben nicht, was man mit Rhabarber und Blumenkohl so alles anstellen kann. Rhabarber war für mich bis jetzt nie wirklich spannend - dieser hier ist eine Geschmacksexplosion. Die Jakobsmuschel selbstredend perfekt gegart. Blumenkohl - in tollen Variationen. Und wie das schon aussieht. Andreas Gursky hätte kein schöneres Bild machen können.
Der zweite Gang, die “Suppe”, ist eine kleine Zeremonie. Klang für mich erst unspannend: “Essenz / Champignons / Ochsenschwanz / Bärlauch”. Aber diese Essenz hat es in sich. Was für ein aromatisches Gemisch. Die Pilze, das Fleisch, der Bärlauch - die drei spielen miteinander im Mund und machen süchtig. Meine Freundin behauptet: “Das war der beste Gang!” Ich behaupte: Alle.
Denn dieses erfrischende Sorbet, was jetzt kommt, ist ein Knaller: “Sorbet / grüner Apfel / Rote Bete / Zitronenmelisse”. Wie das im Mund regelrecht zusammenfließt. Und wenn Sie bisher dachten, Sie wissen, wie ein Apfel schmeckt, dann wird Sie dieser Gang eines Besseren belehren.
Ähnlich sieht es mit dem Fleisch aus. Ein “Dry Aged Rumpsteak 36 Tage gereift / Möhre / Mangold / Pistazie”. Dieses Steak ist nicht von dieser Welt. Eigentlich könnte man es lutschen, so zart ist es. Die Möhren! Oh! Das alles ist Kunst und stellt die Geschmacksknospen nicht vor eine unlösbare Aufgabe. Hier ist nichts überfrachtend und doch so vielfältig. Die Weine dazu sind fantastisch! Der Service genauso.
Und bei dem Dessert: “Banane & Caraibe 66%” bin ich dann endgültig sprachlos. Was ein Wahnsinns-Dessert. Augen zu und dahinschmelzen. Auf “Petit fours”, die auch noch kommen, kann ich meist verzichten. Die sind oft irgendwie angestaubt und trocken. Diese hier sind großartig. Alleine der “Eis-Lolly”. Leute, Leute, jetzt ist es doch ein kleiner Roman geworden. Wenn Sie sich dieses Menü für 59 Euro, plus 31 Euro für die Weinbegleitung nicht gönnen, dann verpassen Sie was. Kommen Sie mir nicht hinterher, ich hätte es Ihnen nicht gesagt. Ich lege meine Hand dafür ins Feuer, dass es nicht mehr allzu lange dauert, bis hier ein Stern über dem Agata’s hängt. Wenn sie ihn wollen. Einfach der Wahnsinn.
22. März 2013,
14 . Test: La Galleria
Das Menü: 34,50 Euro.
Getrüffelter Wildschweinschinken an Salatbouquet//
Fini-Fini alla Galleria//
Lachs, hausgeräuchert, auf Rösti mit Senf-Feigen-Crème fraîche//
Involtini mit Artischockenfüllung auf Safran-Reis//
Trilogie von der Schokolade//.
Der Test:
Meine Güte, was das ein schöner Abend. Der Kollege Arne Klüh hatte sich “Italienisch” gewünscht. Also habe ich ihn zum Test in “La Galleria” an der Kaiserstraße eingepackt. Es mag komisch klingen, aber manchmal spürt man was, wenn man ein Restaurant betritt. Also mir ging’s so. Und da war was ganz Warmes. Oh je, ich klinge wie ein Kitschroman, aber war halt so. Als hätte man die Tür zu einem Herzen und nicht zu einem Restaurant geöffnet. (Ich fange nächste Woche bei Astro-TV an…)
Gut. Es gibt 5 Gänge heute, die mit einem “einfachen”, aber spektakulär leckeren Gruß aus der Küche eingeläutet werden. Arne und ich sind heute auf Weißwein getrimmt, also wird’s ein fruchtiger, nach Pfirsich duftender Lugana zum Menü. Fein. Bevor das aber losgeht, dürfen wir den selbstgemachten (!) Mozzarella von Chef Franco probieren. Respekt. Der braucht kein Salz, der braucht keinen Pfeffer. Der kann für sich alleine stehen - kleines Tomätchen dazu und rund ist die Nummer. Jetzt heißt es aber ran an den Speck. Oder besser gesagt an das wilde Schwein: “Getrüffelter Wildschweinschinken an Salatbouquet”. Was für ein einzigartiges Aroma. Wo kommt das her? Und ich rede jetzt nicht vom Trüffel, sondern vom Schinken. Arne meint: “Sensationell!” Und wir erfahren: Der wird hier eigenhändig geräuchert. Man schmeckt es. Da ist Sorgfalt und Liebe drin. Klasse statt Masse. Ganz toll.
Ich erzähle Arne gerade noch, dass ich manchmal nicht verstehen kann, dass einige Italiener es nicht schaffen, eine vernünftige Pasta zu machen und dass ich deswegen kaum noch Nudeln bestelle, wenn ich beim Italiener bin. Und dann registriere ich, dass der nächste Gang genau das ist: “Fini-Fini alla Galleria”. Ein klassisches Nudelgericht… Ich erwarte nicht viel, nehme den ersten Bissen und werde direkt in Alices Wunderland befördert. Das gibt’s doch gar nicht. Was soll ich sagen? Die einfachsten Gerichte sind oft einfach die Besten. Hausgemachte Nudeln und was ist denn das bitte schön für eine Sauce?! Die Tomaten, das Basilikum, die kleine Parmesankruste. Klingt total unspektakulär, ist aber die beste Nudelsauce, die mir seit langem unter gekommen ist. Was für ein Aroma! Kein Schischi, einfach nur einfache Zutaten, aber von allerbester Qualität. Was sagt Arne? Wieder: “Sensationell!” Stimmt! Wieviel Liebe muss der Koch in seine Arbeit stecken? Wahnsinn.
Wir können den nächsten Gang gar nicht erwarten: “Lachs, hausgeräuchert, auf Rösti mit Senf-Feigen-Crème fraîche”. Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Wieder sowas leckeres. Hausgeräucherter Lachs! Der sieht aus wie lackiert und schmeckt - ja - sensationell! Hat Biss und schmilzt trotzdem auf der Zunge. Danke für dieses Erlebnis! Gut, mir ist schon bewusst geworden, dass die Restaurants, die bei der Tour mitmachen, in den meisten Fällen auch was drauf haben. Was mich aber hier in der “Galleria” beeindruckt ist, dass die Liebe zum Produkt ganz weit oben auf der Prioritätenliste steht. Das schmeckt auch alles so behutsam. Ich würde dem Koch mein Kind blind anvertrauen. Ach, ich hab ja gar keins. Dann eben Arnes Tochter.
Jetzt bin ich leider schon satt, kann deswegen die “Involtini mit Artischockenfüllung auf Safran-Reis” nicht aufessen, aber ich hätte gerne. Arne meint: “Das Risotto hier ist das Beste heute Abend!” Ich gucke ihn nur an und sage: “Arne, du hast bei jedem Gang ’sensationell’ gesagt…” Er bleibt aber dabei: Alles wahnsinnig lecker, aber dieses Safran-Risotto bekommt von ihm die Krone.
Nachtisch geht ja immer. Also zumindest bei mir. “Trilogie von der Schokolade”. Eis, ein Küchlein, aus dem die flüssige Schokolade läuft, und eine feine Mousse. Traumhaft. Schokolade ist einfach das Beste für die Seele. Wir hatten wirklich einen großartigen Abend mit einem Menü, das gerade mal 34,50 Euro kostet. Hier gehe ich wirklich raus in der Gewissheit, dass es nicht immer Schnick-Schnack hier und Schischi da sein muss, um ganz fantastisch zu kochen. Nicht falsch verstehen, das ist schon Kochen auf sehr hohem Niveau hier, aber es wird einfach sehr viel Wert auf die Unverfälschtheit der Produkte gelegt. Das tat gut.
21. März 2013,
13. Test: La Bora
Das Menü: 37,90 Euro.
Rinderfilet-Carpaccio mit Rucola und Parmesan
oder
Seeteufel-Lachs-Carpaccio mit Zitronenmarinade und Salatbouquet//
Frische Tortellini mit Steinpilzfüllung in Trüffel-Sahne-Sauce//
Lammkarree mit frischen Kräutern an Barolosauce dazu Kartoffelgratin und buntes Gemüse
oder
Steinbuttfilet an Champagner-Sauce auf Gemüse-Risotto//
Feine Orangenmousse mit Grand Marnier und frischen Orangenscheiben//.
Der Test:
So, jetzt muss ich erstmal jammern. Ich nehme ja meine ganzen Kollegen hier mit zum Essen. Wenn die Tour ansteht, dann werden die wie die Geier. Liebevolle Geier. Aber Geier. Die versuchen nach außen ganz ruhig zu bleiben, innerlich sind die aber total unentspannt, weil sie Angst haben, dass sie nicht dabei sind, bei einem der Restaurant-Tests. Ich schmeiße dann immer die ganzen Termine, an denen ich essen gehen möchte, in den Raum und dann geht das los: Der Eine kann nur an dem Termin. Der Andere nur an dem. An einem Termin wollen gleich drei mit. Und den ganzen Quatsch muss ich hier koordinieren. So. Und dann gucken Sie mal, wie Sie dabei auch noch die vegetarischen Vorlieben der Kolleginnen unter bringen. Das klappt nicht immer. Aber heute! Juchu. Es gibt nämlich nicht nur Fleisch.
Die Kollegin Julia Vorpahl is(s)t mit. Und das ist echt süß: Beim Blick auf die Speisekarte sagt sie: “Krass! Mensch Tanja, ich war noch nie so toll essen.” (Sie ist sehr jung. Und kommt aus Duisburg
.) “Du wirst mich da mit großen Augen sitzen sehen!” - Ich hoffe nur, es sind große Augen, weil es wirklich gut schmeckt… Wir gehen ins “La Bora” an der Ecke Hüttenstraße. Hier wird mediterran gekocht.
Sehr angenehme Atmo, herzliche Begrüßung und ein schöner, heller Laden. Mir ist heute auch nach Fisch, also wird es für uns beide das “Seeteufel-Lachs-Carpaccio mit Zitronenmarinade und Salatbouquet” zum Einstieg. Ich mag es ja, wenn man zu jedem Gang einen anderen Wein bekommt. Manchmal mag ich es aber auch, wenn man den ganzen Abend an einer Flasche hängt. Heute ist so ein Abend und deswegen entscheiden wir uns für den Lugana als Begleiter. Gute Wahl! Schön fruchtig, passt. Das Carpaccio ist super. Fisch mag ja gerne mal einen Spritzer Zitrone. Insofern passt das wunderbar. Und das Schöne ist, es ist nicht zu zitronig. Man schmeckt den Eigengeschmack von Seeteufel und Lachs noch, hat aber auch diese schöne Säure. Ganz frische, haudünn geschnittene Kollegen da auf dem Teller. Hervorragend! Und Julia, die eigentlich eher so die komplette Gemüsefraktion ist und auch kaum Fisch zu sich nimmt, leckt sich die Lippen. Toll. Das freut mich.
Das Tempo hier gefällt mir auch. Der nächste Gang kommt nicht zu schnell, aber auch nicht zu lahm: “Frische Tortellini mit Steinpilzfüllung in Trüffel-Sahne-Sauce”. Ich kann gar nicht so schnell gucken, wie Julia den weggeputzt hat. Gut, kann sein, dass ich zu viel laber, anstatt zu essen… Julia ist super happy und strahlt. Mir schmeckt’s auch, ich bin allerdings keine Sahne-Saucen-Typ. Die Zeiten sind für mich irgendwie vorbei, dass ich total drauf abfahre. Es hat nichts damit zu tun, dass es mir nicht schmeckt, ich vertrage es einfach nicht so gut. Insofern lassen wir Julia für all diejenigen sprechen, die Sahne-Saucen (mit Trüffel - fein!) gerne essen: Lecker! Habe ich eigentlich schon gesagt, wie sehr wir vom Service verwöhnt werden? Das macht hier richtig Spaß. Und vor allem fühlt man sich sehr willkommen, so wie es sein sollte, es manchmal aber nicht ist.
Wir machen erst einmal ein kleines Päuschen. Sie wissen: Es gibt nur einen Weg zur Lunge und der muss geteert werden. (Jaaa… Sehr schlechte Angewohnheit, ich weiß…) Also sage ich jetzt einfach: Wir gehen ein bisschen frische Luft schnappen. Und jetzt wird’s für uns richtig lustig. Ich habe an Altweiber nämlich eine falsche Jacke aus der Kneipe mit nach Hause genommen, weil meine verschwunden war. Irgendein Mädel hat mir eine Jacke in die Hand gedrückt und gesagt: “Hier, nimm meine!” Und weil es so bitterkalt war, habe ich das dann auch gemacht. Man macht manchmal Dinge… tss.
Auf jeden Fall sage ich zur Julia: “Wie lustig! Die Jacke, die du an hast - die sieht genauso aus wie die, die ich Altweiber mitgenommen habe. Habe sie aber meiner Mutter geschenkt, weil sie mir nicht gepasst hat.” - Julia: “Tanja! Das war meine!” Wir haben uns weggeschmissen. Ja, dann hat Julia sich die gleiche Jacke nochmal geholt. Die von meiner Mutter will sie auch nicht zurück.
Apropos zurück… Es wird Zeit für den Hauptgang. Auch da bin ich heute fischig unterwegs, Julia ja sowieso: “Steinbuttfilet an Champagner-Sauce auf Gemüse-Risotto”. So, und jetzt übertreibe ich keineswegs, wenn ich sage: Das war der beste Fisch, den ich bis jetzt bei der Tour gegessen habe! So einfach ist das. Der Steinbutt war ein Traum!!! Kross oben und butterweich innen. Tolles Aroma. Die Sauce dazu wie frisch verliebt. Und auch das Risotto war einfach nur ganz großes Kino! Ich verneige mich. Hammer!!!!
Finden wir übrigens beide. Julia meint: “Wenn jeder Fisch so schmecken würde, würde ich nur noch Fisch essen.”
Zum Abschluss gibt es “Feine Orangenmousse mit Grand Marnier und frischen Orangenscheiben”. Auch das ist toll. Einen Touch bitter, dann wieder süßlich. Spielt schön mit den Geschmacksknospen. Erfrischend ist es auch noch.
Ich muss sagen, das “La Bora” hat mich aber mal so richtig überrascht. Vor längerer Zeit war hier mal das “Edelweiß” drin. Da war ich einmal und nie wieder. Klar hat das “La Bora” damit gar nichts zu tun, aber man hat den “Standort” immer noch so im Hinterkopf. Insofern kann ich nur sagen: Wie wunderbar, dass es dort jetzt das “La Bora” gibt. Ein sehr freundlicher Laden, richtig toller Service und verdammt leckeres Essen für jetzt bei der Tour 37,90 Euro. Super. Und wenn das Wetter endlich wieder besser wird, kann man sogar draußen im Biergarten sitzen. Dann sehen wir uns wieder.
20. März 2013,
12. Test: Vente
Das Menü: 39,80 Euro.
Cappuccino von der grünen Markerbse, kross gebackener Bacon//
Halb gebratenes Thunfischsteak, Wasabi-Gnocchi, aufgeschäumte Ingwerbutter//
Medaillon vom Kalbsfilet rosa gebraten, Sternanisjus, Rote-Bete-Püree, Zuckerschoten//
Dem Pitter sein geeister Nougat auf Himbeerspiegel//.
Der Test:
Ich weiß gar nicht, wie oft ich schon dran vorbei gelaufen bin. Am “Vente” da in der kleinen Altstadtgasse. Und jedes Mal habe ich gedacht: “Mensch, musst du auch mal hin.” - Jetzt ist es also endlich so weit. Und Überraschung: So habe ich mir das nicht von innen vorgestellt. Hat so ganz und gar nichts von der lauten Bolker Straße zur Linken - ganz im Gegenteil. Hier kommt man runter. Ein wunderschöner Raum mit viel dunklem Holz, alten Kronleuchtern und unzähligen Kerzen. Bei diesem Licht entsteht eine wunderbare Atmosphäre. Normalerweise gibt es hier Mediterranes und ja, nennen wir es mal Tapas mit rheinischem Einschlag. Passend dazu ist auch der Service: Hat was von einem Köbes, aber ist dann auf den zweiten Blick doch noch eine Spur sanfter. Zur Tour de Menu gibt es jetzt ein 4-Gänge-Menü mit schönen Weinen - das kann ich schon mal vorab sagen. Die Vorspeise: “Cappuccino von der grünen Markerbse, kross gebackener Bacon”, dazu ein Silvaner aus Rheinhessen. Ganz profan könnte man sagen: Eine Erbsensuppe. Aber mit profan hat dieses Süppchen nichts zu tun. Es ist eine ganz feine Erbsensuppe ohne Erbsen-(einlage). Sanft und doch sehr kräftig im Geschmack. Perfekt gewürzt. Fand ich super!!! Und dabei stehe ich gar nicht auf Suppen. Mensch, die war aber richtig lecker. Der Silvaner dazu passt auch super. Rundet das Ganze schön ab.
Es hat richtig was Feierliches, hier zu sitzen, ohne dass es irgendwie spießig wäre. Einfach sehr angenehm. Man spricht automatisch leiser, weil die Kerzen so schön flackern. (Perfekt für’s nächste Date!!!) Zumal der Service immer das Auge beim Gast hat und nie was fehlt.
Geht weiter mit “Halb gebratenem Thunfischsteak, Wasabi-Gnocchi, aufgeschäumter Ingwerbutter” und einem schönen Chardonnay. Toll, der Tunfisch ist wirklich halb gebraten. Soll heißen: Oben und unten eben fast durch und in der Mitte wunderbar rosa und zart. So wie es sein sollte. Das macht Spaß. Zumal Wasabi und Ingwer dem Ganzen einen kleinen Kick geben. Meine Freundin hat eine Kleinigkeit zu meckern: Sie hätte die Wasabi-Gnocchi gerne in grün gehabt und nicht in der typischen Gnocchi-Farbe. Aber hey, ist mir total egal. Hauptsache sie schmecken nach Wasabi. Und das tun sie. Schöner Asia-Touch. Nicht zu viel “Wasabi-Wumms”, nicht zu wenig.
Eigentlich bin ich jetzt schon satt. Ist ja auch kein Wunder, so viel wie ich in den letzten Tagen gefuttert habe. Also kleine Pause und guck an: Dann kann’s doch weiter gehen. Habe plötzlich wieder Platz im Magen gefunden. Der Hauptgang: “Medaillon vom Kalbsfilet rosa gebraten, Sternanisjus, Rote-Bete-Püree, Zuckerschoten”. Jetzt kommt der Rotwein auf den Tisch. (Feines Tröpfchen!) Und auch hier versteht der Koch sein Handwerk. Es ist wirklich rosa und weich wie Butter. Ach, es geht doch nichts über ein schönes Filet. Was ich super finde an diesem Gang: Das Rote-Bete-Püree. Endlich mal kein Sellerie-Püree, das im Moment so gerne genommen wird. Sehr schön. Das schmeckt ganz wunderbar und sieht dazu auch noch farblich toll aus. Ich steh jetzt nicht so sehr auf Sternanis, meine Freundin liebt es. Ist eben Geschmackssache. Sie leckt den Teller fast ab und sagt ständig: “Dieses Sößchen. Mensch, dieses Sößchen!” Insofern bleibt mir nichts anderes übrig, als ihr fast den Teller aus der Hand zu reißen. Wo kommen wir denn dahin, wenn die hier wirklich mit der Zunge düber schleckt.
Ich bin ein Dessert-Freak! Und ich liebe Nougat. Also her mit dem Ding: “Dem Pitter sein geeister Nougat auf Himbeerspiegel”. Kommt in sehr charmanter Begleitung daher mit einer Grauburgunder Auslese vom Kaiserstuhl. Woohoo! Oh ja, es gibt einen Dessert-Gott. Ich wusste es immer. Diese kalte Nougat-Bombe ist mit Nüssen aller Art gefüllt. Der Burner dabei: Die Pistazien. Ja, einfach ein perfektes Dessert für mich. Könnte ich mich rein legen.
Jetzt war ich also endlich mal im “Vente” auf der Lambertusstraße und es war nicht das letzte Mal. Das war wirklich ne ziemlich leckere Nummer für 39,80 Euro (plus 19,20 Euro für den Wein) und abgesehen davon hat mich der Laden total überzeugt. Man kann kaum glauben, dass ein paar Meter weiter nebenan die Touris besoffen aus dem Oberbayern torkeln. Hier ist es ruhig, kuschelig, romantisch. Ohne kitschig zu sein. Top Location für ein Genießer-Abendessen.
18. März 2013,
11. Test: La Piazzetta
Das Menü: 35,00 Euro.
Frühlingsgemüsesalat in Minestronevinaigrette mit gebackenem Büffelricotta in Mossbeerkruste//
Sellerie-Cannelloni mit Ochsenschwanzessenz in Taleggiokäseschaum//
Dorade in der Salzkruste auf Kichererbsenpüree mit Haselnussduft und frappierter Amalfi-Zitronenbutter
oder
Kalbsbäckchen im Pergament auf Wiesenkräutern gegart mit Dicke Bohnen-Kartoffel-Ragout//
Weißer Schokoladen Albatrüffel auf geeistem Vanille-Sahneschaum in Himbeernage
oder
Warmer Ziegenkäse in Grappa mit Rosinen, Rucolasalat in Pistazienvinaigrette//.
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Der Test:Â
Premiere! Ich gehe zum ersten Mal mit unserem Fortuna-Reporter Olli Bendt essen. Habe ich total Lust drauf. Nicht nur, weil ich ihn sehr mag, auch weil ich dann endlich jemanden dabei habe, mit dem ich über Fußball quatschen kann. Wir sind in der „La Piazzetta“. Es wird also italienisch in diesem echt liebevollen „kleinen Platz“.
Olli kommt gerade von der Fortuna-Pressekonferenz und hat jede Menge Hunger mitgebracht. Na, wie praktisch. Dann lass loslegen mit „Frühlingsgemüsesalat in Minestronevinaigrette mit gebackenem Büffelricotta in Mossbeerkruste“.
Das ist super, weil: Erfrischend, knackig, aromatisch. Man könnte meinen, es ist wirklich ein schöner Frühlingstag, wenn da nicht die olle Holle oben am Fenster wäre. Die mit dem Kissen, das sie ständig ausschüttelt. Die ist doch auch schon im Rentenalter mittlerweile, oder? Die Renate Holle. Oder hieß sie Irmgard mit Vornamen? Egal. Das ist ein schöner, frühlingshafter Auftakt. Den Büffelricotta hätte ich noch nicht mal gebraucht. Olli erzählt mittlerweile, dass er beim Spiel gegen die Bayern am Rande des Wahnsinns war. Wen wundert’s?! Boah, wär das geil gewesen, oder? Die Bayern weg hauen im eigenen Stadion. Weil das Philosophieren hungrig macht, kommen jetzt auch perfekterweise die „Sellerie-Cannelloni mit Ochsenschwanzessenz in Taleggiokäseschaum“. Ich gebe zu, ich bin skeptisch. Ich kann Sellerie nämlich eigentlich nicht mehr sehen. Also gucke ich mürrisch, nehme den ersten Biss und gucke dann noch komischer, denn das ist mal ganz anders. Mensch, ist das lecker. Die Ochsenschwanzessenz reißt richtig was raus. Toll. Hatte ich so nicht erwartet. Der Selleriegeschmack ist nur ganz dezent. Feines Ding.
Ich lege Ihnen übrigens unbedingt die Weinbegleitung ans Herz. Sehr gut ausgesucht zu den einzelnen Gängen, schöne Tropfen. Der Service hier ist auch top. Aufmerksam, angenehm und hat Plan. Und was der uns jetzt da an den Tisch bringt… Heidewitzka, wie sieht das denn aus? Ich hatte mich für die „Dorade in der Salzkruste auf Kichererbsenpüree mit Haselnussduft und frappierter Amalfi-Zitronenbutter“ entschieden. Olli braucht nach der ganzen Fußball-Aufregung die „Kalbsbäckchen im Pergament auf Wiesenkräutern gegart mit Dicke Bohnen-Kartoffel-Ragout“.
Beides – also die Kalbsbäckchen und Dorade – kommen noch ‘eingepackt’ an den Tisch. Und werden jetzt fachmännisch und liebevoll aus dem Pergament bzw. der Salzkruste befreit. Dampfend landen sie dann bei ihren Ragout- bzw. Pürree-Kollegen auf den Tellern. Tolle Präsentation. Das Auge isst halt mit. Olli ist voll und ganz begeistert. Die Kalbsbäckchen sind zart, schmecken fantastisch, sagt er. Und das Ragout dazu sei auch toll. Meine Dorade ist auf selbigem Niveau. Traumhaft. Das Kichererbsenpürree war nicht ganz meins. Ich steh aber auch nicht auf Kichererbsen. War mir ‘zu voll’ im Mund. Passt aber zur Dorade, so ist es nicht. Und die ist wirklich herrlich. Zerfällt fast auf dem Teller.
Mittlerweile haben wir ja schon ein paar Gläschen Wein genießen dürfen, also rechne ich mir gute Chancen aus, Olli ein paar Fortuna-Geheimnisse entlocken zu können. Ist aber nix zu machen…
Welches Dessert? Schwierig. Ich will beides und das ist eigentlich absurd, weil ich Ziegenkäse eigentlich nicht ab kann. Aber das klingt so gut: „Warmer Ziegenkäse in Grappa mit Rosinen, Rucolasalat in Pistazienvinaigrette“. Auf der anderen Seite haben wir das hier: „ Weißer Schokoladen Albatrüffel auf geeistem Vanille-Sahneschaum in Himbeernage“. Das klingt schon so, als ob es sich lohnen würde, dafür zu töten. Weil ich beides probieren will, lasse ich Olli den Vortritt (er mag auch keinen Ziegenkäse) und lasse ihn an die Schokolade.
Ich bin neidisch! Dieses Dessert sieht schon dermaßen verführerisch aus! Ein absolutes Kunstwerk, was da an den Tisch kommt. Wow! Olli kriegt den Mund nicht mehr zu. Meine Chance ist also gekommen, diese Schockstarre (im absolut positiven Sinn, weil er so überwältigt ist) auszunutzen. Zack – ein Stück Schokalden-Albatrüffel geklaut. Gigantisch. Schmeckt einfach nur gigantisch.
Was den Ziegenkäse angeht: Dafür, dass ich eigentlich absolut kein Fan davon bin: Lecker! Die Rosinen machen dieses (wie ich bei Ziege immer finde) strenge Aroma milder. Die Süße ist schön dazu. Und auch der leichte Grappa-Touch. Wenn Sie auf Ziegenkäse stehen, schmeckt es Ihnen bestimmt super. Trotzdem würde ich das Süße empfehlen. Wie gesagt: Gigantisch!
Fazit also: Ein wirklich schönes Menü mit tollen Weinen für gerade mal 35,00 Euro. Die Weinbegleitung kostet sogar nur 14. Das ist Bombe. Olli sagt „Beide Daumen hoch!“ Würde ich jederzeit nochmal machen. Dann wieder mit Olli und dem ersten Sieg der Fortuna gegen die Bayern in der nächsten Saison in Liga 1.
17. März 2013,
10. Test: Ratatouille
Das Menü: 36,90 Euro.
Steinpilz-Trüffel-Ravioli, gefüllt mit Brie in einer Thymian-Sahne-Sauce//
Chili-Erdbeeren-Süppchen mit Melonen-Zitronengras-Sorbet und Sesam-Kroketten//
Duett von pochierten Seezungenröllchen auf Thunfischtatar mit Wasabi und Kartoffel-Törtchen
oder
Veau blanc vom Kalbsfilet an violetter Senfschaum-Sauce und Kartoffel-Mandel-Birnchen//
Charlotte au Chocolat mit Himbeer-Vanillesauce und hausgemachtes persisches Nuss-Pistazien-Parfait//.
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Der Test:
Mit dem Kollegen Philipp Klees ist auch nix mehr los. Echt mal. Ich habe mich extra schon um 18 Uhr mit ihm im “Ratatouille” getroffen, weil wir beide am nächsten Tag früh arbeiten mussten. Klar müssen wir dann richtig früh aufstehen, aber deswegen kein einziges Glas Wein zu trinken? Ich kenn da ja nix. Wenn ich teste, dann richtig. Aber nein, Philipp möchte abstinent bleiben. Erst dachte ich mir: “Bitte schön, dann verpasst er eben was!” Heute denke ich mir: “Hättest du es mal so gemacht wie er…”.
Oh nein, keine Sorge! Da gibt es keinen Fusel. Das sind leckere Tropfen, die da ins Glas kommen. War nur ein bisschen spät… Das “Ratatouille” ist von der Location her super. Es ist wirklich so: Sie treten ein, Sie setzen sich, Sie sind in Frankreich. Chansons und Co. laufen im Hintergrund, Bistro-Flair. Ein bisschen wie Urlaub. Und den beginnen wir mit „Steinpilz-Trüffel-Ravioli, gefüllt mit Brie in einer Thymian-Sahne-Sauce“. Dazu nehme ich den Picpoul de Pinet, Philipp ein Wasser. Das schmeckt genauso lecker, wie es klingt und aussieht. Steinpilz und Trüffel, diese beiden edlen Herrschaften, die verstehen sich super. Einfach eine sehr runde Sache und wie Philipp hinterher sagt, sein Lieblingsgang.
Das Restaurant ist mittlerweile rappel voll. Trotzdem geht’s schnell mit dem zweiten Gang: „Chili-Erdbeeren-Süppchen mit Melonen-Zitronengras-Sorbet und Sesam-Kroketten“. Dazu gibt es einen Sauvignon Blanc für mich. Philipp nimmt ein Wasser. Auf diesen Gang stehe ich ungemein. Für meinen Geschmack hätte es ruhig noch eine Spur Chili mehr sein können, aber für Philipp (das Weichei
) ist das genau richtig so. Er ist da sehr empfindlich und da wird er nicht der Einzige sein. Insofern bleibt nach jedem Löffel eine leichte Schärfe, die sich von hinten anschleicht. Sehr angenehm zur sanften Erdbeere. Und das Sorbet ist toll. Ein richtig schöner Gang!
Beim Hauptgang haben Sie dann wieder die Wahl, ob Fisch oder Fleisch. Für mich wird es das „Duett von pochierten Seezungenröllchen auf Thunfischtatar mit Wasabi und Kartoffel-Törtchen“. Begleitet von einem feinen Vouvray sec. Philipp nimmt das „Veau blanc vom Kalbsfilet an violetter Senfschaum-Sauce und Kartoffel-Mandel-Birnchen“ und ein Wasser. Philipp sagt, dass seins eigentlich hervorragend schmeckt, ihm das Veau blanc allerdings zu wenig gewürzt ist. Er findet es langweilig, im Gegensatz zu den restlichen Komponenten auf seinem Teller.
Ich habe nichts zu meckern. Obwohl… Doch: Das Tatar mit Wasabi… Da hatte ich (wie beim Chili zuvor) ein bisschen mehr Kick erwartet. Die typische Wasabischärfe ist nicht zu spüren und dabei wäre sie doch perfekt zum Tunfisch. Schade – das hätte es perfekt gemacht. So war es auf jeden Fall sehr lecker, aber nicht „wow“.
Das Dessert „Charlotte au Chocolat mit Himbeer-Vanillesauce und hausgemachtes persisches Nuss-Pistazien-Parfait“ ist dann aber der Oberhammer! Der Crémant d‘Alsace perfekt für diesen Abschluss. Philipp trinkt Wasser. Von dem Nuss-Pistazien-Parfait möchte ich auf der Stelle eine ganze LKW-Ladung. Wow! Das ist fantastisch!!! Ich versuche, Philipp noch etwas zu klauen, aber zu spät. Der Teller war dann auch innerhalb kürzester Zeit leer geputzt. Das Menü gibt es für
36,90 Euro. Ziemlich guter Preis und das „Ratatouille“ brummt. Hat zur Folge, dass die begehrten Tische zwei Mal am Abend vergeben werden. Damit eben mehr Genießer das Menü essen können. Von 18 bis 21 Uhr und dann wieder ab 21 Uhr. Hat natürlich seine Vor- und Nachteile. Auf jeden Fall ist es eine schöne Reise nach Frankreich…
14. März 2013,
9. Test: Schumacher im Tönnchen
Das Menü: 29,90 Euro.
Olivers Carpaccio vom gekochtem Eisbein mit Trüffelvinaigrette//
Espresso von der Erbse und frittiertem Tiroler Speck//
Confierter Schweinebauch auf Rahmsauerkraut und Schumacher Altbierjus//
Ralfs Düsseldorfer Quarkstrudel und Schwarzwälder Kirsch-Sauce//.
Der Test:
Heute nehme ich mal den Chef mit. Ins “Schumacher im Tönnchen”. Man könnte auch sagen: Ins “Schumacher im Tanja”. Ich fühle mich nämlich langsam so wie ein Tönnchen. Aber es ist trotzdem toll, so viele verschiedene Dinge ausprobieren und testen zu können. Und heute Abend bin ich besonders gespannt. In meinen Augen ist das hier nämlich nicht so das ‘typische’ Tour de Menu-Restaurant. “Schumacher im Tönnchen”, das klingt auf den ersten Blick nach “ohne-viel-Schnick-Schnack” und nach ehrlicher Hausmannskost. Auf den zweiten Blick, der auf das Tour-Menu fällt, sieht das dann aber doch schon ein kleines bisschen anders aus und doch…
Es ist vom Stil her ein modernes Brauhaus. Gemütlich. Freundliche Atmosphäre. Woanders gibt es Carpaccio vom Rind oder Seeteufel. Hier - und das finde ich spannend: Vom gekochten Eisbein. Eine tolle Idee. Kann super sein, kann aber auch echt in die Hose gehen. “Olivers Carpaccio vom gekochtem Eisbein mit Trüffelvinaigrette” entpuppt sich aber als ein ganz schön leckeres Etwas. Was ich außerdem super finde: Als Begleiter gibt es ein Pils. Das passt mal sowas von wie die Faust auf’s Auge. Auch der Chef nickt und meint: “Das war ein toller Auftakt!”
Gang 2 ist mein Lieblingsgang: “Espresso von der Erbse und frittiertem Tiroler Speck”. Eine “Erbsensuppe” also im Prinzip. Aber was für eine! Die ist ganz, ganz toll. Super gewürzt und der Speck gibt dem Ganzen noch den Kick. Wow. Echt. So einen “Espresso” hatte ich nicht erwartet. Applaus! Dieses Mal gibt es übrigens einen Wein dazu. Eine Dame, die sich “Waltraud” nennt, Nachname Riesling. Wo meist hauptsächlich Bier über die Theke geht, ist es oft so, dass die Weine eine absolute Katastrophe sind. Hier nicht! Ganz im Gegenteil. Hier kann man beides. Der Service ist übrigens auf Zack. Immer den Blick für den Gast und sehr, sehr angenehm.
Vor dem Hauptgang hatte ich ein bisschen Angst. Ich mag’s nämlich nicht so fettig: “Confierter Schweinebauch auf Rahmsauerkraut und Schumacher Altbierjus”, dazu - na, klar - ein Glas Alt. Der Chef steht total auf Schweinebauch und hebt die Daumen nach dem ersten Bissen. Und ich muss sagen: Dafür dass ich eigentlich keinen Schweinebauch mag - sehr gut! Da war nix wabbelig. Schön kross oben und unten sehr aromatisches Fleisch. Leckere Sauce. Und ein Hoch auf das Sauerkraut. Da hätte ich mich reinlegen können.
Als Dessert gibt es “Ralfs Düsseldorfer Quarkstrudel und Schwarzwälder Kirsch-Sauce”. Dieses Mal wieder mit Wein. Einem süßen Moscatel Oro aus Spanien. Das ist auch lecker. Ein ehrliches Dessert ohne viel Schnickschnack.
Also: Ich fand den Abend toll, weil es auch einfach mal was anderes war. Und vor allem hat mich das Schumacher im Tönnchen überrascht. Ich war skeptisch, ob da jetzt jemand versucht, was zu zaubern, was er nicht kann. Aber davon kann ganz und gar nicht die Rede sein. Das war spannend, das war rheinisch-ehrlich und vor allem war’s schlicht und einfach lecker. Kostet 29,90 Euro. Toller Service und Wohlfühlen ist angesagt.
13. März 2013,
8. Test: Saschas Rotisserie und Bar
Das Menü: EUR 29,90.
Bouillabaisseschaum oder Grüne Spargel-Velouté//
Couscous mit Ratatouille und Gamba//
Kalbsbäckchen mit lauwarmen Rotkohl-Ingwersalat und Kartoffelstampf
oder
Wells-Forellen-Roulade auf Wasabischaum mit Champagner-Kraut und Gruyère-Kartoffelpüree//
Schokomousse mit Mango-Chili-Chutney//.
Der Test:
Es gibt so Momente, da möchte man am liebsten einfach den Mund halten. Den Schatz einschließen und für sich bewahren und niemandem verraten, dass es sowas gibt. Sowas wie Saschas Rotisserie und Bar. Aber es nützt ja nix. Ich muss es verraten. Steht ja auch in der Tour-Broschüre. Und - ok - auch das muss ich zugeben: ‘Sascha’ ist längst kein Geheimtipp mehr. Es sei denn, Sie sind nicht so oft in Flingern unterwegs, an der Ecke am Wehrhahn. Ich für meinen Teil habe mich verliebt in das kleine, gemütliche Restaurant. (Was man nicht alles aus einer ehemaligen Imbissbude machen kann…) In das Essen und in den Chef am Herd. Ich bin süchtig nach diesen französischen Schweinereien. Zur Tour gibt’s ein 4-Gang-Menu. Und lassen Sie sich gesagt sein: Es hat es in sich. Da können viele andere einpacken. Es schmeckt tatsächlich einfach wie Gott in Frankreich. Für kurze Zeit will man mit dem Finger auf die Speisekarte tippen und dem Service mit Händen und Füßen klar machen, was man will. Weil man kein Französisch kann. Und dann fällt einem erst wieder auf: So ein Quatsch. Bin ja in Flingern.
Die Kollegin Susi Makarewicz ist mit dabei. Ihres Zeichens Vegetarierin und an Fisch traut sie sich auch erst seit kurzer Zeit. Insofern startet sie mit der “Grünen Spargel-Velouté”, ich nehme den “Bouillabaisseschaum”. Nennen wir sie ‘feine Suppen’. Es geht nichts über eine gute Bouillabaise und diese hier ist gut! Wunderbares feines Aroma. Nicht zuuu fischig, ganz sanft. Susi sitzt plötzlich wie erstarrt am Tisch und guckt mich mit großen Augen an. Ich: “Oh je - schmeckt’s dir nicht?” - Sie: “Neeeiinn! Das ist der Wahnsinn. Ich möchte, dass diese Tasse niemals leer wird!” Ich darf probieren und gucke sie jetzt genauso sprachlos an. Die Spargel-Velouté ist wirklich der Wahnsinn!
Wenn das so weitergeht… “Couscous mit Ratatouille und Gamba” steht an. Kennen Sie den Film? Mit der kochenden Ratte? Die dem Restaurant-Kritiker am Ende ein Ratatouille serviert, bei dem vorher alle die Hände über dem Kopf zusammenschlagen: Doch nicht so was Einfaches! - Und dann isst der Kritiker das und fängt an zu weinen und zu träumen. Kindheitserinnerungen und ein Geschmack, der seinesgleichen sucht. So ging es Susi und mir. Da kamen zwar keine Kindheitserinnerungen hoch, wir hatten aber fast Tränen vor Freude in den Augen. Ist das großartig! Klingt so einfach und ist so lecker. Der Weißburgunder dazu passt. Susi, die eigentlich keine Gambas mag, isst sie! Sie schüttelt nur mit dem Kopf und sagt: “Das ist einfach so lecker. Selbst das, was ich nicht mag, schmeckt mir hier.” Ich glaube, wir waren beide lange nicht mehr so begeistert.
Beim Hauptgang wie immer die Frage: Fleisch oder Fisch? Ich finde, die “Kalbsbäckchen mit lauwarmen Rotkohl-Ingwersalat und Kartoffelstampf” klingen mehr als verlockend, aber heute bin ich fischig unterwegs. Also gibt’s für uns beide: “Wells-Forellen-Roulade auf Wasabischaum mit Champagner-Kraut und Gruyère-Kartoffelpüree”. Dazu ein Gläschen Riesling. Was soll ich Ihnen sagen? Wie kann man so gut kochen? Ich wage jetzt mal diese Aussage: Sascha gehört für mich zu den Spitzenköchen in Düsseldorf. Irgendwie ist er der ungekrönte König. Das nächste Mal bringe ich ihm die Krone und das Zepter mit, die ihm zustehen. Denn spätestens beim Dessert: “Schokomousse mit Mango-Chili-Chutney” sitzen wir da in diesem gemütlichen Restaurant und gucken uns nur noch ungläubig an. Dieses großartige Menü kostet gerade mal 29,90 Euro. Der Laden hat Charme. Der Service ist super aufmerksam. Ein absolutes Highlight bei dieser Tour - und drüber hinaus!
13. März 2013,
7. Test: Trattoria Mille Lire
Das Menü: 36,90 Euro.
Süppchen mit Spinat und Ingwer garniert mit hauchdünn geschnittenen Steinpilzen und frischem Trüffel//
Rindercarpaccio ummantelt mit gehackten Mandeln und Pistazien mit Rucola in Gorgonzoladressing, garniert mit gebratenen Steinpilzen und frischem Trüffel//
Ravioli gefüllt mit Steinpilzen auf einer Käsecreme, dazu fein gewürfelte italienische Salsiccia, garniert mit frischem Trüffel//
Kalbsfilet gefüllt mit verschiedenem Gemüse auf einem Spinatbett, dazu in Butter geschwenkter Spargel an Cherrytomaten, beträufelt mit getrüffelter Soße, garniert mit frischem Trüffel//
Panna cotta mit Mangogeschmack auf einem Kiwibett//.
Der Test:
Dieser Abend stand unter keinem guten Stern. In einem Anfall von Selbstüberschätzung habe ich meinen besten Kumpel Torsten gefragt, ob er mit mir das “Mille Lire” testen will. Hintergrund: Wir gucken immer zusammen Fußball, wenn seine Blauen gegen meine Schwarz-Gelben spielen. Und ich dachte: “Mensch, danach können wir doch noch essen gehen und meinen Sieg feiern! Dann schmeckt’s doppelt gut!” Das ging dann aber komplett nach hinten los. Aber: Man muss auch mal gönnen können. Hätte wenigstens die Fortuna ein 2:2 gegen die Bayern geholt - das wär’s gewesen. Aber die machen ja wie immer in der Schlussphase den Sack zu. Was soll’s. Wird der Kummer eben in Wein ertränkt. Die „Trattoria Mille Lire” ist ein gemütliches Restaurant, in dem man sich menütechnisch heute so ein wenig das Motto “Steinpilze und Trüffel” auf die Fahnen geschrieben hat. Torsten ist glücklich. Er liebt beides nämlich.
Wir werden italienisch-herzlich empfangen und entscheiden uns für die Empfehlung, einen Primitivo, als Essensbegleiter. Sehr gute Wahl! Und dann kann’s auch gleich losgehen mit dem “Süppchen mit Spinat und Ingwer garniert mit hauchdünn geschnittenen Steinpilzen und frischem Trüffel”. Torsten hat die Schüssel innerhalb von fünf Minuten leer gefegt und ist total begeistert. Ich muss sagen, so richtig meins war es nicht. Das hat geschmeckt, ja. Aber mir hat irgendwie der Kick gefehlt. Torsten widerspricht: Er ist begeistert. Ist eben Geschmackssache wie alles im Leben. Sagen wir mal so: Ich fand die Suppe gut, würde jetzt aber nicht vor Freude durch die Stadt tanzen. Das ändert sich allerdings beim “Rindercarpaccio ummantelt mit gehackten Mandeln und Pistazien mit Rucola in Gorgonzoladressing, garniert mit gebratenen Steinpilzen und frischem Trüffel”. Das ist wirklich hervorragend. Tolles, dünn geschnittenes Rind. Die Mandeln und Pistazien sorgen für einen Hauch Süße, Rucola und Gorgonzola für den kräftigen Gegenpart. Dazu das Trüffelaroma. Ja, das war fein. Dieses Mal sind Torsten und ich gleich schnell, grinsen uns an und nicken.
Es ist wirklich gemütlich hier und ich mag den Blick in die offene Küche, wo kräftig gebrutzelt wird. Mittlerweile ist der Laden nämlich gerammelt voll. Kein Platz mehr frei und fast alle pfeiffen sich das Tour-Menü rein. Das Problem (da möchte ich jetzt ehrlich sein) ist, dass der Chef wohl kurzfristig krank geworden ist und heute alles ein bisschen drunter und drüber geht. Der Service gibt sein Bestes und ist zuckersüß, aber manchmal ein wenig überfordert. Es tut mir fast leid, dass ich ausgerechnet diesen Tag erwischt habe. Es ist nicht schlimm - die Hütte ist auch einfach rappelvoll. Und ich habe etwas Mitleid mit dem eifrigen Service. Aber so warten wir dann gleich sehr, sehr lange auf den Hauptgang. Wir verbuchen das unter “Es-gibt-halt-manchmal-so-einen-Tag” (siehe der Sieg der Blauen…) und freuen uns zunächst einmal auf die “Ravioli gefüllt mit Steinpilzen auf einer Käsecreme, dazu fein gewürfelte italienische Salsiccia, garniert mit frischem Trüffel”.
Schön. Ich liebe Salsiccia und diese hier ist sehr lecker und schön würzig. Auch die Ravioli können was. Ich finde die Steinpilze hier richtig toll. Die Sauce wird mit Brot aufgelöffelt. Mir persönlich wird der Trüffel jetzt etwas zu viel, aber die Mehrheit wird es mit Torsten halten, der gar nicht genug davon bekommen kann. Er zeigt “beide Daumen hoch”, ich “einen”.
Der Hauptgang ist mein Lieblingsgang: “Kalbsfilet gefüllt mit verschiedenem Gemüse auf einem Spinatbett, dazu in Butter geschwenkter Spargel an Cherrytomaten, beträufelt mit getrüffelter Soße, garniert mit frischem Trüffel”. Einfach nur sehr, sehr lecker!!! Ich ärger mich ein wenig, weil ich heute einen Tag erwischt habe, an dem ich nicht so viel essen kann. So muss ich was vom wunderbaren Kalbsfilet liegen lassen und es tut mir in der Seele weh. Diesen Gang hätte ich sehr gerne bis auf den letzten Krümel verputzt.
Zum Abschluss gibt es Torstens Lieblingsnachspeise: “Panna cotta mit Mangogeschmack auf einem Kiwibett”. Hier gibt es nichts zu kritisieren. Eine feine Panna cotta, die schön fruchtig daher kommt. Schöner Abschluss. Preislich ist das top. 36,90 Euro für das Menü. Es gibt sehr schöne Weine zur Auswahl. Torsten hat hinterher beschlossen, dass das auf jeden Fall ein Restaurant ist, das er jetzt auf seine “Muss-ich-wieder-hin-Liste” packt. Ein sehr herzlicher Laden, in dem man sich wohl fühlt. Und wirklich “Danke!” an den Service, der versucht hat, überall gleichzeitig zu sein.
11. März 2013,


